Konsolidierungsprozess bei Drogerien

Rossmann übernimmt Kloppenburg

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Der Konsolidierungsprozess unter den deutschen Drogeriemärkten geht weiter. Die Nummer drei der Branche, Rossmann, übernimmt die Mehrheit am norddeutschen Konkurrenten Kloppenburg, der auf Rang sechs liegt.

Damit rückt Rossmann deutlich enger an dm heran, die Nummer zwei - unangefochten vorne bleibt der Drogeriekönig Schlecker. Der Preiskampf im Wettbewerb um die Kunden ist hart, die Renditen im Vergleich zu anderen Branchen gering, Größe bedeutet Einkaufsmacht.

Zwar teilte Rossmann am Donnerstag in Burgwedel bei Hannover mit, Gesellschaft und Kloppenburg-Zentrale in Kiel blieben erhalten, die unter Kloppenburg geführten Filialen sollten durch Rossmann- Sortimente ergänzt werden. Doch könnte Kloppenburg auf längere Sicht ein ähnliches Schicksal wie der Tengelmann-Tochter kd drohen, die nach der Übernahme durch Rossmann als Marke vom deutschen Drogeriemarkt verschwand - kd-Läden wurden zu Rossmann-Filialen.

Der Verdrängungswettbewerb in der Branche ist schon seit langem im Gang. Erst im Oktober hatte Branchenprimus Schlecker die Übernahme der fünftgrößten deutschen Drogeriekette Ihr Platz verkündet, die als Zweitmarke fortgeführt werden soll.

Neben dem Hamburger Traditionsunternehmen Iwan Budnikowsky GmbH & Co. KG ist Kloppenburg eine der letzten größeren Drogeriemarktkette mit einem regionalen Schwerpunkt. Kloppenburg hat rund 160 Filialen vor allem in Schleswig-Holstein, aber auch in Hamburg, Mecklenburg- Vorpommern und Niedersachsen und rund 2600 Beschäftigte. Zum Vergleich: Rossmann betreibt bundesweit rund 1250 Läden und hat rund 15 000 Beschäftigte.

"Traditionelle, kleine Drogerien haben das Feld weitgehend geräumt", heißt es in einer Studie des Beratungsunternehmens Accenture. Die vier großen Ketten teilen sich heute mehr als 90 Prozent des Marktes - dies sind Schlecker, dm, Rossmann und das vor allem im Süden tätige Unternehmen Müller, dessen Läden Kaufhauscharakter haben. Die Prognose der Beratungsfirma: Die vier Großen werden übrige Anbieter weiter aus dem Feld drängen.

Die dominierenden Ketten setzen weiter auf Expansion, vor allem auch, um im Einkauf günstigere Preise zu holen. Viele Verbraucher wird der Konkurrenzkampf in der Drogerie-Branche freuen, zumindest was die Preise angeht - denn die dürften weiter niedrig bleiben.

Marktführer ist Schlecker - mit derzeit bundesweit knapp 11 000 Filialen ist die Kette an fast jeder Ecke zu finden, hat aber deutlich kleinere Läden als die Konkurrenz und setzt eher auf das Discount-Prinzip. Damit erwirtschaftet Schlecker einen Deutschland- Umsatz von rund 6 Milliarden Euro. Dahinter gibt es ein Gerangel: Mit der Übernahme von Kloppenburg verkürzt Rossmann den Abstand zu dm deutlich. Die Karlsruher Kette kam im Geschäftsjahr 2006/2007 auf einen Umsatz in Deutschland von rund 3 Milliarden Euro. Rossmann steuert 2007 auf Erlöse im Heimatmarkt von 2,5 Milliarden Euro zu, Kloppenburg rechnet in diesem Jahr mit 290 Millionen Euro Umsatz.

Besonders zwischen dm und Rossmann, die ein ähnliches Geschäftsmodell haben, herrscht ein harter Standort-Wettbewerb. Dabei geht es nicht zimperlich zu. "Wer austeilt, muss auch einstecken können", heißt es in der Branche. Lange Zeit galt zwischen dm-Gründer Götz Werner und Rossmann-Chef Dirk Roßmann ein Nichtangriffs-Pakt - dm beschränkte sich auf den Süden, Rossmann auf den Norden und Osten. Vor einigen Jahren aber kündigte Rossmann diesen Pakt auf und setzt seitdem voll auf Expansion auch im Süden. Die Karlsruher kehrten den Spieß um - dm greift nun auch im Norden voll an.

( dpa )