Gleisbauarbeiten contra Pendler

Zugstrecke Berlin-Hamburg für drei Monate dicht

Verspätungen, Stress, eventuelle Taxikosten und angespannte Stimmung zu Hause - nur ein Bruchteil dessen, was im März 2009 auf die täglichen Pendler auf der Strecke von Berlin nach Hamburg zukommen könnte.

Die Sperrung der direkten Bahnstrecke Berlin-Hamburg ist erforderlich, weil mangelhafte Bahnschwellen ausgetauscht werden müssen, das berichtet die "Berliner Morgenpost" in ihrer heutigen Ausgabe.

Bereits 2003 hatte etwa ein Fünftel der Schwellen ausgetauscht werden müssen. Grund dafür war mangelhafte Qualität der von einem mecklenburgischen Betrieb gefertigten Schwellen, die zu dem Zerbröseln geführt hatte.

Dabei hat alles so schön angefangen: Seit 2006 dauert die Fahrt zwischen Berlin und Hamburg etwa anderthalb Stunden. Jeden Tag fahren knapp 10 000 Menschen zwischen Berlin und Hamburg hin und her, das sind 3000 mehr als noch in 2004. In einem Bericht der "Welt" erzählen deshalb viele Berufspendler von einer großen Erleichterung durch diese Verbindung.

Arbeiten in Berlin, wohnen in Hamburg oder umgekehrt - was insbesondere für eingemauerte West-Berliner vor Jahren noch unverstellbar schien, ist für einige Tausend Bewohner der beiden Metropolen inzwischen Alltag.

Zum Beispiel für Adisat Semenitsch. Die Schauspielerin wohnt in Berlin, und während ihres Engagements in Hamburg mit täglichen Vorstellungen pendelt sie mit dem ICE. "Ich wohne in Tiergarten, nur fünf Minuten vom Hauptbahnhof entfernt", sagt die 45jährige. Exakt eine Stunde und 50 Minuten braucht von ihrer Haustür zur Bühne.

Die Zeit im Zug nutzt Adisat Semenitsch allerdings nicht für die Arbeit - "die Texte sitzen längst" -, sondern für ein Schwätzchen mit ihren Berliner Kollegen - die genau wie sie das schnelle Angebot der Bahn nutzen.

Ab März 2009 ist dann erstmal für drei Monate Schluß mit der schnellen Bahnverbindung von 90 Minuten für die 287-Kilometer-Strecke ohne Zwischenstop. Die Fahrgäste müssen sich auf eine mehr als 30 Minuten längere Fahrzeit einrichten. Abendblatt.de wünscht allen Pendlern eine gehörige Portion Geduld.