Brandkatastrophe auf Peloponnes

Griechenland in der Feuerhölle

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Der griechische Ministerpräsident Kostas Karamanlis hat die verheerenden Waldbrände in Griechenland als eine "nationale Tragödie" bezeichnet.

Zacharo/Griechenland. Ausgebrannte Häuser und Autos, verbrannte Erde, viele Tote und eine wegen viel zu vieler Feuerfronten überforderte Feuerwehr: Griechenland erlebt dieser Tage einen "Feuer-Albtraum ohne Ende", wie die Tageszeitung "Ta Nea" titelte. Ministerpräsident Konstantinos Karamanlis rief angesichts von mindestens 40 Toten einen "Tag der nationalen Trauer" aus. Allein in der Umgebung des Städtchens Zacharo auf dem westlichen Peloponnes kamen mindestens 30 Menschen in einer Feuerhölle um.

Starke Windböen hatten am Freitag und auch am Sonnabend noch die Flammen in dem von Hitze ausgetrockneten Busch- und Waldland unkontrollierbar angefacht und den Einsatz von Löschflugzeugen verhindert. Hubschrauberbesatzungen riskierten mit ihren Löschflügen viel, konnten aber gegen die haushoch lodernden Feuerwalzen nicht viel ausrichten. Da es vom Norden bis Süden in vielen Regionen lichterloh brannte - die Feuerwehr meldete an die 170 Brände - konzentrierten sich die Einsatzleitungen auf den Schutz bewohnter Gebiete.

Und dennoch wurden ganze Dörfer ein Raub der Flammen. In dem Dorf Makistos bei Zacharo wurden zehn Leichen gefunden, darunter vermutlich eine Mutter mit ihren vier Kindern. Es wurde befürchtet, dass die Zahl der Toten noch weiter steigt, wenn die Feuerwehrtrupps in der Nacht von den Flammen eingeschlossene Dörfer erreichen.

Entsetzliche Szenen müssen sich auf einer Straße bei Zacharo nach einem Verkehrsunfall abgespielt haben, als ein Pkw mit einem Löschwagen der Feuerwehr zusammenstieß. Die Straße war blockiert und es bildete sich inmitten des Flammenmeers ein Stau. Panik brach aus, für neun Menschen wurde die Unfallstelle zur Todesfalle. Fassungslose Angehörige suchten am Morgen danach in den ausgebrannten Wracks nach Überresten.

Die Brände dehnten sich wegen des Windes nach einer dreitägigen Hitzewelle mit Temperaturen um 40 Grad Celsius rasend schnell aus und loderten stundenlang außer Kontrolle. Obwohl das Busch- und Waldland zundertrocken war und beim kleinsten Funken entflammen konnte, gingen Feuerwehr und Polizei in etlichen Fällen von Brandstiftung aus. Als besonders verdächtig galten rund 20 Brände, die in der Nacht zum Samstag ausbrachen.

Oft blieb den Behörden nichts anderes übrig, als den Notstand auszurufen, Dörfer zu evakuieren und auf Fremde von außen zu hoffen. Auf der Insel Evia (Euböa) bedrohten in der Nacht Flammen den Ort Styra. Bürgermeisterin Sofia Moutsou sagte: "Wenn wir es jetzt nicht aufhalten, wird nichts übrig bleiben." Sie hoffte, dass am Samstag Fähren Löschfahrzeuge auf ihre Insel transportieren. Die Streitkräfte stellten 500 Soldaten und Hubschrauber für die Brandbekämpfung ab.

Die Regierung bat die EU bereits am Freitag um "jede erdenkliche Hilfe. Für Karamanlis, der vergangene Woche eine vorgezogene Parlamentswahl im September ankündigte, könnte die tödlichste Waldbrandserie seit Jahrzehnten auch politische Folgen haben: Schon nach andere Großfeuern in diesem Hitzesommer war ihr Krisenmanagement kritisiert worden.

( AP )