Fall Madeleine: Verdächtiger tot

Neue Spur führt in die Schweiz

Hat ein 67-jähriger Schweizer die kleine Madeleine ermordet? Erste Indizien sprechen für diese Annahme. Der Mann soll auch ein weiteres Mädchen entführt haben.

London/St. Gallen. Eine neue Spur im Fall der entführten Madeleine führt nach Presseberichten in die Schweiz. Dort hatte sich in der vergangenen Woche ein mutmaßlicher Kinderschänder erschossen, der zum Zeitpunkt des Verschwindens von Madeleine am 3. Mai in der Nähe ihres Ferienortes in der Algarve gewesen sei, berichtete die britische "Times" am Dienstag.

Der 67-jährige Urs Hans von Aesch sei nach Angaben der Schweizer Polizei dringend verdächtig, in der Schweiz ein blondes fünfjähriges Mädchen entführt zu haben, das der vierjährigen Madeleine sehr ähnlich sei. "Wegen der Ähnlichkeiten und weil Von Aesch in Spanien lebt, hatten wir Interpol eingeschaltet", zitierte die Zeitung den Schweizer Polizeisprecher Hans Peter Eugster. Interpol habe dann die spanische und die portugiesische Polizei informiert, die nun ermittelten, ob sich der verdächtige Schweizer an der Algarve aufgehalten habe.

Nach der Entführung der Fünfjährigen in Appenzell - deren Namen die Polizei mit Ylenia Lenhard angab - war eine Großfahndung ausgelöst worden. Dabei war die Leiche des mutmaßlichen Entführers in einem Waldstück bei Oberbüren entdeckt worden. Nach Angaben der Polizei tötete sich der Mann mit einem Kopfschuss. Seine DNA-Spuren fanden sich an entdeckten Gegenständen, die der kleine Ylenia gehörten - ihrem Rucksack, Fahrradhelm und Kickboard. In dem Rucksack habe sich auch die gesamte Kleidung des Mädchens befunden, teilte die St. Galler Kriminalpolizei am Montag mit.

Der 67-Jährige war am vergangenen Mittwoch - einen Tag nach dem Verschwinden der Fünfjährigen - tot gefunden worden. In der Nähe der Leiche stand der Kleintransporter des Mannes mit spanischem Kennzeichen. Nach Angaben der "Times" könnte es sich um denselben Wagen handeln, der den Eltern der entführten Madeleine kurz nach deren Verschwinden unweit ihrer Ferienwohnung aufgefallen war.

Das kleine Mädchen war in Appenzell (Kanton Appenzell-Innerhoden) am 31. Juli von der Wohnung ihrer Mutter ins nahe gelegene Schwimmbad gegangen. Der Bademeister hatte das Kind noch gesehen. Am vergangenen Wochenende hatten bis zu 100 Polizisten und Feuerwehrleute, unterstützt von Tauchern, Spürhunden und einem Armeehubschrauber, nach der Vermissten gesucht.