ExtraHAT

Work-out inklusive

Sport- und Fitnesstrainer ist ein anstrengender Beruf. Sandra Mammen zeigt, wie durch Spezialisierung daraus eine familienfreundliche Jobperspektive wird

assen wir es krachen! Habt ihr Lust?“, ruft Sandra Mammen zu Beginn der Stunde, und für alle, die nicht zum ersten Mal das Work-out am Freitagabend besuchen, ist das keine Frage. Ohne Motivation lassen sich die 60 Minuten Speed und Action, Kraft und Körperspannung nicht bewältigen. Sandra steht mit dem Rücken zum Spiegel, die Fäuste fest vor der Brust geballt, und kickt die Beine so hoch in die Luft als wären es Arme, dreht die Schulter und boxt mit der Hand hinterher – alles rasend schnell und bei lauter Musik.

Sandra ist „Group Fitness Trainerin“, sie darf in Studios Gruppenkursformate wie Aerobic oder Fitnessboxen unterrichten. Ihr Steckenpferd ist dabei Tae Bo, eine kraftvolle Kombination aus Kicks und Punches, Boxschlägen in die Luft, die von dem Amerikaner Billy Blanks erfunden wurde.

Sandras Leben wurde früh vom Sport geprägt. „Meine Mutter hatte ein eigenes Fitnessstudio, ich habe schon mit 16 angefangen zu unterrichten.“ Dafür musste die Abiturientin einen entsprechenden Trainerschein, eine B-Lizenz, vorweisen. Wie ein Führerschein ist diese kostenpflichtig, ein Leben lang gültig und kann bei Landessportverbänden oder privaten Trägern erworben werden. Aber das ist auch ein Problem der Branche, sagt Claus Umbach, Präsident der Deutschen Fitnesslehrer Vereinigung (DFLV). „Sie können online schon eine B-Lizenz in 120 Minuten erwerben.“ Natürlich sei das nicht seriös und im Grunde grob fahrlässig. „Wir arbeiten mit Menschen, das ist das höchste Gut, und jeder hat ein anderes Problem – vom Bandscheibenvorfall bis zum Übergewicht.“Der Trainerjob sei außerdem zukunftssicher: Keine künstliche Intelligenz könne ihn ersetzen.

„Es ist wichtig, dass man Menschen mag und ihnen etwas mitgeben möchte – wie Körperbewusstsein“, sagt Sandra. Für dieses Ziel studierte sie einst Bio, Chemie und Sport auf Lehramt in Marburg. Aber nach dem ersten Staatsexamen wechselte sie in die Kaffeestadt Hamburg zum Kampfsport. Heute ist Sandra Mutter eines eineinhalbjährigen Sohnes, arbeitet in ihrem Hauptberuf als Produktionsleiterin in einer Rösterei und gibt als Honorarkraft an fünf Tagen die Woche Kurse.