Nach Katzav-Rückzug:

Peres wird Israels Präsident

Die beiden Gegenkandidaten von Peres, Reuwen Rivlin (Likud) und Colette Avital (Arbeitspartei), waren nach der ersten Runde freiwillig aus dem Rennen ausgeschieden.

Jerusalem. Der israelische Vize-Ministerpräsident und Friedensnobelpreisträger Schimon Peres (83) ist zum 9. Präsidenten seines Landes gewählt worden. In einer zweiten Wahlrunde stimmten am Mittwoch 86 der 120 Parlamentsabgeordneten in der Knesset in Jerusalem für den Kandidaten der regierenden Kadima-Partei und nur 23 dagegen. Die Kadima-Fraktion teilte mit, sie sei "stolz auf den historischen Sieg" von Peres. Unterdessen wurde der frühere israelische Ministerpräsident Ehud Barak (65) zum neuen Vorsitzenden der sozialdemokratischen Arbeitspartei gewählt.

Die beiden Gegenkandidaten von Peres, Reuwen Rivlin (Likud) und Colette Avital (Arbeitspartei), waren nach der ersten Runde freiwillig aus dem Rennen ausgeschieden. Peres hatte in der ersten Runde mit 58 von 120 Stimmen die größte Zahl der Abgeordneten hinter sich, verfehlte aber die für den Sieg notwendige absolute Mehrheit von 61 Stimmen. Rivlin erhielt 37 Stimmen, Avital 21. Der Likud-Politiker Rivlin rief nach Veröffentlichung der Ergebnisse alle Parlamentarier auf, ihre Stimme für Peres abzugeben. "Es lebe der Präsident, es lebe der Staat Israel", rief er in einer emotionalen Ansprache mit Tränen in den Augen.

Der bisherige Präsident Mosche Katzav lässt das höchste Staatsamt seit Ende Januar ruhen, weil ihm Vergewaltigung und sexuelle Nötigung vorgeworfen werden. In Israel hat das Amt des Präsidenten einen eher repräsentativen Charakter. Peres hatte vor sieben Jahren bei der Präsidentenwahl völlig überraschend gegen Katzav verloren.

Unterdessen gewann der Ex-Regierungschef Barak die Wahlen zum Vorsitzenden der Arbeitspartei. Nach am Mittwoch veröffentlichten Endergebnissen einer Stichwahl am Vortag siegte der 65-Jährige mit 51,3 Prozent knapp vor seinem Konkurrenten Ami Ajalon (61), einem früheren Geheimdienstchef.

Die Wahl des Vorsitzenden der Arbeitspartei galt als bedeutend für die Zukunft des israelischen Ministerpräsidenten Ehud Olmert (Kadima), der wegen Misserfolgen im jüngsten Libanon-Krieg politisch angeschlagen ist. Die Arbeitspartei ist sein wichtigster Koalitionspartner.

Olmert gratulierte Barak zu seinem Wahlsieg und drückte die Hoffnung auf eine künftige Zusammenarbeit aus. Seine Kadima-Partei werde die Koalitionsarbeit mit der Arbeitspartei auch mit einem neuen Vorsitzenden weiterführen, erklärte er. Barak hatte vor der Wahl einen Rücktritt Olmerts innerhalb eines Vierteljahres gefordert. Andernfalls werde er sich entweder für die Bildung einer neuen Regierung oder Neuwahlen einsetzen, hatte er angekündigt.