Gesundheitsbehörde: warnt vor Schäden

Hamburger Discotheken lauter als ein Presslufthammer

Die Musik in Hamburger Diskotheken ist nach Messungen der Gesundheitsbehörde deutlich zu laut. Bei unangemeldeten Kontrollen war die Musik in 90 Prozent der Fälle lauter als die vom Gesundheitsschutz geforderten 100 Dezibel.

Hamburg. Alarmierende Ergebnisse über die Lautstärke in Discotheken haben unangemeldete Messungen der Hamburger Gesundheitsbehörde erbracht. Bei Kontrollen in 27 Musikclubs wurden in 90 Prozent der Fälle Lautstärken von 103 Dezibel gemessen, teilte der Senat am Mittwoch mit. Dabei würden bereits 100 Dezibel der Lautstärke eines Presslufthammers in zehn Meter Entfernung gleichkommen. "Diese Ergebnisse sind aus Sicht des Gesundheitsschutzes nicht akzeptabel", erklärte Sozialsenatorin Birgit Schnieber-Jastram (CDU).

Die gering erscheinende Differenz von 100 zu 103 Dezibel entspreche faktisch einer Verdoppelung der Schallenergie, weil Dezibel in logaritmischen Skalen gemessen werde. In vier Fällen wurden sogar 107 Dezibel festgestellt. Am Arbeitsplatz ist ab 85 Dezibel ein Gehörschutz Pflicht. Eine Stunde Aufenthalt bei 101 Dezibel habe die gleiche gehörschädigende Wirkung wie eine 40-Stunden-Woche bei 85 Dezibel. Bei 103 Dezibel reichten dafür schon 38 Minuten.

In keinem der kontrollierten Lokale waren Schallpegelmessgeräte im Einsatz - weder für den Disjockey noch für das Publikum. Seit 2005 engagiert sich die Gesundheitsbehörde gemeinsam mit Branchen- und Berufsverbänden bei der Aufklärung und Fortbildung von Disjockeys (DJ) und Betreibern von Discotheken. Zu den Angeboten gehört das Qualitätsiegel "Freiwillig kontrollierte Lautstärke" sowie Seminare zur Erlangung des DJ-Führerscheins.

Mit der Lärmpegel-Begrenzung auf unter 100 Dezibel soll das Risiko von unheilbaren Gehörschäden bei den Besuchern verringert werden. Mit bundesweit über 100 Millionen Besuchern jährlich würden Discotheken und Tanzbetriebe unter den möglichen Ursachen für Lärmschwerhörigkeit herausragen. Die jetzt gemessenen enormen Lautstärken seien auch darum unverständlich, weil sich immer mehr Gäste weniger laute Musik wünschen würden.