Kolumne

Glück im Doppelpack? Wenn einer nicht genug ist

Matthias Schmoock mit seiner Labradoodle-  Hündin Frieda

Matthias Schmoock mit seiner Labradoodle- Hündin Frieda

Foto: Klaus Bodig / HA

Es gibt zig Gründe, warum sich Menschen einen zweiten Hund zulegen. Leichter wird es danach nicht immer.

Na toll. Ein paar Stunden lässt man mal einen Menschen seines Vertrauens auf die gute Frieda aufpassen, schon geschieht ein Malheur. „Sooo brav hat sie die ganze Milch aufgeschlabbert“, erfuhren wir nach unserer Rückkehr, dabei ist Laktose für Hunde überhaupt nicht geeignet. Der durchschlagende Erfolg ließ dann auch nicht lange auf sich warten.

Details erspare ich Ihnen hier mal, aber alleine in der Nacht von Sonntag auf Montag kratzte die gute Frieda zu drei verschiedenen Uhrzeiten (und Schlafphasen) energisch an der Haustür, um dringend nach draußen gelassen zu werden. Und das auch noch pünktlich jedes Mal genau dann, als unsereins bei dieser drückenden Wärme gerade endlich eingedöst war.

Inzwischen ist alles wieder gut, also Schluss damit. Und nie wieder Milch für Friedebutsch.

Heute geht’s, wie angekündigt, ja auch um ein ganz anderes Thema. Zig nette Menschen mit zwei oder drei Hunden habe ich gefragt, warum sie es nicht bei einer oder einem belassen wollten. Im Schnelldurchlauf hier die häufigsten Motive. 1.: Hund war oft alleine zu Hause, hat jetzt einen Kumpel. 2.: Halter waren so begeistert von ihrem Tier, dass sie ihr Glück verdoppeln wollten – so wie beim zweiten Kind. 3.: Die Hunde sind Geschwister aus einem Wurf. Die Halter konnten sich nicht für einen entscheiden oder wollten die Tiere nicht trennen, also behielten sie beide. Auch das kennt man ja von Kindern (kleiner Scherz).

Hunde-Doppelpack: Kosten potenzieren sich

Erstaunlich viele Halter ließen sich – und hier sind wir bei Punkt 4 – einen zweiten Hund auch mehr oder weniger aufdrängen, wenn irgendwelche Freunde oder Bekannte sich damit überfordert fühlten, umziehen mussten oder einfach keine Lust mehr auf das Tier hatten. Sollten Sie, geschätzte Leser, partout keinen zweiten Hund wollen, müssen Sie jetzt gut aufpassen. Das Ganze fängt harmlos an. Erst wird einem der vierbeinige Hausgast für ein paar Wochenenden überlassen, dann länger, zum Beispiel für die Ferienzeit.

Irgendwann heißt es dann, dass sich die beiden doch so toll verstehen, man sie eigentlich gar nicht mehr trennen sollte. Steigerung: „Samy (Name geändert) hat neulich stundenlang gejault, nachdem ich ihn bei euch abgeholt hatte.“ Und schon ist man eingelullt – und stolze(r) Halter(in) eines lustigen Duos.

Ob sich das häusliche Glück mit mehreren Hunden dann schließlich wirklich verdoppelt oder sogar verdreifacht, muss jeder selber erleben. Fakt ist aber, dass sich die Kosten potenzieren – und oft auch die Arbeit. Letzteres trifft vor allem zu, wenn die Tiere nicht von Anfang an im selben Haushalt aufwachsen.

Ein zweiter Hund soll kommen

Man kann in den Ratgebern eine Menge darüber lesen, wie aufwendig es sein kann, Hunde als künftige gemeinsame Hausgenossen zusammenzuführen, und worauf man dabei achten muss. Auch Hundetrainer helfen gerne mit Infos weiter. Was viele nicht ahnen, erläuterte mir Halterin Claudia (Name nicht geändert): Oft fangen die Kämpfe ums Revier und um Frauchens Sympathie nämlich erst nach längerer Zeit an, dann nämlich, wenn der „Althund“ merkt, dass der scheinbare Kurzbesucher gar nicht wieder verschwinden wird. Stellen Sie sich mal vor, der dicke Nachbarsjunge, der Ihnen beim Kindergeburtstag damals immer alles weggefuttert hat, wäre plötzlich für immer geblieben.

So oder ähnlich muss sich das für manchen armen Hund anfühlen. Bei Claudias Hundeduo endete das Ganze jedenfalls mit Bissen (die Hunde), Tränen (sie) – und der Trennung von einem der zwei. Eine Lösung kann das Modell „Pflegehund auf Probe“ sein, bei dem der neue Vierbeiner von einer Tierschutzorganisation erst mal für eine begrenzte Zeit in den Haushalt gegeben wird. Läuft alles gut, kann er bleiben. Können sich die Hunde einfach nicht riechen, wird für den Gast ein passenderes Zuhause gesucht.

Bleibt die Frage, ob ich mir auch noch einen zweiten Hund vorstellen könnte. Antwort: Unbedingt ja, auch wenn Frieda natürlich einmalig ist und immer bleiben wird. Wir wollen aber noch ein paar Jährchen damit warten. Fürs Erste gibt es mit Jung-Frieda noch genug zu lernen – und nach knapp einem Jahr sind wir ja letztlich immer noch blutige Anfänger.