Hamburg. Der Aufstieg ist Marvin Willoughby nicht genug: Die Hamburg Towers wollen auch die Bundesliga rocken – und ganz Hamburg.

Als Marvin Willoughby mit seinen Plänen für die Hamburg Towers begann, war dort, wo in der nächsten Saison Erstliga-Basketball gespielt wird, noch ein Parkplatz. In der Abendblatt-Gesprächsreihe „Entscheider treffen Haider“ erzählt der Geschäftsführer der aktuell erfolgreichsten Profi-Mannschaft der Stadt, warum er unbedingt Spitzenbasketball nach Wilhelmsburg holen wollte welche Rolle Andy Grote und Dirk Nowitzki dabei spielten und warum der Abstieg des HSV eine Katastrophe für die Towers war. Das ganze Gespräch hören Sie unter www.abendblatt.de/entscheider.

Marvin Willoughby über … eine Enttäuschung, die er lautstark verarbeiten musste:

„Ich war sehr, sehr unglücklich, als die Mannschaft zum Ende der regulären Saison leichtfertig den zweiten Platz verspielt hat. Das haben die Spieler dann auch erfahren, ich war sauer, und das habe ich ihnen hinterher in der Kabine auch deutlich gesagt. Ich bin recht laut geworden in der Situation, und ich glaube, das war richtig.“

… die eigene Karriere:

„Als ich angefangen habe mit Profisport, habe ich mit meiner Mutter abgesprochen, dass wir uns zusammensetzen, wenn ich 25 bin, um zu sehen, in welche Richtung meine Karriere geht. Damals war relativ schnell klar, dass ich mit Basketball mein Geld verdienen kann, weswegen ich das angefangene Jurastudium nach ein paar Semestern beendet habe. Als ich wegen einer Fußverletzung mit 27 dann aufhören musste, habe ich BWL studiert, gleichzeitig aber angefangen, den Verein in Wilhelmsburg aufzubauen. Den Bachelor habe ich noch gemacht, seitdem arbeite ich voll. Ich hätte für einen Master gar keine Zeit mehr gehabt.“

… den Plan, Profisport nach Wilhelmsburg zu holen:

„Wir hatten am Anfang eine Din-A4-Seite, auf der wir zusammengeschrieben hatten, was wir wollten: Wir wollten Profisport in Wilhelmsburg etablieren. Wir haben angefangen mit Jugend- und Nachwuchsprojekten und Sozialarbeit, und brauchten dafür eine Heimat. Wir waren auf der Suche nach einer Halle, uns hätte auch eine alte Lagerhalle gereicht. Und dann wurde in Wilhelmsburg für die Internationale Gartenschau eine Blumenhalle gebaut - das ist heute die Arena, in der wir spielen. Erste Bundesliga in einer ehemaligen Blumenhalle, die auf einem ehemaligen Parkplatz steht: Damit haben wir jetzt eines unserer Ziele erreicht. Ein anderes, übergeordnetes war, endlich den Sprung über die Elbe zu schaffen. Wenn ein Junge oder ein Mädchen nach Eppendorf oder Blankenese kommt, und dort erzählt, dass es in Wilhelmsburg lebt, dann sollen die Menschen nicht fragen: Ist das nicht gefährlich? Sie sollen sagen: Das ist doch die Heimat der Towers, die sind großartig.“

… den Aufstieg in die erste Liga:

„Wir wussten, dass es mit dem Erstliga-Aufstieg nicht so schnell gehen würde, wie das einige, die uns in den Anfängen begleitet haben, gern gesehen hätten. Das haben wir nicht als nachhaltig empfunden. Wir waren auch in den ersten Jahren überhaupt nicht bereit dafür, hatten die benötigten Strukturen nicht. Und wir hatten große Angst, dass etwas, was schnell anfängt, auch schnell wieder beendet ist. Für uns war zudem immer klar, dass unsere Sozialarbeit nicht durch den Profisport gefährdet werden darf. Nach drei Jahren war dann der Punkt erreicht, an dem wir nicht wussten, wie lange wir den Hype um die Hamburg Towers in der zweiten Liga aufrechterhalten können. Deshalb kommt der Aufstieg jetzt zu einer guter Zeit.“

…. die Pläne in der ersten Liga:

„Wir wollen mit positiven Zielen in die Saison gehen, und uns nicht mit dem Abstieg beschäftigen. Ziel ist eine Teilnahme an den Play-offs, auch wenn wir wissen, dass das ein harter Weg wird. Wir wollen eine Bundesliga-Mannschaft etablieren, die regelmäßig unter die besten acht kommt. Wir erwarten nicht, dass das morgen passiert, wir wollen uns wieder Stück für Stück entwickeln.“

…. die Stimmung in der Arena in Wilhelmsburg:

„Wir brauchen auch in der ersten Liga unbedingt unsere Arena mit dieser einmaligen Stimmung, das ist ein großer Vorteil, der Spiele entscheiden kann. Wenn wir morgen schon in der Barclaycard-Arena spielen würden, hätten wir diesen Vorteil nicht. Wobei es eine interessante Frage ist, wie groß das Potenzial für Bundesliga-Basketball in Hamburg ist. Grundsätzlich wollen wir aber im Süden Hamburgs bleiben, auch mit einer größeren Halle, die vielleicht in fünf, sechs Jahren kommt. Sicherlich können wir mehr als 3400 Zuschauer erreichen, unser letztes Heimspiel war innerhalb von fünf Minuten ausverkauft, In Chemnitz, bei unserem letzten Halbfinalspiel, hätten 15.000 Tickets verkauft werden können.“

…. den Abstieg des HSV und die Krise des Profisports in Hamburg:

„Für uns war das eine Katastrophe. Nach der gescheiterten Hamburger Olympia-Bewerbung, dem Aus für Bundesliga-Handball und -Eishockey sowie der Krise beim HSV war es unheimlich schwer, in Hamburg Sponsoren für Profisport zu begeistern. Der Abstieg des HSV war ein Riesenproblem für uns. Ich glaube, dass es uns helfen würde, wenn sich der Profisport in Hamburg möglichst schnell wieder erholen und der HSV noch in dieser Saison aufsteigen würde. Ich frage mich aber natürlich auch, was für eine Chance für uns daraus erwachsen könnte, wenn wir ein Jahr das einzige Erstliga-Team in einer der fünf großen Sportarten wären. Alba Berlin ist auch deshalb groß geworden, weil damals Fußball in Berlin nicht so das große Thema war.“

… Edelfan Andy Grote, den Innensenator:

„Andy Grote war schon zu seiner Zeit als Bezirksamtsleiter Fan, der war von Anfang an dabei und hat uns unterstützt. Mich hat sehr gefreut, dass er mit Frau und Kind zum letzten Spiel nach Chemnitz gekommen ist, zusammen mit 200 anderen Fans. Ich bin hundertprozentig davon überzeugt, dass wir ohne deren Unterstützung das fünfte Spiel nicht gewonnen hätten. Die haben uns zum Sieg geschrien, und Andy Grote war einer davon.“

…. über Dirk Nowitzki, Superstar und Freund:

„Seine Stiftung hat uns sehr, sehr unterstützt, gerade am Anfang. Aber es war auch von Anfang an klar: Wenn Dirk Nowitzki sich in so einem Projekt wie den Hamburg Towers engagiert, dann ist das sein Projekt, und nicht mehr meins. Das wollten wir nicht, was aber nicht heißt, dass es nicht irgendwann den Punkt gibt, an dem wir auch gemeinsam etwas machen. Ich freue mich, wenn wir uns im Sommer wiedersehen und über alles sprechen. Aber für mich ist es natürlich auch etwas nervig, wenn wir in Chemnitz in die erste Liga aufsteigen, und in Überschriften steht, dass Dirk der erste war, der uns gratuliert hat. Da frage ich mich; Was muss ich denn machen, damit nicht immer meine Dirk-Geschichte im Mittelpunkt steht?“