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Was für eine schöne Zauberei

Mit der Hamburgerin Alana in der Jubiläumsshow startet das Hansa-Theater ins 125. Jahr

Für manchen entspricht das Hansa-Theater schlicht purer Nostalgie. In jedem Fall ist das Haus am Steindamm einmalig, der Saal seit 1953 unverändert. Plüsch, blitzendes Messing, Kellner-Rufschalter und ein geraffter Vorhang zeugen vom Charme vergangener Tage.

Allein das wohlige Ambiente reicht nicht, es sollte schon auch prickelnde Unterhaltung sein. Die Familie Möhlmann suchte im Januar im Hansa beides. Und hier saßen drei Experten: Die Eltern waren in den 70er-Jahren noch selbst in Deutschlands ältestem Varieté aufgetreten – als Zauberduo Frederik & Margit. Umso mehr freute sich Tochter Alana, als am Tag nach dem Besuch Christiane Schindler anrief: Die Leiterin der künstlerischen Betriebsdirektion des St. Pauli Theaters, welches das Hansa seit der Wiedereröffnung 2009 betreibt, wollte Alana für die kommende Spielzeit engagieren.

Im Magischen Zirkel wurde Alana als erste Frau „Magier des Jahres“

Wenn das Hansa, das im März 2019 sein 125-jähriges Bestehen feiert, am 16. und 17. Oktober mit zwei Vorpremieren der Jubiläumsshow neu durchstartet, wird Alana nicht nur für Lokalkolorit sorgen. Mit der gebürtigen Hamburgerin steht der Shootingstar der Zauberkünstlerinnen auf der Bühne. 2011 gewann sie als erste Frau den Titel Deutscher Meister der Zauberkunst, im Jahr darauf kam sie bei der WM in Blakpool (England) auf Platz fünf. Logische Folge: 2012 wählte der Magische Zirkel von Deutschland, die nationale Vereinigung der Zauberkünstler, mit Alana erstmals in 100 Jahren eine Frau zum „Magier des Jahres“.

„Ich bin natürlich familiär vorbelastet“, sagt Alana lächelnd. Sie hatte ihrem Vater bereits Ende der 80er als Fünfjährige auf der Bühne assistiert. Zwar lernte sie im Laufe der Jahre auch Standards wie Punkte auf einem Tuch verschwinden und erscheinen zu lassen oder einen Seiltrick, jedoch hat die längst international gefragte Magierin eigene Nummern entwickelt. „Die Ideen hole ich mir aus dem Alltag, aus Modezeitschriften oder auch aus Filmen“, erzählt die charmante Fingerfertige. Bei „Magic InStyle“ etwa zauberte sie Perlen herbei und wieder weg; im Hansa zeigt sie nun ihre Nummer „In Her Hands“. Dabei trägt Alana auch eine schicke schwarze Lederjacke mit einem ominösen Reißverschluss und lässt ihrem Hang zu großen Ohrringen freien Lauf. Musik der Blue Man Group und der Rockband Smash Mouth sorgen für ihre eigene(n) Note(n): „Ich mag es gern temperamentvoll“, sagt Alana, die im wahrsten Sinne auch mal kopflos wirken kann ...

Doch Augen auf: Sechs der acht Artisten der Jubiläumsshow kannte Alana zu Probenbeginn noch nicht, wohl aber Claudius Specht. Den Schweizer Jongleur hatte Alanas Vater noch für gemeinsame Tourneen engagiert. Die Akrobaten kommen diesmal aus der weltberühmten russischen Zirkusschule, die Puppenspieler Alex & Barti aus Dänemark, Schattenspieler Hans Davis aus Belgien und die Saly Brothers sogar aus Argentinien: Sie wirbeln mit der Gaucho-Wurfwaffe Bola und auf Trommeln.

Alana hofft, von den Kollegen ebenso etwas mitzubekommen wie von den Conferenciers. Zwölf haben die „Varieté-Direktoren“ Thomas Collien und Ulrich Waller für diese Saison verpflichtet, darunter Alfons, Matthias Brodowy, Jan-Christof Scheibe oder Horst Schroth. Die beiden Vorpremieren wird Dirk Bielefeldt (Herr Holm) moderieren, die Premiere einmalig Kabarettlegende Georg Schramm. Ebenso legendär, aber allabendlich frisch ist der Theaterteller à la Kowalke. Es ist angerichtet im Hansa.

Jubiläumsshow 125 Jahre Vorpremieren
Di 16./Mi 17.10., Premiere Do 18.10. (ausverkauft), jew. 19.30, bis 10.3.2019, täglich außer Mo, Hansa Varieté Theater (U/S Hbf.), Steindamm 17, Karten zu 39,90 bis 69,90 (Voraufführungen: bis 49,90) in der HA-Geschäftsstelle, Großer Burstah 18–32, HA-Ticket-Hotline
T. 30 30 98 98;
www.hansa-theater.de