Himmel & Elbe

Blind Date: Yared Dibaba über Glaube, Flucht und Heimat

Die Bischöfin Kirsten Fehrs trifft den Moderator und Sänger Yared Dibaba im Podcast Blind Date.

Die Bischöfin Kirsten Fehrs trifft den Moderator und Sänger Yared Dibaba im Podcast Blind Date.

Foto: Thorsten Ahlf

Bischöfin Kirsten Fehrs trifft in ihrem Podcast den Moderator. Außerdem: „Der eilige Geist“ im Magazin Himmel & Elbe zum Download.

Hamburg. Es sind die Bilder von verzweifelten Flüchtlingen an der Grenze zu Griechenland und die von überfüllten Schlauchbooten im Mittelmeer, die dem Gespräch zwischen Bischöfin Kirsten Fehrs und Moderator Yared Dibaba beim Podcast Blind Date sofort eine Tiefe und Ernsthaftigkeit geben. Erinnerungen kommen bei den Gesprächspartnern hoch. Als „Stimme der Seeleute“ hatte Kirsten Fehrs die Gelegenheit, sich ein Containerschiff anzuschauen und mit den Seeleuten zu reden, die mit ihrer Linie genau an den Flüchtlingsbooten vorbeifahren.

„Viele der Seemänner sind traumatisiert, weil sie nichts tun können, um die Menschen zu retten. Ihre Schiffe sind schlichtweg zu hoch, sie können die Schlauchboote nicht bergen.“ Die Bischöfin erinnert sich zudem an einen Besuch in einem jordanischen Flüchtlingslager: „Dort bin ich Kindern begegnet, die taub geworden sind, weil neben ihnen eine Bombe explodiert ist. Da dachte ich, hoffentlich ist Gott jetzt genau bei diesen Jungen und Mädchen.“

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Der Sänger hat den Bürgerkrieg in Äthiopien erlebt

Für Yared Dibaba waren es die Kämpfe, die er während des Bürgerkriegs in seinem Geburtsland Äthiopien erlebt hat, die ihn zu einem gläubigen Menschen gemacht haben. Er war etwa acht Jahre alt und wegen einer Tropenkrankheit in der Klinik. Direkt vor dem Krankenhaus wurde geschossen. „Ich hatte sehr große Angst. Das Buch mit dem Titel ,Kindergebete an den lieben Gott‘ lag an meinem Bett, und das hat mir viel Mut, Kraft und Hoffnung gegeben. Ich habe immer zu Gott gebetet, dass er mich nach Deutschland bringt, dort war es sicher.“ Zweieinhalb Jahre später flüchtete er mit seiner Familie über Kenia 1979 nach Deutschland, „das war für mich der Beweis, dass es Gott gibt. Und er begleitet mich seither“, sagt der 50-Jährige.

Er hatte zuvor schon als Kleinkind mit seinen Eltern und seinem Bruder drei Jahre lang in Norddeutschland gelebt. Sein Vater studierte an der Universität Osnabrück Erziehungswissenschaften - 1976 kehrte die Familie nach Äthiopien zurück, bis der Bürgerkrieg sie zur Flucht zwang. Zum Glück fand der Vater eine gute Stellung als Dozent in der Erwachsenenbildung, die Familie lebte von da an in dem kleinen niedersächsischen Dorf Falkenburg. „Doch der Rest meiner Verwandten, auch die Großeltern , blieb in Afrika­“, sagt Yared Dibaba.

Als Teenager kam er nicht mit den beiden Welten zurecht

Die Fluchtgeschichte, die Erfahrung, seine Heimat gleich mehrfach zu verlieren und wieder neu anzufangen, prägen das Leben von Dibaba. Sehr offen erzählt er von seinen Schwierigkeiten, als Teenager mit den verschiedenen Identitäten zurechtzukommen: „Was war ich nun: Deutscher, Äthiopier, schwarz oder weiß? Ich hatte Probleme, meine beiden Welten zusammenzubringen.“

Heute sieht er darin einen Schatz, aus dem er schöpfen könne. „Nun kann ich jeden Rechtschreibfehler damit erklären, dass ich nicht ursprünglich deutsch bin“, sagt er lachend, „und wenn mir einer doof kommt, sag ich: Ej, ick schnack platt, was is mit dir?“

Auch die Bischöfin versteht Plattdeutsch gut

Sagt es und wechselt problemlos in das Plattdeutsche über. Eine Sprache, die auch Bischöfin Kirsten Fehrs sehr gut versteht. Schließlich kommt sie aus Wesselburen im Landkreis Dithmarschen. „Mir wurde das Platt leider richtiggehend abgewöhnt. So war das damals noch in den 60ern. Aber ich erinnere, dass wir in unserer Küche immer platt sprachen, doch sobald wir ins Wohnzimmer gingen, wurde ins Hochdeutsche gewechselt.“

Für den Sänger und Entertainer Dibaba ist das Plattdeutsche zu einem seiner Markenzeichen geworden. Fehrs sieht ihn als einen Botschafter dieser Sprache. In ganz Deutschland ist er mit seinem Programm „op Platt“ aufgetreten. „Platt ist mir wahrscheinlich deswegen so wichtig, weil ich zu einem Volk in Äthiopien gehöre, das seine Sprache in meiner Kinderzeit nicht sprechen durfte – obwohl die Oromo das größte Volk sind in dem Land. Sprache ist für mich ein Gefühl von Heimat, die Wurzel“, sagt der Vater zweier Söhne, der mit einer Portugiesin verheiratet ist.

Mit Heidi Kabel auf der Bühne

Und schließlich stand er mit der Ikone des Plattdeutschen, der Schauspielerin Heidi Kabel, am Anfang seiner Karriere im Ohnsorg-Theater auf der Bühne – das ist der Ritterschlag, mehr geht eigentlich kaum. Inzwischen hat Dibaba eine eigene Band, die Schlickrutscher. Wenn Sie wissen wollen, wann er mit der leidenschaftlichen Chorsängerin Kirsten Fehrs gemeinsam Shantys singen wird, hören Sie sich den Podcast.