Benazir Bhutto - Gegnerin der Islamisten

Dass es gefährlich für sie werden würde, wusste die frühere pakistanische Ministerpräsidentin Benazir Bhutto sehr genau, als sie Mitte Oktober nach acht Jahren im Exil in ihre Heimat zurückkehrte. Ihre Entscheidung bezahlte sie jetzt mit dem Leben.

Islamabad. Nur Stunden nach ihrer Ankunft am 18. Oktober war sie schon das Ziel eines ersten verheerenden Bombenanschlags, bei dem mindestens 140 Menschen getötet und etwa 250 weitere verletzt wurden. Sie selbst blieb unversehrt. Jetzt wurde sie bei einem Anschlag auf eine ihrer Wahlkampfkundgebungen von einem Attentäter getötet. Wer hinter dem Attentat steckt, war zunächst unbekannt.

Bhuttos politische Laufbahn glich einer Achterbahnfahrt: Sie war die erste Regierungschefin der islamischen Welt, musste aber unter heftigen Korruptionsvorwürfen wieder abtreten und das Land verlassen. Nach Pakistan zurückgekommen war Bhutto vor wenigen Wochen, um bei der Parlamentswahl Anfang Januar anzutreten und die Herrschaft von Präsident Pervez Musharraf anzugreifen. Dieser hatte Bhutto nach der Verhängung des Ausnahmezustands auch vorübergehend unter Hausarrest gesetzt.

Ihre eigentliche Kampfansage galt aber den islamischen Extremisten, die sich im Grenzgebiet zu Afghanistan festgesetzt haben. "Ich bin ein Symbol dessen, was die sogenannten Dschihadisten, die Taliban und die Al Kaida am meisten fürchten", schrieb sie in ihrer Autobiographie. "Ich bin eine politische Führerin, die darum kämpft, Moderne, Kommunikation, Bildung und Technik nach Pakistan zu bringen."

Geboren am 21. Juni 1953, trat Benazir Bhutto bald in die Fußstapfen ihres Vaters Zulfikar Ali Bhutto. Der Präsident und Ministerpräsident schickte seine älteste Tochter zum Studium von Politik und Verwaltung nach Oxford und Harvard. Sein Sturz durch einen Militärputsch im Jahr 1977 und seine folgende Hinrichtung waren prägende Erfahrungen für Benazir Bhutto. Unter der Herrschaft von General Zia ul Haq wurde sie mehrere Male verhaftet, ehe sie 1984 nach England ins Exil gehen konnte. Zwei Jahre später kehrte sie zurück und führte Massendemonstrationen für die Wiederherstellung der Zivilregierung an.

Die Wende kam 1988: Nach Zias Tod bei einem mysteriösen Flugzeugabsturz bekam Benazir Bhutto das erste von drei Kindern, führte ihre Pakistanische Volkspartei (PPP) zum Wahlsieg und wurde die erste Ministerpräsidentin eines islamischen Staates. Schon bald aber geriet sie mit der militärischen Elite aneinander. Nach 20 Monaten wurde ihre erste Regierung unter Korruptionsvorwürfen entlassen. 1993 wurde Bhutto zwar wiedergewählt. Aber die Zeit der Schicksalsschläge war nicht zu Ende: 1996 wurde Benazirs Bruder Murtaza bei einer Schießerei mit der Polizei in Karachi getötet. Ihr jüngster Bruder Shahnawaz war bereits ein Jahrzehnt zuvor unter ungeklärten Umständen in Frankreich gestorben.

Benazir warf Präsident Farooq Leghari damals vor, am Tod von Murtaza mitschuldig zu sei. Bald darauf entließ dieser auch ihre zweite Regierung nach neuen Vorwürfen der Misswirtschaft. 1996 musste Bhutto ihrem Rivalen Nawaz Sharif den Vortritt lassen, und unter der neuen Regierung wurden die Ermittlungen wegen Korruption weiter vorangetrieben. Bhutto entschied sich zur Ausreise, kurz bevor sie ein Gericht im April 1999 schuldig sprach und ihr jede politische Betätigung untersagte. Das Urteil wurde später zwar aufgehoben, doch blieb Bhutto weiter im Exil.

Ihre Entscheidung, doch wieder nach Pakistan zurückzukehren, um in die politische Geschicke ihres Landes einzugreifen, bezahlte sie nun mit dem Leben.