Justiz: Oliver H. erneut verurteilt

Mörder des kleinen Tim für elf Jahre hinter Gitter

Bereits im März 2006 war der arbeitslose Bautischler Oliver H. zu einer Haftstrafe von 13 Jahren verurteilt worden. Weil die Strafe jedoch nicht ausreichend begründet war, musste das Gericht das Strafmaß aufheben.

Itzehoe. Sechzehn Monate nach dem gewaltsamen Tod des kleinen Tim aus Elmshorn hat das Landgericht Itzehoe den Täter am Montag zu elf Jahren Haft verurteilt. Damit blieb die Kammer um zwei Jahre unter dem ersten Urteil. Das Landgericht hatte den Mann bereits im März 2006 rechtskräftig wegen Totschlags verurteilt. Der ehemalige Lebensgefährte von Tims Mutter hatte den Jungen im November 2005 in einer Wohnung in Elmshorn so geschüttelt, dass sein Kopf mehrfach gegen eine Wand schlug. Das Kind starb an den Folgen einer schweren Hirnprellung. Der Bundesgerichtshof hatte das erste Urteil wegen Rechtsfehlern teilweise aufgehoben. In der Neuauflage des Verfahrens mussten die Richter am Itzehoer Landgericht nur noch über die Höhe der Strafe befinden.

Die zweite Hauptverhandlung habe keine neuen Erkenntnisse gebracht, sagte der Staatsanwalt in seinem Plädoyer. In beiden Verfahren kamen die Sachverständigen in ihren Gutachten übereinstimmend zu dem Schluss, dass der kleine Tim vermutlich nicht lange gelitten hatte. Nach den Verletzungen sei er wahrscheinlich schnell bewusstlos geworden, sagte der Vorsitzende Richter in der Urteilsbegründung. Der Ex-Freund der Mutter hatte den Zweijährigen im November 2005 für mehrere Tage in seiner Obhut, um nach eigener Aussage die mit Erziehung überforderte Frau zu entlasten und dem Kind "Benehmen beizubringen". Er versuchte in dieser Zeit den Jungen mit "kasernenhofartigen Befehlen zu drillen", so das Gericht. Dabei schüttelte er den kleinen Jungen und schlug ihn mehrfach gegen eine Wand. Tim war wenige Stunden später an den Folgen einer schweren Hirnschwellung gestorben.

Die Leiche des Jungen packte der Mann einen Tag nach dem Tod in eine Sporttasche und versteckte sie einem Garten in der Nähe von Tims Zuhause. Der Angeklagte bestreitet die Tat. "Nach wie vor sagt er, er sei es nicht gewesen", sagte sein Verteidiger im Anschluss an die Verhandlung. Der Täter behauptete, er habe Tim am Morgen des 9. November tot auf dem Sofa in seiner Wohnung entdeckt. Am Abend zuvor sei der Junge beim Duschen gestürzt und habe sich dabei leicht am Kopf verletzt. Die Anklagebehörde ist mit dem neuen Urteil "nicht vollkommen zufrieden", sagte Oberstaatsanwalt Wolfgang Zepter. Er könne die wesentlichen Gründe für die Herabsetzung der Strafe nicht nachvollziehen. "Der selbe Sachverhalt und die selben Strafzumessungsgründe, aber zwei verschiedene Urteile", sagte er im Anschluss an die Verhandlung. Die Staatsanwaltschaft werde prüfen, ob sie gegen das neue Urteil in Revision gehen werde.