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Mythen um die perfekte Bewerbung

Praxis-Tipps: Worauf Hamburger Personaler in den Unterlagen achten

ersonaler, die akribisch nach Fehlern im Anschreiben fahnden oder nach starren Mustern die Flut der Bewerber rasch auf einen kleinen Kreis eindampfen: Um die Bewerbung ranken sich so einige Mythen. „Vieles davon trifft in der Praxis gar nicht zu“, versichert Matthias Saecker, Leiter Talent Management bei der Hamburger Sparkasse. Man schaue sich jedes Anschreiben und jeden Lebenslauf genau an, unterm Strich zähle vor allem das Gesamtbild. Aber steckt nicht doch ein Funken Wahrheit in den verbreiteten Vorstellungen, welche Fehler auf direktem Weg zum Stapel der Absagen führen? Was die Recruiter unterschiedlicher Hamburger Unternehmen zu den gängigen Klischees sagen.


Das Anschreiben muss kreativ formuliert sein.

„Verbale Akrobatik oder kreative Höhenflüge erwarten wir nicht“, sagt Saecker. Entscheidend sei, dass das Anschreiben individuell formuliert ist und nicht wie ein Serienbrief wirkt. Dafür gilt es, sich vorher mit der Ausbildung auseinanderzusetzen und nachvollziehbar das eigene Interesse daran darzulegen. „Eine Ausbildung zum Industriekaufmann stellt andere Anforderungen als die zum Verfahrenstechnologen, darauf sollte man eingehen“, erklärt Deniz Acar, stellvertretende Ausbildungsleiterin bei Aurubis. „Wir wünschen uns einen authentischen Eindruck des Bewerbers und seiner Motivation für den Beruf.“


Die persönliche Ansprache ist wichtig.
„Wenn ein Ansprechpartner in der Ausschreibung genannt wird, sollte man ihn auch nennen“, rät Ann-Ka­thrin Kleibrink aus dem Personalmanagement der Hamburger Hochbahn. Wer hingegen auf eigene Faust im Internet nach dem passenden Adressaten fahndet, dem können Fehler unterlaufen. „Einen Minuspunkt gibt es, wenn ein falscher Firmenname samt Ansprechpartner im Anschreiben stehen“, betont Acar.


Schreibfehler sind ein K.-o.-Kriterium.
„Ein, zwei Tippfehler sehen wir nicht so dramatisch“, sagt Ina Althoff, Personalreferentin Ausbildung bei Jungheinrich. Strotzen die Seiten allerdings vor Fehlern, lasse dies auf wenig Mühe für die Bewerbung schließen. Neben der richtigen Schreibweise achtet sie auf den Ausdruck und eine einheitliche Formatierung der Seiten. „Wir schauen auch, wer sich bewirbt und auf welche Ausbildung“, erklärt Kleibrink von der Hamburger Hochbahn. Bei einem Jugendlichen mit Migrationshintergrund drücke man eher ein Auge zu; und für eine Ausbildung im Marketing seien die Erwartungen höhergesteckt als etwa für den technisch-gewerblichen Bereich.


Lebenslauf mit Lücken hat keine Chance.
„Wer zwischen Schule und Bewerbung länger im Ausland war oder gejobbt hat, sollte das ruhig in die Bewerbung schreiben“, meint Saecker von der Haspa. Tun sich größere Lücken im Lebenslauf auf, fasst der Personaler sonst spätestens im Einstellungsgespräch nach. Zudem wäre ein schriftlicher Nachweis wünschenswert. „Auszeiten am besten logisch begründen“, rät Hochbahn-Personaler Kleibrink. Wenn die Bewerbungsphase sich hinzieht, diese am besten ab einer Dauer von drei Monaten explizit im Lebenslauf aufführen. Bei Aurubis erwartet man dies nach einem halben Jahr. „Eine Lücke bewerten wir unter Umständen sogar positiv, wenn sich jemand Zeit genommen hat, den richtigen Weg zu finden“, meint Acar.


Motivationsschreiben auf Seite 3 ist Pflicht.
„Die Bewerbung so ausführlich wie nötig und so kurz wie möglich halten“, empfiehlt Kleibrink. Eine dritte Seite sei dabei nicht zwingend erforderlich. Und auch den Lebenslauf nicht aufbauschen. „Wer ein Praktikum oder Erfahrungen in einem Job besonders herausstreichen möchte, kann die dritte Seite nutzen, sonst ist sie überflüssig“, ergänzt Saecker von der ­Haspa. Die Motivation für die Ausbildung sollte ohnehin bereits im Anschreiben klar werden. Entscheidend seien das Anschreiben, der Lebenslauf und die letzten beiden Schulzeugnisse. „Wir brauchen nicht für jeden Wettbewerb oder Kurs eine Urkunde“, sagt Althoff von Jungheinrich. Nur Zertifikate passend zu den Anforderungen der Ausbildung auswählen, lautet ihr Tipp.


Ein Foto braucht man heute nicht mehr.
„Arbeitsrechtlich ist ein Foto heute nicht mehr nötig“, sagt Saecker. Die meisten Bewerber fügen dennoch ein Bild bei. So ist es auch bei Jungheinrich. „Wer sich dafür entscheidet, geht am besten zum Profifotografen“, rät Althoff. Die gesendete Aufnahme sollte möglichst nicht älter als ein halbes Jahr sein und einen seriösen Eindruck vermitteln. „Grelles Make-up, auffällige Ohrringe oder ein Baseball Cap kommen nicht so gut an“, sagt Althoff. Niemand müsse sich aber extra einen Blazer kaufen, ein dezentes T-Shirt reiche aus.


Mobile Bewerbung wirkt ziellos und beliebig.
„Jugendliche gehen heute ganz selbstverständlich mit dem Smartphone um, und wir wollen unsere Einstiegshürden möglichst gering halten“, sagt Acar von Aurubis. Voraussichtlich zum Herbst erweitert das Unternehmen sein System für mobile Bewerbungen. Auch bei der Hamburger Hochbahn geht man diesen Schritt: „Im digitalen Zeitalter eine gute Alternative zur Online-Bewerbung“, findet Kleibrink. Wer den mobilen Weg nutzt, sollte aber akribisch auf die richtige Rechtschreibung achten. Viele Unternehmen böten aber heute noch gar nicht diese Möglichkeit an. „Dann ist die Online-Bewerbung gegenüber der Variante per Post meist die erste Wahl, auch ist sie einfacher für uns im Bewerber-Management-System zu verarbeiten“, erklärt Althoff von Jungheinrich.


Nachhaken, um Interesse zu zeigen.
„Insbesondere in größeren Unternehmen fehlt meist die Kapazität, über jede Bewerbung nochmals zu sprechen“, sagt Kleibrink. Allein für die Ausbildungsplätze gehen bei der Hochbahn jährlich rund 1500 Bewerbungen ein. „Eben mal so den Personaler ans Telefon zu bekommen ist in der Regel nicht einfach“, berichtet auch Saecker. Wer innerhalb von zwei Wochen von der Haspa keine Rückmeldung erhält, könne per E-Mail nachfragen oder zum Hörer greifen, „das signalisiert Interesse“.