Sittensen-Massaker: Neue heiße Spur entdeckt

Welche Rolle spielt der weiße Transporter?

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Anderthalb Wochen nach dem siebenfachen Mord im China-Restaurant von Sittensen hat die Sonderkommission eine neue heiße Spur präsentiert: einen weißen Transporter mit Bremer Kennzeichen. Die Ermittler klären derzeit, ob der Halter des Wagens mit der Tat und den beiden Verdächtigen etwas zu tun hat.

Sittensen. Anderthalb Wochen nach dem siebenfachen Mord im China-Restaurant von Sittensen hat die Sonderkommission eine neue heiße Spur präsentiert: einen weißen Transporter mit Bremer Kennzeichen. Die Ermittler klären derzeit, ob der Halter des Wagens mit der Tat und den beiden Verdächtigen etwas zu tun hat, wie das Landeskriminalamt am Donnerstag in Hannover mitteilte. Die SoKo, die auf 100 Beamte aufgestockt wurde, bat die Bevölkerung um weitere Hinweise auf den Wagen. Außerdem sei eine Kontaktperson der beiden inhaftierten Vietnamesen vernommen worden. Medien nährten Spekulationen, die asiatische Mafia stecke hinter dem Verbrechen.

Nach Angaben des LKA haben Zeugen den weißen VW T4, einen so genannten Bully, im Zusammenhang mit dem blauen VW der inhaftierten Verdächtigen in Tatortnähe beobachtet. Der Halter des Wagens sei ermittelt. Ob er identisch ist mit der verhörten Kontaktperson, wollten die Ermittler nicht bestätigen. Sie gaben lediglich an, eine Person überprüft und vernommen zu haben, die im Zusammenhang mit einem bei den Verdächtigen gefundenen Zettel ermittelt wurde. Näheres könne derzeit nicht gesagt werden, ohne die weiteren Ermittlungen zu gefährden, erklärte das LKA.

Derzeit sind zwei in Bremen lebende Vietnamesen im Alter von 31 und 33 Jahren wegen dringenden Tatverdachts in Haft. Bei der befragten dritten Person handelt es sich laut Medienberichten um einen ehemaligen Angestellten des China-Restaurants, der vor einem halben Jahr verschwunden war. Damals soll der chinesische Gastwirt einem Bekannten gegenüber den Verdacht geäußert haben, hinter dem mysteriösen Verschwinden stecke "die Mafia", berichtete "stern.de" am Donnerstag. Der Wirt habe sein Lokal für 200.000 Euro verkaufen, seine Ehefrau dann als Schuhverkäuferin arbeiten wollen. Bereits kurz nach der Tat waren Vermutungen laut geworden, hinter der Tat könnte eine asiatische Mafiagruppe stecken. Unter Berufung auf einen nicht näher genannten Fahnder der SoKo berichtete der "Focus", die Ermittler gingen von Organisierter Kriminalität aus. Dem Magazin zufolge wurden die Opfer mit Kopfschüssen gezielt getötet. Ihre Daumen seien mit Kabelbindern auf dem Rücken zusammengebunden gewesen, eine laut "Focus" für die asiatische Mafia typische Fesselung.

Täter möglicherweise Profikiller aus Vietnam Der Autor Berndt Georg Thamm hält "Profikiller mit militärischem Hintergrund aus Vietnam" für die "wahrscheinlichste Variante". Thamm sagte dem "Focus": "Die Vietnamesen verfügen als einzige Gruppe über gefestigte Strukturen in Deutschland und tragen ihre Kämpfe auch in der Öffentlichkeit aus." Eine Beteiligung von chinesischen Triaden halte er für unwahrscheinlich. In der Nacht zum 5. Februar wurden in dem China-Restaurant "Lin Yue" vier Männer und drei Frauen erschossen. Bei den Opfern handelt es sich um das Betreiberehepaar und Angestellte. Nur die zweijährige Tochter der Inhaber überlebte und steht derzeit unter Polizeischutz. Wenige Stunden nach der Tat nahm die Polizei bei einer Verkehrskontrolle zwei in Bremen lebende Vietnamesen im Alter von 31 und 33 Jahren wegen dringenden Tatverdachts fest.

Die Männer beteuern über ihre Verteidiger, mit der Tat nichts zu tun und ein Alibi für die entsprechende Zeit zu haben. Bislang liegen der SoKo nach eigenen Angaben mehr als 300 Hinweise vor. Zusätzlich untersuchen Spezialisten des LKA und Bundeskriminalamts eine Vielzahl von Spuren. Zeugen, die den weißen Transporter mit Bremer Kennzeichen (HB) am Sonntag, 4. Februar, in Sittensen gesehen haben, können sich unter der Telefonnummer 04261/947-304 melden.

( ap )