"Ehrenmord"-Fall: Familie äußert sich

"Mein Sohn ist ein Verbrecher"

Im "Ehrenmordfall" hat der Vater der getöteten Morsal O. nun erstmals ein Fernseh-Interview gegeben. Darin betonte er, die Tat seines Sohnes sei nicht von der Familie geplant gewesen.

Hamburg. "Mein Sohn ist ein Verbrecher", erklärte der Vater der getöteten 16-Jährigen in der NDR-Sendung "Menschen und Schlagzeilen". "Die Tat war nicht von der Familie geplant." Während des Interviews zeigte der Vater immer wieder Fotos seinen toten Tochter. "Ich hasse ihn", sagt die Mutter am Rande des Interviews über ihren Sohn.

Die Familie sei allerdings mit Morsals Lebensstil nicht einverstanden gewesen, so der Vater. Deshalb habe man sie für mehrere Monate nach Afghanistan geschickt, damit sie dort "die Sitten und Gebräuche des Heimatlandes kennen lernen soll". (Das ganze Interview mit dem Vater zeigt der NDR am Mittwoch, 21 Uhr.)

Zuvor erklärte die Polizei, sie habe bislang keine Hinweise auf eine Mitwisserschaft in der Familie der jungen Deutsch-Afghanin. "Wir werden weiter im Umfeld ermitteln", sagte ein Polizeisprecher. Demnach gehen die Ermittler noch einzelnen Spuren nach. Bis zu einem endgültigen Ergebnis könne es noch dauern.

Unterdessen wurde die Leiche des Mädchens von der Polizei zur Bestattung freigegeben. Die 16-Jährige war in der Nacht zum vergangenen Freitag von ihrem vorbestraften 23-jährigen Bruder mit mehr als 20 Messerstichen getötet worden. Das Mädchen lebte von seiner Familie getrennt; in der Vergangenheit hatte es Auseinandersetzungen gegeben, weil die Jugendliche sich nicht den traditionellen Regeln der Familie beugen wollte.

Wie der NDR unter Berufung auf das Bezirksamt Hamburg-Mitte berichtete, sollte die Deutsch-Afghanin schon in wenigen Tagen von einem Jugendhaus in eine andere Sozialeinrichtung außerhalb Hamburgs umziehen. Dort sollte sie wieder zur Schule gehen, auch ein Praktikumsplatz war bereits gefunden. "Wir waren kurz davor, eine Lösung für die Jugendliche zu finden, dann haben sich die Ereignisse überschlagen", sagte Bezirksamtssprecherin Sorina Weiland dem Sender.

Die Staatsanwaltschaft hatte bereits am Montag Medienberichte bestätigt, wonach der 23-jährige Tatverdächtige im März wegen gefährlicher Körperverletzung zu einer Haftstrafe von einem Jahr und fünf Monaten auf Bewährung verurteilt worden war. Er habe jedoch Haftaufschub beantragt und sei deswegen in der vergangenen Woche noch auf freiem Fuß gewesen.