EU-Kommission: Nach monatelanger Prüfung

Norddeutsche Affi darf Cumerio übernehmen

Der Hamburger Kupferproduzent will 80 Prozent seines belgischen Konkurrenten kaufen. Dafür muss aber der österreichische Großaktionär Mirko Kovats mitspielen.

Hamburg. Durch das neue Unternehmen sei keine marktbeherrschende Stellung in bestimmten Segmenten des europäischen Kupfermarktes zu befürchten, teilte die Europäische Kommission am Mittwoch in Brüssel mit. Jetzt soll die Angebotsfrist sehr kurzfristig beginnen, sagte der Vorstandsvorsitzende der Norddeutschen Affinerie (NA) Bernd Drouven in Hamburg. Die NA hatte den Cumerio-Aktionären im Juni 2007 ein Barangebot von 30 Euro je Aktie gemacht. Der Aufsichtsrat des belgischen Unternehmens hatte daraufhin den Aktionären die Annahme des Angebots empfohlen.

Nach wie vor unklar ist jedoch die Rolle des österreichischen Industriellen Mirko Kovats, der mehr als 25 Prozent an Cumerio sowie knapp 14 Prozent an der Affinerie hält. Kovats will nach eigenen Angaben einen europäischen Kupferkonzern schmieden, konnte aber bislang keinen maßgeblichen Einfluss auf die NA gewinnen. Der frühere NA-Vorstandschef Werner Marnette, der mit Kovats kooperieren wollte, musste gehen (wir berichteten).

Gegenwärtig kann Kovats nur fünf Prozent seiner Stimmrechte bei der NA ausüben; eine geplante Aufstockung seiner Anteile auf 30 Prozent hat er wegen laufender Untersuchungen des Bundeskartellamtes zunächst verschoben. Das Amt prüft, ob die Affinerie gemeinsam mit Kovats' Kupferproduktion im österreichischen Brixlegg eine marktbeherrschende Position erreicht. Um mögliche Bedenken des Amtes zu zerstreuen, hat sich Kovats bereits von Teilen der Produktion getrennt und weitere Zugeständnisse signalisiert.

Die NA will mindestens 80 Prozent an Cumerio übernehmen, doch hält Kovats 25 Prozent, so dass die Affinerie auf seine Mitwirkung bei der Fusion angewiesen ist oder sich mit einem geringeren Anteil als geplant zufriedengeben muss. In einer Mitteilung an die Börse Euronext in Brüssel hatte A-Tec vor wenigen Tagen erklärt, das Investment an Cumerio sei langfristig und strategisch. "Es ist höchst unwahrscheinlich, dass A-Tec die Cumerio-Aktien im Zuge der Übernahmeofferte der NA anbietet", heißt es in der Mitteilung, die von dem Internet-Dienst "Börse-express" zitiert wird. Andererseits hatte Kovats zuvor in Interviews erklärt, er unterstütze die Fusion.

In den vergangenen Tagen sind vermehrt Zweifel an Kovats' finanzieller Leistungsfähigkeit laut geworden. Neben der geplanten Aufstockung seiner Anteile an der NA will er auch bei einer serbischen Kupfermine einsteigen; beides zusammen würde wohl mehr als eine halbe Milliarde Euro kosten. Das Unternehmen A-Tec hat jedoch bereits eine hohe Zinslast zu tragen. Die A-Tec-Aktie hat seit Jahresbeginn fast die die Hälfte ihres Wertes verloren; gemessen am Höchststand der vergangenen zwölf Monate sind es sogar drei Viertel. Analysten klagen über unklare Strategie und mangelnde Transparenz.