Live

Electro-Sounds für die Stadt

Die Schweizerin Sophie Hunger singt im Mojo Club, Uebel & Gefährlich und Gruenspan

„Ich musste das Feuer neu entfachen“, sagt Sophie Hunger. Mit diesem Satz benennt die Schweizer Sängerin eine erstaunliche musikalische Kehrtwendung. Auf „Molecules“, ihrem sechsten Studioalbum, hat sie sich von Folk und Jazz verabschiedet und eine Platte veröffentlicht, die auf Synthesizer-Sounds basiert. Nur ihre akustische Gitarre hat sie benutzt, alle anderen Instrumente waren verboten. „Ich habe mir Regeln gesetzt und danach das Album aufgenommen. Zuerst habe ich die Beats programmiert und erst dann die Texte geschrieben“, erzählt sie. Es habe sie gelangweilt, noch einmal ein Album in der selben Art aufzunehmen wie „The Danger Of Light“ oder „Supermoon“, das 2015 in Deutschland immerhin Platz sechs der Album-Charts erreicht hatte.

Diese Hinwendung zu elektronischen Songs hat auch mit der Stadt zu tun, in der Sophie Hunger in den vergangenen Jahren gelebt hat: Berlin. „Elektronische Musik ist der Sound der Stadt“, sagt sie. Sie hat lange Wochenenden im Berghain verbracht, schränkt aber ein, dass man das exzessive Feiern nicht jede Woche ­machen könne. Im Gegensatz zu Zürich sei der gesellschaftliche Erwartungsdruck in Berlin aber geringer. „Man ist nicht gleich dem Teufel vom Karren gefallen, weil man morgens um fünf noch in einer Bar sitzt. In Zürich zeigen dann alle mit dem Finger auf dich“, sagt sie. Sie besitzt immer noch eine Wohnung in Berlin, hat aber inzwischen eine zweite Dependance in Paris. Der Song „Electropolis“ ist eine Hommage an Berlin. Darin finden sich auch die Zeilen: „In deinen Sünden Trost zu finden / Berlin, du deutsches Zauberwort“.

„Molecules“ ist das erste Album von Sophie Hunger mit englischen Texten

Das ist jedoch die einzige Textpassage auf Deutsch. „Molecules“ ist das erste Album von Sophie Hunger, für das sie ausschließlich englische Texte geschrieben hat. Die Themen sind weit gefasst. Es gibt sehr persönliche Songs über eine Trennung („There Is Still Pain Left“), das fröhliche „I Opened A Bar“ oder einen politischen Song wie „She Makes President“. „Nachdem Donald Trump überraschend US-Präsident geworden war, habe ich den Song geändert. Die Ursprungsversion war unbeschwert, jetzt ist er sehr viel dunkler geworden“, sagt sie. Musikalisch ist eine ganze Reihe der neuen Stücke tanzbar. Kein Wunder angesichts von Hungers Erfahrungen im Berliner Nachtleben. Wummernde Synthies setzt sie in Kontrast zu ihrer hellen Stimme und der akustischen Gitarre. Das Saiteninstrument ist die einzige Verbindung zu Hungers musikalischer Vergangenheit.

Während ihrer derzeit laufenden Tournee spielt sie nur in vier deutschen Großstädten, dort jedoch drei- bis fünfmal. In Hamburg wird sie im Mojo Club, im Uebel & Gefährlich und im Gruenspan auftreten. Der Auftritt im Mojo am 29. September ist jedoch schon ausverkauft. „Ich habe zwar keine besondere Beziehung zu Hamburg, aber ich mag die Stadt sehr. Eigentlich passt sie viel besser zu mir als Berlin“, stellt sie mit einem Lachen fest. „Wenn ich erwachsen bin, ziehe ich nach Hamburg.“ Sophie Hunger ist 35.

Sophie Hunger So 30.9., 20.00, Uebel & Gefährlich (U Feldstraße), Feldstraße 66; Di 2.10., 20.00 Gruenspan (S Reeperbahn), Große Freiheit 58, Karten zu je 36,75; www.sophiehunger.com