Auf den Hund gekommen

Wollen wir wirklich eine perfekt erzogene Frieda?

Matthias Schmoock mit seiner Labradoodle-Hündin Frieda.

Matthias Schmoock mit seiner Labradoodle-Hündin Frieda.

Foto: Klaus Bodig / Klaus Bodig / HA

Na ja ... Zu Hause klappt einiges gut, manches muss noch besser werden. Da ist Herrchens Konsequenz gefragt.

Es ist zwar ziemlich eisig geworden im schönen Hamburg, aber Hund und Mensch gehen in diesen Tagen eigentlich nach wie vor gut gelaunt vor die Tür. Knackig kalt ist doch immer noch besser als Regen und Matsch. Friedebutsch hat ein richtiges kleines Winterfell bekommen und sieht manchmal aus, als trage sie einen Mini-Mantel. Beim Gehen erinnert sie mich jetzt immer an einen rot-braunen Teddybär mit leichten O-Beinen.

Über ihre Rasse habe ich in den vergangenen Monaten schriftlich und mündlich so viel Auskunft gegeben, dass ich – das muss auch an der Kälte liegen – jetzt oft keine Lust mehr auf das Thema habe. „Oh, was für ein süßer Welpe“, meinte neulich eine nette Dame, „ich weiß schon, das ist ein Irish Setter.“ „Ja, genau, Sie kennen sich aber gut aus“, antwortete ich und zog mit Frieda weiter. Ist doch schön, wenn man anderen mal ein Erfolgserlebnis beschert. Das bringt zwischenmenschliche Wärme auch in kalten Zeiten.

Am Montagabend gegen 21.30 Uhr schlug Frieda, die eigentlich gerne und ausgiebig spazieren geht, nach circa zehn Minuten unvermittelt eine Abkürzung ein und strebte wieder nach Hause. Natürlich hätte Herrchen jetzt das Kommando übernehmen und klarmachen müssen, wo’s langgehen sollte. Aber mir langte es auch, und so verzogen wir uns wieder zu Sofa und Körbchen in die warme Bude. Womit wir wieder beim Thema aus der vergangenen Woche sind. Was Frieda mit ihren anderthalb Jahren schon kann, hängt eben nicht nur davon ab, was ihr beigebracht wurde, sondern auch davon, was ihr erlaubt ist.

Frieda wartet mit dem Essen

Ein ganz wichtiger Punkt dabei bleibt, den Hund nicht zum Chef werden zu lassen, der er ja sehr oft gerne wäre. Die schmächtige Frieda, die immer so lieb guckt, ist sehr dominierend und versucht dauernd, ihren Willen durchzusetzen. In den diversen Fachbüchern wird davor gewarnt, dem Hund zu viele Freiheiten zu lassen, weil er immer bestrebt sein wird, diese Lücken als „Rudelführer“ sofort aufzufüllen. Ich gebe (wieder mal) etwas zu, nämlich, dass wir das Ganze unterschiedlich streng handhaben. Manches sehen wir etwas lockerer – Kritiker werden es wohl inkonsequent nennen.

Ein Beispiel: Friedebutsch darf nicht vor uns in die Wohnung gehen und wartet auch (nach Kommando „Sitz“) auf der Fußmatte, bis alle Rudelmitglieder ihre Jacken aufgehängt haben und so weiter. Erst bei „Okay“ stratzt sie ins Wohnzimmer. Folgt man dem Erziehungsratgeber, müssten wir Menschen danach auch als Erste essen, während sie zu warten hätte. Ich finde es aber schöner und gemütlicher, wenn wir alle zusammen mit der Nahrungsaufnahme beginnen. Die Synthese: Frieda wartet, auch noch neben dem gefüllten Schälchen, bis alle so weit sind, und fängt erst bei „Okay“ mit dem Rest ihres Rudels an. Na ja, immerhin.

Wenn ein Apfel Alarmglocken auslöst

Ein Hund sollte eigentlich auch nicht unter dem Esstisch liegen beziehungsweise auf Kommando sofort wieder an den ihm zugewiesenen Platz verschwinden. Das klappt bei Frieda mal und mal nicht. So manches „Ach, lass sie doch“ zum falschen Zeitpunkt hat da schon die erfolgreichsten Erziehungsansätze torpediert. Tja, selbst schuld, kann man da nur sagen. Wer als Halter so nachgiebig ist, wird nie den perfekt erzogenen Hund haben. Aber will man den überhaupt unbedingt? Kommt sicherlich drauf an, wie wichtig der jeweilige Punkt ist.

In so ziemlich jedem Ratgeber steht, dass ein Halter das Tier jederzeit beim Fressen unterbrechen können sollte und ihm im Notfall auch Futter aus dem Maul zerren muss. In der vergangenen Woche erlebte ich im Park, wie eine Halterin ihren Hund mit einem kurzen „Apport“ zu sich rief, weil dieser in der Ferne etwas Undefinierbares fressen wollte. Der Gerufene brachte ihr das Teil – ein Stück Apfel –, und erst nach „Okay“ fing er mit dem Verzehr an. Vor Ehrfurcht wäre ich fast im Matsch versunken. Hut ab. So muss das laufen.

Jetzt fragen Sie sich wahrscheinlich, wie das bei Frieda aussieht. Nun, äh ... Leider bin ich jetzt am Ende dieser Kolumne. In der kommenden Woche geht es um Folgsamkeit im Straßenverkehr – und immerhin da macht sie sich (meistens) schon ganz gut.