Kino-Tipp

Der Miesepeter „Der Grinch“ klaut sämtliche Geschenke

Der Grinch ist überhaupt kein Fan von Weihnachten und hat sowieso meistens schlechte Laune.

Der Grinch ist überhaupt kein Fan von Weihnachten und hat sowieso meistens schlechte Laune.

Foto: Illumination and Universal Pic / dpa

Alle Jahre wieder wird im US-Fernsehen „How The Grinch Stole Christmas!“ ausgestrahlt. Der 26-minütige Cartoon aus dem Jahr 1966 basiert auf dem gleichnamigen konsumkritischen Kinderbuch des Autors und Comiczeichners Dr. Seuss. Erzählt wird von der märchenhaften Kleinstadt Whoville, deren durchweg säkular eingestellte Bewohner nichts lieber tun, als so üppig wie möglich Weihnachten zu feiern. Nur der Grinch, ein schlecht gelaunter Außenseiter mit grünem Fell, kann damit nichts anfangen. Er lebt in einer Höhle, hoch oben auf dem Mount Crumpet. Aus Rachegelüsten, Sendungsbewusstsein und wohl auch Langeweile klaut er in der Nacht vor dem Fest sämtliche Geschenke und Weihnachtsbäume in der festen Annahme, den Whos ihre Feiertagslaune damit gründlich zu vermiesen.

Dank seiner jährlichen Ausstrahlung genießt dieser Raubzug in den USA eine generationenübergreifende Popularität, die bei uns selbst von „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“ oder „Weihnachten bei Hoppenstedts“ nicht erreicht wird. Und so wundert es nicht, dass nach der aufwndigen Realverfilmung mit Jim Carrey im Jahr 2000 nun auch das Animationsstudio Illumination („Minions“) seine eigene Grinch-Interpretation vorlegt.

Kein Geringerer als Benedict Cumberbatch spricht im Original die Titelrolle. Der Soundtrack reicht von nostalgischen Rückgriffen auf die Supremes bis zu Tyler The Creator, einem der kreativsten Protagonisten der Hip-Hop-Szene. Als prominentes Aushängeschild der deutschen Synchronfassung muss einmal mehr Otto Waalkes herhalten. Vor allem aber ist der neue Grinch auffallend zahmer, unkritischer, kurz: familienfreundlicher ausgefallen. Jim Carrey hatte sein grünes Zottelwesen als manisch-depressives Opfer einer grenzdebilen rassistischen Konsumgesellschaft angelegt, die von einem narzisstischen Bürgermeister beherrscht wurde. Als versöhnende Kraft der Mitte trat das blitzgescheite Mädchen Cindy Lou auf, das die traumatisierende Kindheit des Grinch recherchierte, um dann die Whos zu einem liebevollen Miteinander zu bewegen. Jetzt macht sich Cindy Lou vor allem Sorgen um ihre überarbeitete Mutter. Regiert wird Whoville zudem von einer Frau, Mayor McGerkle (!), die nichts Übleres im Sinn hat, als einen dreimal größeren Weihnachtsbaum als im Vorjahr auf den Marktplatz zu stellen.

Dem Illumination-Studio ist damit einmal mehr eine vergnügliche, kunterbunte Komödie auf hohem 3-D-Animationsniveau gelungen. Das Nebeneinander von temporeicher Action und zurückgenommer Szene belegt eindrucksvoll, dass die Frage, ob es überhaupt möglich ist, sich bei hoher Schneelage an jemanden heranzupirschen, mindestens so spannend sein kann wie rasante Schlittenfahrten vom Mount Crumpet. Der Grinch, ein relativ knuffiger Typ, der ganz ohne Maskerade in Whoville einkaufen gehen und ungehindert Streiche begehen kann, bewegt sich derweil mit seinem Hund Max und einem übergewichtigen Rentier durch Szenen voller Slapstick, Witz und Sentiment.

„Der Grinch“ USA 2018, 90 Minuten, ohne Altersbeschränkung, Regie: Scott Mosier und Yarrow Cheney, täglich im Cinemaxx Dammtor/Harburg/Wandsbek, Hansa, Koralle, UCIs Mundsburg/Othmarschen Park/Wandsbek