Vorstand des größten deutschen Kreditinstitutes lehnt Banken-Rettungspaket ab

Regierung kritisiert Deutsche-Bank-Chef Ackermann

Lesedauer: 3 Minuten

Der Staat will den Banken helfen. Doch Josef Ackermann winkt ab: "Ich würde mich schämen, wenn wir Staatsgeld annehmen würden." Für die Regierung das falsche Signal.

Berlin. Die Bundesregierung hat Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann vorgeworfen, das staatliche Rettungspaket für das Finanzwesen in Misskredit gebracht zu haben. Für die Regierung seien Ackermanns Äußerungen "bedenklich, unverständlich und inakzeptabel", sagte ihr Sprecher Thomas Steg am Montag in Berlin. Nach den Vorgesprächen mit dem Banker habe man davon ausgehen können, dass Ackermann zumindest die Philosophie des Pakets verstanden habe.

Ackermann hatte laut "Spiegel" öffentlich erklärt, die Deutsche Bank werde das Rettungspaket nicht in Anspruch nehmen. "Ich würde mich schämen, wenn wir Staatsgeld annehmen würden", wird der Vorstandschef zitiert. Es bestehe die Gefahr, dass die Banken in vielen Ländern der Welt nun zu Institutionen würden, die auch nationale oder staatliche Interessen vertreten.

Diese Äußerungen seien "sehr befremdlich und überraschend", sagte Steg. Sie zeugten von einem mangelnden Verständnis für das, was sich ereignet habe. Bundeskanzlerin Angela Merkel und Finanzminister Peer Steinbrück hätten ausdrücklich darauf hingewiesen, dass es "nicht ehrenrührig" sei, wenn Banken das Rettungspaket in Anspruch nähmen. Sie handelten im Gegenteil verantwortungsbewusst.

Steg nannte es unverständlich, dass jemand, der eine Lösung für das gesamte Finanzsystem gefordert habe, dann denen, die sie in Anspruch nehmen wollten, ein schlechtes Gewissen einrede. Die Kritik sei nicht nachvollziehbar.

Ackermann hatte darüber hinaus am Wochenende erklärt, er sehe keinen Grund für eine Entschuldigung, wie sie Bundespräsident Horst Köhler wegen der Finanzkrise von den Banken gefordert hatte. Sein Unternehmen habe erheblich weniger und weniger gravierende Fehler gemacht als andere, sagte Ackermann der "Bild am Sonntag". "Wir haben selbst in der Krise bisher noch über drei Milliarden Euro netto verdient, eine hohe Kapitalquote und können uns Zukäufe wie zum Beispiel bei der Postbank leisten. So schlecht haben wir uns also nicht geschlagen."

Der Vorsitzende der Linken, Oskar Lafontaine, verteidigte am Montag die umstrittene Äußerung von Peter Sodann über Ackermann. Es sei "erfrischend, wenn ein ehemaliger 'Tatort'-Kommissar so empört ist über die verzockten Summen, dass er dies für strafrechtlich relevant hält", sagte Lafontaine der "Stuttgarter Zeitung" mit Blick auf die Finanzkrise.

Der Kandidat der Linken für die Nachfolge von Bundespräsident Horst Köhler, der aus der DDR stammende Schauspieler Sodann, hatte gesagt, er würde als "Polizeikommissar von Deutschland" Ackermann verhaften. Lafontaine erklärte, er "würde da nicht nur an Herrn Ackermann, sondern an viele andere denken, die ebenfalls an dieser Zockerei beteiligt waren".

Ackermann hatte zu der Sodann-Äußerung in "Bild am Sonntag" erklärt: "Ich finde es ungeheuerlich, dass jemand so etwas sagt, der für das höchste Amt in einem Rechtsstaat kandidiert. Mir wird langsam angst um dieses Land."