CSD: Gleiche Rechte wie Heteros

Zehntausende beim Hamburger Christopher Street Day

Rund zehntausend Schwule, Lesben, Trans- und Bisexuelle sind bei der Parade zum Christopher Street Day (CSD) auf 16 bunt geschmückten Festwagen ausgelassen durch die Hamburger Innenstadt gezogen.

Hamburg. Regenbogenfahnen hängen in den Fenstern, feiernde Menschen tanzen auf den Balkonen, die Straßen sind umringt von Menschenmassen. Plötzlich ergießt sich mit einem lauten Knall Konfettiregen über die Menge und die 16 bunt geschmückten Festwagen im Hamburger Stadtteil St. Georg setzen sich in Bewegung. Schillernde Kostüme und schrille Outfits finden sich zuhauf in der frivolen Parade zum Christopher Street Day: Transsexuelle in High Heels und Netzstrümpfen, Männer in rosa Röcken oder eng anliegenden Lederkostümen. Zwei Drag-Queens feiern ausgelassen am Straßenrand. "Die Stimmung ist zum Zerbersten", rufen die beiden, die sich in Anlehnung an eine US-Sängerin "Amie Winehaus" nennen.

Zahlreiche Schaulustige tanzen zur Musik, die laut aus den Boxen der Trucks schallt. Sie pusten in ihre Trillerpfeifen und versuchen Süßigkeiten und Kondome zu fangen, die von den Wagen heruntergeworfen werden. Viele stecken sich von der Party-Lust an und reihen sich in den Zug ein. Bei strahlendem Sonnenschein und Temperaturen um die 30 Grad lassen es einige Feierlustige auch etwas freizügiger angehen. So läuft der schwul-lesbische Sportverein "Startschuss" in "Naturtrikots" auf: Die Elf hat sich per Bodypainting blaue Jerseys auf die nackte Haut gemalt.

Freizügig geben sich auch Lea und Lulu, die auf den ersten Blick wie zwei waschechte Transsexuelle aussehen. Hohe Schuhe, verlängerte Wimpern, das Gesicht voll greller Schminke. Doch der Blick täuscht: "Wir sind schwul und laufen nur einmal im Jahr als Fummel-Trinen rum. Manchmal hat man eben das Bedürfnis, Frauenklamotten anzuziehen." Außerdem sprächen einen dann viele hübsche Männer an.

Eine Gruppe Homosexueller trägt schwarze Shirts mit dem Aufdruck "Nicht gucken - Anfassen!". Die Jungs aus Düsseldorf, Berlin und Hamburg kommen seit 2004 in der gleichen Besetzung zum CSD. Viele Leute würden ihrem textilen Aufruf Folge leisten, erzählt der 34 Jahre alte Alex. "Die meisten fragen aber vorher noch mal".

Nicht nur Party, sondern auch Politik

Doch die Schwulen, Lesben, Trans- und Bisexuellen sind nicht nur zum Feiern auf die Straße gegangen. Unter dem typisch hanseatischen Motto "Butter bei die Fische" fordern sie die Politik auf, "keine halben Sachen mehr zu machen". Denn für viele ist die Eingetragene Lebenspartnerschaft sieben Jahre nach ihrer Einführung noch weit von einer Gleichstellung mit der Ehe entfernt. So kleben auf vielen Zügen Banner mit der Forderung nach Gleichstellung im Steuer- und Rentenrecht. Auch Plakate mit dem Wunsch nach gleichem Adoptionsrecht sind zu sehen. "Wir stehen zu unserer Sexualität und wollen die gleichen Rechte wie Heteros haben", betont die 32 Jahre alte Nadine, die mit sechs lesbischen Freundinnen die Parade genießt.

Riesige Menschentrauben bilden sich während des Umzugs vor dem Hauptbahnhof, in der Mönckebergstraße und auf dem Jungfernstieg. Die Veranstalter vom Verein Hamburg Pride sprechen von zehntausenden Menschen. Mit dem CSD erinnern Schwule und Lesben auf der ganzen Welt an den ersten Aufstand von Homosexuellen gegen die Polizei im Juni 1969 in der New Yorker Christopher Street. Zuvor gab es immer wieder Razzien in Kneipen und Bars der schwulen Szene, sexuelle Minderheiten wurden unterdrückt. 1979 wurde in Deutschland der erste CSD in Bremen und Berlin gefeiert. Seit zwölf Jahren gibt es die Party auch in Hamburg. Allerdings gab es diesmal eine Premiere: Erstmals wurde die Regenbogenfahne direkt am ehrwürdigen Rathaus gehisst - wie im schwarz-grünen Koalitionsvertrag vereinbart.