Festival-Tipp

Das „Müssen alle mit“-Festival macht Stade ganz groß

Foto: Astrid Grosser

Aus der Luft erkennt man noch, dass Stade vor 400 Jahren eine wehrhafte Hansestadt war. Sternförmige Wehren, Bastionen und Ravelinen sollten wie die Hamburger Wallanlagen Angreifer abweisen. Heute ist es dort wie in Hamburg grün, der Bürgerpark zwischen der hübschen Altstadt, dem Bahnhof und dem Elbe-Nebenfluss Schwinge erinnert kaum noch an alte unruhige Zeiten. Lauter wird es da nur beim Streit um einen im Frühjahr eröffneten kleinen Pavillon für Veranstaltungen, dessen Architektur nicht jedem Stader gefällt.

Geschenkt, denn am 1. September steht der eh im Schatten, den die Lichter der Bühne des „Müssen alle mit.“-Festivals über den Bürgerpark schicken. Seit 2013 veranstalten das Hamburger Label Tapete Records und Stade Marketing und Tourismus das Open Air im Bürgerpark, der zweite Höhepunkt im Stader Pop-Kalender neben dem „Hanse Song Festival“ im Frühjahr in der Innenstadt. Bei „MAMF“ spielten bereits Kettcar, Thees Uhlmann, William Fitzsimmons, Nada Surf und Tocotronic.

Dieses Jahr stehen acht Bands auf den Plakaten, angeführt von 2Raumwohnung. Das Berliner Duo mit Inga Humpe und Tommi Eckart veröffentlichte im Juni 2017 mit „Nacht und Tag“ sein erstes Doppelalbum, hinterließ aber bei den Fans der sieben Vorgängerplatten einige Irritationen, Licht und Schatten, sozusagen. Die Texte sind nicht nur auf Deutsch und Englisch, sondern wechseln auch mitten im Satz die Sprache. Vielleicht ein Grund, warum es „Nacht und Tag“ das erste Mal seit 16 Jahren nicht in die Top Ten geschafft hat. Live aber bleiben die beiden gern gesehen, wie im vergangenen Oktober im ausverkauften Mojo Club.

The Notwist sind ewige Schrittmacher der deutschen Indie-Rock-Szene

Zweiter Headliner sind The Notwist aus Weilheim, seit 1989 eine der tragenden Säulen der deutschen Indie-Szene, vielseitig, variabel, das ganze Klangspek­trum zwischen sehr laut und sehr leise abdeckend. Gut zu hören und gut zu sehen auf der Clubbühne wie auch in Spielfilmen wie „Sturm“ (2009) oder „Was bleibt“, die von The Notwist akustisch begleitet wurden.

Bereits beim ersten „Müssen alle mit“ 2013 bewährt hat sich Turbostaat. Die in Husum gegründeten und nach Flensburg gezogenen Turbos sind der nördlichste Punkt auf der Punklandkarte und auf bislang sechs Alben – 2016 erschien „Abalonia“ – eine Macht, die Spaß macht, ohne Spaßkapelle zu sein. Leider musste die Band ihren Auftritt kurzfristig gesundheitsbedingt absagen. Stattdessen springt Kettcar ein, womit „MAMF“ einen weiteren Headliner bekommt. Das ist schon eine tolle Sache!

Das süddeutsche Pendant zu den ausgefallenen Kollegen von Turbostaaat beim „MAMF“ sind Die Nerven, aber auch Hip-Hop kommt mit Goldroger nach Stade. Und wer muss noch mit? Hamburgs Multiversal-Punk-Satiriker Rocko Schamoni und die nicht weniger schrulligen Garagen-Schlager-Zecher Schwutscher sowie das junge Augsburger Low-Fidelity-Poptrio Zimt.

Hin und weg kommt man nicht nur aus Hamburg bequem mit der S3 oder mit dem Metronom, vom Bahnhof Stade sind es nur zwei Minuten Fußmarsch. Und wer noch etwas in Stade verweilen möchte: Um 23 Uhr beginnt im Alten Schlachthof (Freiburger Straße 4) die Aftershowparty. Müssen alle hin.

„Müssen alle mit.“-Festival Sa 1.9., 13 Uhr, Bürgerpark Stade, Am Bahnhof, 21680 Stade, Karten zu 42,95 Euro im Vorverkauf