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Ein Fest für Beethoven

Seine 16. Streichquartette stehen im Zentrum der Sommerlichen Musiktage Hitzackervom 28. Juli bis 5. August

Im Jahr 2020 feiert die Musikwelt den 250. Geburtstag Ludwig van Beethovens. Doch die Sommerlichen Musiktage in Hitzacker schmeißen ihm schon jetzt eine Party. „Ich gestehe, er ist mein Lieblingskomponist“, bekennt Intendant Oliver Wille auf der Website des Festivals. Deshalb rückt er das Schaffen des klassischen Titanen mit großer Vorfreude ins Zen­trum dieses Sommers.

Herzstück des neuntägigen Programms sind die 16 Streichquartette von Beethoven, die Wille zu einem Großteil selbst mit seinen Kollegen vom Kuss Quartett spielen wird. Wie beim ältesten, aber geistig jung gebliebenen Kammermusikfestival in Deutschland üblich, eröffnet Wille dabei neue Perspektiven auf das scheinbar Vertraute. Gleich beim Auftaktkonzert am 28. Juli (16 Uhr) konfrontiert er das erste und das letzte Streichquartett von Beethoven mit einem 2016 entstandenen Auftragswerk von Enno Poppe – und lädt die Berliner Performance-Truppe Nico and the Navigators ein, die Musik um einen neuen Erfahrungsraum zu erweitern. Gemeinsam mit der Tänzerin und langjährigen Navigatorin Yui Kawaguchi sucht das Kuss Quartett einen frischen Zugang zum letzten Beethoven-Quartett, das oft spielerischer daherkommt, als man es von anderen Werken des späten Beethoven kennt.

Die choreografische Interpretation ist nur einer von mehreren Wegen der Annäherung an Beethovens Kammermusik. In der Reihe „Quartettlupe“ setzt das Festival die Tradition seiner beliebten Hörerakademien fort und beleuchtet die Quartette aus wissenschaftlicher Perspektive.

Unter dem Motto „Ludwig on tour“ geht der Beethoven-Zyklus auf Reisen

Mit dem Autor Michael Stegemann, der etwa anhand von einem Dutzend Aufnahmen die verschiedenen Sichtweisen auf Beethovens Quartett op. 59,2 Revue passieren lässt, oder mit Wolf-Dieter Seiffert vom Henle-Verlag, der wie kaum ein anderer die Notenhandschrift des Komponisten entschlüsseln kann. Unter dem Motto „Ludwig on tour“ (29.7., 14. Uhr) geht der Beethoven-Zyklus außerdem auf Reisen und präsentiert die Streichquartette in Dannenberg und am Waldsee in Sammatz, musiziert von Ensembles wie dem Respiro Quartett oder dem hervor­ragenden katalanischen Quartet Gerhard, das bei Oliver Wille in Hannover studiert hat.

Außer den Quartetten präsentiert das Festival auch andere zentrale Werke des Komponisten mit renommierten Interpreten. Der Geiger Christian Tetzlaff und der Pianist Lars Vogt konfrontierten Beethovens Violinsonaten mit Bartók. Der Cellist Nicolas Altstaedt streicht alle fünf Cello-Sonaten an einem Abend. Und das Berliner Stegreif-Orchester – bekannt für seine mitreißende Energie und seine umwerfenden, aus dem Geist der Spontaneität entwickelten Aufführungen klassischer Werke – bringt am 31.7. (20 Uhr) Beethovens vierte Sinfonie nach Hitzacker. Mit Brahms vermischt, und in einer mobilen Interpretation.

Denn die Musiker spielen nicht nur im Stehen, sondern manchmal auch im Gehen, sie wechseln ihre Positionen fließend zwischen den Zuschauern. Die Konzertbesucher sind mittendrin statt nur dabei. Wie es sich für eine richtige Geburtstagsparty gehört. Ludwig hätte sicher seinen Spaß gehabt.

„Beethoven!“ 73. Sommerliche Musiktage Hitzacker Sa 28.7.–So 5.8., mehrere Orte, Einzelkarten zu 11,- bis 49,- unter T. 058 62/94 14 30; www.musiktage-hitzacker.de