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Hit-Fabrik auf dem Kiez

Die Show „Motown“ spielt ab 14.8. in geänderter Besetzung erneut im St. Pauli Theater

Über die deutsche Automobilindus­trie sollte man eigentlich keine Witze mehr machen – man weiß ja nie, was hinten rauskommt. Und dass die Musik nur in den USA spielt, wäre – sagen wir – zumindest manipulativ. Detroit jedoch, die Metropole im nordöstlichen US-Bundesstaat Michigan, war mal die nordamerikanische Autostadt, eine Art Motor-Town. Und „Motown“ nannte Berry Gordy jr., ein ehemaliger Boxer und Fließbandarbeiter bei Ford, auch das Plattenlabel, das er 1959 in Detroit gegründet hatte – mit 800 Dollar Startkapital. Es wurde eine legendäre Hit-Fabrik, die zahlreichen, heute weltbekannten Künstlern zum Durchbruch verhalf.

Motown ist bis heute ein Stück Kulturgeschichte, weil Gordy jr. auch weißen Hörern schwarze Musik mit Ohrwürmern näherbrachte und der Sound zugleich das Ende der Rassentrennung in den USA ­begleitete.

Die Show bildet vor allem die „Hitsville U.S.A.“-Periode von 1959 bis 1972 ab

Das ist der Hintergrund von „Motown – The Music Show“, die nach der gefeierten Hamburg-Premiere 2015 auf Kampnagel und dem Vorjahres-Comeback vom 14. August bis 2. September erneut als Sommer-Gastspiel im St. Pauli Theater über die Bühne geht. Fünf Musical-Darsteller sowie eine Band unter Leitung des Sängers David Michael Johnson feiern in der Produktion des Euro-Studios Landgraf eine Gala rund um das legendäre Label. Neu dabei sind Sängerin Siggy Davis und zeitweise der von der Premiere auf Kampnagel bekannte Trevor Jackson.

Sie erklären auf Deutsch in kurzen Sätzen Zusammenhänge und interpretieren zahlreiche Songs. Ob nun „My Guy“ von Mary Wells, das schmalzige „My Girl“ von den Temptations (hier gesungen von Siggy Davis und ihrer Kollegin Taryn Nelson) bis hin zu Marvin Gayes „I Heard It Through The Grapevine“ (Wilson D. Michaels) – es ist vor allem die „Hitsville U.S.A.“-Periode von 1959 bis 1972, welche die kurzweilige Show abbildet.

Mithin Motown-Klassiker, dank derer auch Diana Ross & The Supremes, The Four Tops, Stevie Wonder („Superstition“) oder The Jackson 5 („ABC“) mit dem damals noch ganz kleinen Michael Jackson groß rauskamen. Und natürlich sind die fünf Musical-Darsteller auch tänzerisch auf der Höhe und stilvoll gekleidet, wenn sie durch die 60er-Jahre streifen. „Die Musik bringt ein Gefühl von der Historie, aber auch Freude“, sagt Regisseur und Choreograf Andrew Hunt. „Der zweite Akt ist dann Konzert pur.“

Fast 50 Songs kommen so zusammen. „Papa Was A Rolling Stone“? Ja! „Stop! In The Name Of Love“? Nö, lieber mitsingen, -feiern und -tanzen. Denn „Dancing In The Street“, das geht – wie sich im Vorjahr gezeigt hat – auch im St. Pauli Theater. Am Ende holen die fünf Darsteller und die famose Combo auch den letzten Musikmuffel aus dem Sitz.

Das Motown-Label übrigens gehört heute der Universal Music Group und sitzt in New York. Und Berry Gordy jr., Jahrgang 1929, lebt noch. Im Juli 2009 hielt er in Los Angeles die Trauerrede für den gestorbenen Michael Jackson, mithin „der King of Pop“ – und ein Kind der längst legendären Motown-Familie.

„Motown – The Music Show“ Di 14.8.–So 2.9., jeweils 19.30, Sa 16.00 + 21.00, St. Pauli Theater (S Reeperbahn), Spielbudenplatz 29/30, Karten zu 19,90 bis 63,90 in der HA-Geschäftsstelle, Großer Burstah 18–32, HA-Ticket-Hotline T. 30 30 98 98; www.st-pauli-theater.de