Hamburger Oberlandesgericht: Urteil am 10. April

Rechtsstreit um Contergan-Film geht weiter

Der Film "Eine einzige Tablette" erhitzt weiter die Gemüter. Der Contergan-Hersteller Grünenthal und ein Anwalt, an dessen Lebensgeschichte sich der Film orientiert, warfen den Machern eine Verdrehung der Tatsachen vor. Das Gericht deutete an, dass bestimmte Szenen untersagt werden könnten.

Hamburg. Das juristische Tauziehen um einen großen WDR-Fernsehfilm zum Contergan-Skandal dauert an. In einer Berufungsverhandlung vor dem Hamburger Oberlandesgericht (OLG) wurde am Dienstag noch keine Entscheidung zu strittigen Passagen getroffen. Die Kammer deutete aber an, dass bestimmte Szenen in dem noch nicht gesendeten Streifen "Eine einzige Tablette" eventuell untersagt werden könnten, einige andere Einwände wohl eher keine Chance haben. Ein Urteil will die Kammer voraussichtlich am 10. April verkünden. Bis dahin haben die streitenden Gruppen aber Gelegenheit, sich auf einen Vergleich zu einigen.

Der Contergan-Hersteller Grünenthal und ein Anwalt, an dessen Lebensgeschichte sich der Film orientiert, hatten zahlreiche Stellen des Drehbuchs kritisiert und darin eine Verdrehung der historischen Tatsachen gesehen. Sie erwirkten im vergangenen Jahr eine einstweilige Verfügung. Im Sommer 2006 hatte das Hamburger Landgericht dann einige Passagen des Films untersagt. Der WDR sowie die Zeitsprung Film + TV Produktionsfirma zogen daraufhin vor das OLG. Sie berufen sich auf die Kunstfreiheit. Seither lagert der Film im Archiv. Dem Oberlandesgericht liegt aber nach eigenen Angaben derzeit eine filmische Fassung vor, in der einige in der im Drehbuch vorhandenen und monierten Stellen bereits nicht mehr vorhanden sind. Die Kammer regte an, in dem Vor- und Nachspann den Kontext noch deutlicher zu machen.

Contergan ist bis heute Synonym für den größten Arzneimittelskandal der deutschen Nachkriegsgeschichte: 1957 kam das Schlafmittel in den Handel, das durch seine Nebenwirkungen in mehreren tausend Fällen starke Missbildungen bei Neugeborenen auslöste. In den Jahren darauf kam es zu einem erbitterten Rechtsstreit um Entschädigungen. Die Grünenthal GmbH ist ein pharmazeutisches Familienunternehmen mit Sitz in Stolberg bei Aachen. Der Skandal um das Missbildungen verursachende Schlafmittel Contergan steht im Mittelpunkt des Fernsehfilms. Der Zweiteiler entstand unter der Regie von Adolf Winkelmann. Er sollte ursprünglich im Herbst 2006 ausgestrahlt werden.