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In „Die Farbe des Horizonts“ wird die Freiheit zur Falle

Vom Fernweh getrieben zieht es die junge Tami (Shailene Woodley) nach dem Studium hinaus in die Welt. Auf Tahiti läuft sie dem smarten Segler Richard (Sam Claflin) über den Weg. Der Beginn einer großen Liebe. Doch nach nur wenigen Wochen des Glücks führt sie ein Job in die Katastrophe. Während das Paar die Yacht zweier reicher Rentner in deren Heimathafen überführt, gerät es in einen Hurrikan. Die grenzenlose Freiheit des Meeres wird zur Falle.

Als der Sturm sich legt, droht das Boot zu sinken, von Richard fehlt jede Spur. 2000 Seemeilen vom Festland entfernt ist Tami kurz davor aufzugeben, als sie Richard entdeckt, der festgeklammert am Beiboot auf der See treibt. Tami versorgt seine Wunden und macht sich auf den Weg ans Festland, Richtung Hawaii. Ein Ziel, das auch erfahrene Segler ohne Navigationsapparate leicht verpassen. Dahinter kommt vor Japans Ostküste nichts mehr. Wer Hawaii verpasst, den erwartet der sichere Tod.

Wegen der wachsenden Popularität von Outdoor-Urlaub und Extremsport hat in den vergangenen Jahren auch das Interesse zugenommen, entsprechende Passionsgeschichten zu verfilmen. „Into The Wild“, „127 Hours“ oder „Everest“ machten auf der großen Leinwand ansatzweise erlebbar, was es bedeutet, sich in der Wildnis selbst ernähren zu müssen, tagelang zwischen Felsen eingeklemmt zu sein oder auf einem 8000er um sein Leben zu kämpfen. Der Grat zwischen diesen „Filmen nach einer wahren Begebenheit“ und einer Dokusoap ist mitunter schmal. Der einst zu kauzigen Außenseiterporträts neigende, mittlerweile als Survival-Movie-Spezialist geltende isländische Regisseur Baltasar Kormákur hat mit „Die Farbe des Horizonts“ nun einen autobiografischen Erfahrungsbericht der US-Amerikanerin Tami Oldham Ashcraft als existenzielles Action-Drama verfilmt.

Der Großteil wurde tatsächlich auf offener See gedreht. Doch gerade in Zeiten, in denen das Ertrinken Hunderter Menschen im Meer zu den täglichen Nachrichten gehört, muss so ein Film mehr bieten, als die Qualen seiner Helden auszustellen, so gekonnt sie auch nachinszeniert sein mögen. Kormákur gelingt das ansatzweise, indem er in einigen Szenen spürbar macht, dass wir es trotz aller Technisierung und Spezialisierung mit den Strategien unseres Unterbewusstseins nicht aufnehmen können.

„Die Farbe des Horizonts“ USA 2018, 97 Min., ab 12 J., R: Baltasar Kormákur, D: Shailene Woodley, Sam Claflin, im Cinemaxx Dammtor + Harburg, UCI Mundsburg/Othmarschen Park/Wandsbek; www.tobis.de/film/die-farbe-des-horizonts/