Hamburg

Top-Hotels finden kaum Mitarbeiter: 5000 freie Gastro-Jobs in Hamburg

Erste Restaurants verkürzen Öffnungszeiten. Dramatische Lage bei Köchen. Das Atlantic lockt mit Wohnungen

Hamburg.  Hotellerie und Gastronomie in Hamburg leiden sehr unter dem Fachkräftemangel. „Wir schätzen, dass um die 5000 Mitarbeiter in den Betrieben fehlen“, sagte Ulrike von Albedyll, Landesgeschäftsführerin des Branchenverbands Dehoga, dem Abendblatt. Erste Hamburger Restaurants hätten wegen zu enger Personaldecke schon ihre Öffnungszeiten verkürzt. Gesucht würden Mitarbeiter für Service, Rezeption und Küche.

Eine beliebte Jobbörse in der Branche ist Hotelcareer. Das Onlineportal weist rund 1400 offene Stellen in der Hansestadt aus. Zu den Inserenten gehören zahlreiche Top-Hotels wie Süllberg Karlheinz Hauser, Louis C. Jacob, Grand Elysée, Vier Jahreszeiten, Park Hyatt, Treudelberg und The George. Allein das neue Luxushotel The Fontenay von Milliardär Klaus-Michael Kühne sucht 30 Mitarbeiter – vom Con­cierge über den Barkellner bis zum Zimmermädchen. Das Atlantic Kempinski stellt für die Eröffnung eines Restaurants ein neues Team auf und annonciert insgesamt knapp 20 Stellen. „Generell ist es schwierig, Personal zu finden“, sagt Personalchefin Sophia Funk. Problematisch sei die Lage vor allem bei Köchen, sagt von Albedyll. Auch an Nachwuchs mangele es in diesem Beruf. Die Hamburger Agentur für Arbeit unterfüttert das mit Zahlen. Im August gab es 322 offene Stellen für Köche. Zudem wurden 281 Auszubildende für den Job am Herd gesucht – Interesse an dem Beruf gaben aber nur 102 Schulabsolventen an. „In der Branche ist die Lücke zwischen Bewerbern und Ausbildungsstellen besonders groß“, sagt Knut Böhrnsen, Sprecher der Hamburger Agentur für Arbeit. Mit Speeddatings zwischen Flüchtlingen und Betrieben will die Dehoga für die Branche neue Arbeitskräfte gewinnen.

Die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) gibt den Betrieben eine gehörige Mitschuld an dem Personalmangel. „Das ist ein hausgemachtes Problem“, sagt NGG-Geschäftsführerin Silke Kettner. Das Tarifniveau sei im Bundesländervergleich niedrig, nur eine Minderheit würde übertariflich zahlen.

Das Atlantic gehöre in einigen Bereichen dazu, sagt Funk. Zudem werden Bewerber mit Zusatzleistungen wie Mitarbeitervergünstigungen in anderen Hotels der Kette, Zuschuss zum HVV-Ticket und Übernahme der Reinigungskosten für die Uniform gelockt. Einen Trumpf hält das Hotel durch den angespannten Immobilienmarkt in der Hand: Es gibt 25 Personalwohnungen.

Seite 6 Auch Flüchtlinge werden angeworben