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„Sollbruchstelle“ Polittbüro

Mit der Premiere eines Soloprogramms feiert Lisa Politt das 15. Jubiläum ihrer Bühne

Sesshaft werden, nicht mehr ständig touren müssen, das wollte das Kabarettduo Herrchens Frauchen, als es im September 2003 im früheren Neuen Cinema in St. Georg das Polittbüro eröffnete, benannt nach der weiblichen Hälfte Lisa Politt. Die Trägerin des Deutschen Kabarettpreises von 2003 sowie des Deutschen Kleinkunstpreises 2005 und ihr Partner Gunter Schmidt hatten es nicht immer leicht mit ihrem 220-Plätze-Theater, haben es aber als Hamburgs Bühne für unkonventionelle Kleinkunst und linksalternative Leseabende etabliert. Auch weil die Kulturbehörde zwei feste Stellen einrichten half. Zum 15. Jubiläum des Hauses feiert Lisa Politt, noch immer die aufgeweckteste Feministin unter der hiesigen Sonne, am 15.9. zugleich Solopremiere.

Frau Pollitt, Ihr neues Programm heißt „Sollbruchstelle“. Das impliziert, dass irgendwann etwas kaputtgehen muss.

Lisa Politt: Im Gegensatz zur geplanten Obsoleszenz, wo ein Produkt bewusst so produziert wird, dass es „vor der Zeit“ kaputtgeht und durch einen Neukauf ersetzt werden muss, ist die Sollbruchstelle eine Bedingung für seine Funktion. Das betrifft sowohl die Bruchstellen zwischen den einzelnen Stücken einer Tafel Schokolade als auch die Linien auf einer Handgranate, die eine möglichst breite Streuwirkung garantieren. Zwischen diesen Polen bewegt sich unser neues Programm. Es beschäftigt sich etwa mit der Frage, ob und von wem Rassismus gewollt ist, um die Klassenfrage zu vermeiden.

Arm-Reich oder Ost-West: Wo sehen Sie besonders Risse in der Gesellschaft?

Mittlerweile ist die AfD in Umfragen zweitstärkste Partei Deutschlands, und der Chef des Verfassungsschutzes unterstützt Rechtsradikale, indem er ihre Darstellung offiziell unterstützt, es hätte keine rechte Gewalt und Straftaten in Chemnitz gegeben.

Wie können Sie dem mit Kabarett entgegenwirken, was dem entgegensetzen?

Der eigenen Fassungslosigkeit Ausdruck verleihen und möglichst über den Publikumskontakt dem Phänomen der Vereinzelung entgegenzuwirken – punktuell dazu beitragen können, dass die Richtigen ausgelacht werden, da, wo es was zu lachen gibt. Ansonsten: Zur Erkenntnis beizutragen wäre nicht schlecht in Zeiten, wo es der AfD gelingt, politische Themen zu besetzen.

Hätten Sie 2003 gedacht, dass im Deutschland 2018 der politische Umgangston derart verroht sein würde. Welche Rolle spielt dabei die Sprache?

Ich bin ja bekannt als Freund der gepflegten Zote, aber selbst mir bleibt aktuell oft das Lachen im Halse stecken. Dieses für die Bühne zu bearbeiten, das fordert mich.

Ihr langjähriger Techniker Christian Bartz führt bei Ihnen jetzt erstmals auch Regie. Wie kam es dazu?

Seit Jahren schätze ich die großartigen Texte von Christian Bartz für seine Band und seine Kurzgeschichten, die er gelegentlich auf unserer Bühne vorträgt. Schon lange tauschen wir uns über die Gastspiele aus. Daher hatte ich den Eindruck, dass er mir als Regisseur helfen kann. Und: richtig. Volltreffer.

„Sollbruchstelle“ Premiere Sa 15.9., dann So 16., Di. 18. + Mi. 19.9., bis So 7.10., jew. 20.00, Polittbüro (U/S Hbf,), Steindamm 45, Karten zu 20,-/erm. 15,-: T. 28 05 54 67; www.polittbuero.de