Dem Tod auf der Spur

Als der Mörder im Gerichtssaal ermordet wurde

Klaus Püschel und Bettina Mittelacher.

Klaus Püschel und Bettina Mittelacher.

Foto: HA

Im Abendblatt-Podcast mit Rechtsmediziner Klaus Püschel geht es um einen 25 Jahre alten Fall, der es in sich hat.

Hamburg.  Er hat seine Freundin umgebracht. Er hat ihr ein Hemd um den Hals geschlungen und sie damit erdrosselt. Und nun sollte Dieter D. für diese Tat vor Gericht seine Strafe bekommen. Doch kaum war das Urteil verkündet, fand der 39-Jährige selber den Tod: Dieter D. wurde ermordet, mitten im Gerichtssaal, vor den Augen mehrerer entsetzter Zeugen. „Der soll mal krepieren, dieses Schwein“, sagte der Täter, nachdem er Dieter D. niedergestochen hatte.

Dieser Fall, der vor gut 25 Jahren die Hamburger Justiz erschütterte, ist Thema der neuesten Folge des Crime-Podcasts „Dem Tod auf der Spur“ von Rechtsmediziner Klaus Püschel und Gerichtsreporterin Bettina Mittelacher. Die Journalistin war im Gerichtssaal dabei, als ein Mann am 14. September 1994 plötzlich auf den Angeklagten Dieter D. zustürmte, zweimal ausholte und ihn niederstach. Sie sah, wie das Opfer langsam zu Boden sackte und sich eine Blutlache um seinen Körper ausbreitete. Sie erlebte mit, wie Rettungskräfte sich um das Leben des Niedergestochenen bemühten - vergeblich.

Wieso war das Opfer nicht zu retten? Wie konnte es dem Mann gelingen, ein Messer in das gut gesicherte Strafjustizgebäude zu schmuggeln? Unter welchen Umständen war Monate zuvor die Frau umgekommen, um deren Tod es im Prozess gegangen war? Und was war das Motiv für den Mann, der im Gerichtssaal zum Mörder wurde? Rechtsmediziner Püschel und Gerichtsreporterin Mittel­acher sprechen in ihrem Podcast über die Befunde im Obduktionssaal, sie beschreiben ein kompliziertes Dreiecksverhältnis einer Frau und zweier Männer, und sie reden über Todessehnsucht und Eifersucht, über Einsamkeit und Rache.

Dem Tod auf der Spur: Ein Ausblick

Denn der 57-Jährige, der im Gerichtssaal zugestochen hat, wollte damit den Tod jener Frau rächen, die für ihn der wichtigste Mensch im Leben war. Als er hörte, dass der Mann, der diese Frau auf dem Gewissen hatte, eine relativ geringe Strafe bekommen sollte, „da ging mir durch den Kopf: Jetzt richte ich ihn“, sagte der 57-Jährige später.

Dieser Fall ist der vierte im Podcast „Dem Tod auf der Spur“. Eine vorherige Folge befasst sich mit dem Säurefassmörder, der zwei Frauen entführte, folterte, tötete und ihre Leichen in Säurefässern vergrub. Eine Folge schildert den Fall des Mannes, der bei einem Autounfall mitten in der Stadt vier Menschen tötete, eine andere den des sogenannten „Oma-Mörders“, der binnen neun Tagen fünf betagte Frauen ermordete.

In kommenden Sendungen wird es unter anderem um einen Voodoomord und um den Frauenmörder Fritz Honka gehen.