Berlin

Auf Diebestour in Luxushotels

Berlin. Die Schlagersängerin Ireen Sheer freute sich auf ein paar entspannte Tage auf Mallorca. Tatsächlich wurde ihr Urlaub unvergesslich – aber anders als geplant: Aus dem Hotelzimmer der 69-Jährigen verschwand Schmuck im Wert von 30.000 Euro. Sie sei nur kurz an der Rezeption gewesen, berichtete Sheer hinterher. „Als ich zurückkam, war mein Schmuckbeutel weg. Dafür standen ein Obstkorb und eine billige Flasche Sekt auf dem Tisch. Offenbar haben sich die Diebe als Zimmerkellner getarnt. Auf jeden Fall hatten sie einen Schlüssel zum Zimmer.“

Hotels gelten als Hochburgen des Diebstahls. Tausendfach werden Urlauber zum Opfer. Etwa indem Diebe an der Rezeption eine bestimmte Zimmerkarte verlangen. Das klappt fast immer, sagt Bettina Herbst, Managerin der auch auf Hotelsicherheitskonzepte spezialisierten Münchner Firma Antares Defence.

Die Hotels achteten nur darauf, dass der Nachname zur Zimmernummer passt. Für Profis ist es aber ein Leichtes, vor dem Frühstücksbüfett oder dem Spa-Bereich, wo Gäste nach der Zimmernummer gefragt werden, Namen aufzuschnappen. Manchmal spielen Frauen auch die Rolle der verliebten Gattin und bitten den Rezeptionisten, sie kurz ins Zimmer zu lassen, um den Ehemann zu überraschen. Auch dieser Trick funktioniere regelmäßig, berichtet Herbst.

Aber die Hotelgäste bedienen sich auch selbst: Seife, Bademäntel, Kosmetika sind beliebte Beute. Eine Studie hat gezeigt, dass die Vorliebe für das Diebesgut durchaus von der Nationalität abhängig ist: Der Deutsche hat eine Vorliebe für Handtücher und Bademäntel. Der Österreicher greift zu Geschirr und Kaffeemaschinen. Italiener bevorzugen Weingläser. Bei den Schweizern rangiert der Föhn ganz weit oben. Der Franzose hingegen lässt am häufigsten Fernsehgeräte und Fernbedienungen mitgehen. Und Niederländer haben einen Hang zu Glühbirnen und Toilettenpapier, heißt es.

Für die Täter ist das Risiko gering: Nicht einmal zehn Prozent der in Hotels und Pensionen verübten Diebstähle werden aufgeklärt. Betroffen sind nicht nur billige Absteigen: Kriminelle Banden haben Luxushotels als lohnende Ziele für sich entdeckt. Sie wissen, dass dort besonders viel zu holen ist – und sie kennen die Sicherheitslücken. „Man will in Luxushotels den Gast nicht belästigen und immer zuvorkommend behandeln“, sagt Sicherheits­expertin Bettina Herbst.

Ein Grund für die geringe Aufklärungsquote: Die Maschen der Kriminellen ändern sich rasant. So warnte die Berliner Polizei noch vor zwei Jahren vor jungen Frauen aus Osteuropa, die sich über Zeitarbeitsfirmen als Zimmermädchen Zugang zu Fünf-Sterne-Hotels erschleichen und im großen Stil Gäste bestehlen.

Doch kaum war der Trick aufgefallen, suchten sich die Diebe andere Kniffe. Mittlerweile mehren sich Angriffe auf die Software. Das Seehotel Jägerwirt in der österreichischen Steiermark wurde binnen zwei Monaten viermal von Hackern angegriffen. Es gelang den Kriminellen, die Schlüsselkarten zu blockieren und vom Hotelier 1500 Dollar Lösegeld zu erpressen. Der denkt mittlerweile darüber nach, „wieder zu klassischen Schlössern zurückzukehren“.

Mitten aus der Lobby ein Piano gestohlen

Viele Hotels wollen über die Gefahr durch Diebe nicht offen sprechen, um Gäste nicht zu verunsichern. Die Urlauber sollen sich in Sicherheit wähnen, objektive Kriterien dafür, wie sicher ein Hotel ist, gibt es für Gäste allerdings nicht. Die Sicherheitslage führe laut Hotel-Experten dazu, dass sich Diebe wohl weiterhin ermuntert fühlen.

Manche gehen mit großem Einfallsreichtum und Dreistigkeit auf Diebestour, wie ein Hotelier aus Italien berichtet: „Als ich einmal durch die Lobby lief, fiel mir auf, dass irgendetwas fehlte. Kurz darauf erfuhr ich, dass drei unbekannte Männer in Overalls das große Piano abtransportiert hatten. Es tauchte natürlich nie wieder auf.“ Und dass nachts Luxus-Matratzen aus Hotels abtransportiert werden, gehöre auch zum Alltag, so Experten.