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Nicht den richtigen Ton gefunden

Der Fantasyfilm „Das Haus der geheimnisvollen Uhren“ hat eine charmante Besetzung, kommt aber an seine Vorbilder nicht heran

Kinder, die magische Kräfte entdecken, um eine wesentliche Rolle zu spielen beim Bezwingen des Bösen: Was in den „Harry Potter“-Romanen aufregend neu erschien, kursierte in Varianten schon lange zuvor auf dem Kindergruselmarkt. Die Vorlage zu „Das Haus der geheimnisvollen Uhren“ stammt von 1973.

Im Roman von John Bellairs zieht der zehnjährige Lewis, frisch verwaist, zu seinem Onkel nach Michigan. In dessen verwinkelter, geheimnisvoller alter Villa ticken tausend Uhren, und auch der Onkel verhält sich ungewöhnlich. Nach und nach findet Lewis die Wahrheit heraus, sowohl über den Onkel als auch über den ehemaligen Bewohner der Villa und dessen finstere Pläne.

Aus der Kinoadaption durch Horrorspezialist Eli Roth („Hostel“) lässt sich noch erspüren, was wohl den damaligen Erfolg des Buchs ausmachte. Bellairs kombiniert seine Hexen- und Magiegeschichte ganz unmittelbar mit den „normalen“ Problemen seines kleinen Waisenjungen, der in seiner neuen Umgebung um Anerkennung buhlt.

Außerdem leistet die Figur des Onkels als mittelmäßiger, aber gutherziger Magier ein nötiges Entspannungsmoment zwischen Lewis’ traurigen Erfahrungen in der Schule und der zunehmend apokalyptischen Bedrohung durch die bösen Kräfte. Aber leider findet Roth für keines der disparaten Elemente den richtigen Tonfall. Und die Serie lieblos zusammengestückelter CGI-Sequenzen schafft dafür nicht genügend Tarnung.

An der Besetzung liegt es nicht, im Gegenteil. Owen Vaccaro bringt ansprechend die ängstlichen und sogar kleinlichen Seiten seines kindlichen Helden zur Geltung. Während Kyle MacLachlan in einem nur aus wenigen Rückblenden bestehenden Part verschenkt erscheint, sind sowohl Jack Black als Onkel wie auch Cate Blanchett als dessen Nachbarin und Hexen-Kollegin Florence Zimmerman eigentlich ganz wunderbar. Sie bringen genau das richtige Maß an Selbstironie und Ernst mit. Nur passen sie mit ihrem charmant-zurückhaltenden Spiel nicht in diesen Film.

Roth begeht den Fehler, das Unheimliche zu übertreiben und den Schrecken dann nie einzulösen. Ständig scheint sich Bedrohliches anzukündigen, aber dann handelt es sich doch nur um Kürbisse, die mit klebriger Masse schießen. Die Uhren ticken einen Countdown zum Weltuntergang, aber dann lässt sich das Böse doch arg viel Zeit, um sein Werk zu vollenden.

Vor allem mit der Einrichtung der verwinkelten Villa, in der sich beispielsweise die Bildinhalte bewegen, zieht der Film ganz deutliche Verbindungen zum großen Vorbild „Harry Potter“. Nur dass er damit fast schmerzlich in Erinnerung bringt, wie frisch und originell das seinerzeit alles erschien. Und vor allem: wie punktgenau sowohl J. K. Rowlings Bücher als auch die Filme den Ton trafen zwischen Jugendroman, Zaubermärchen und Gruselgeschichte. „Das Haus der geheimnisvollen Uhren“ möchte sichtlich die Nachfolge dieser Vorbilder antreten, kommt aber über die Imitation nicht
hinaus.

„Das Haus der geheimnisvollen Uhren“ USA 2018, 105 Min., ab 6 J., R: Eli Roth, D: Cate
Blanchett, Jack Black, Owen Vaccaro, täglich im Cinemaxx Dammtor/Harburg, UCIs Mundsburg/
Othmarschen Park/Wandsbek; http://upig.de/micro/das-haus-der-geheimnisvollen-uhren