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Verdammt Punk her!

Die anarchische britische Rockband The Damned kommt mit neuen Songs in die Fabrik

The Damned ist eine Größe in England. Jeder kennt die Punkband, doch so erfolgreich wie die Sex Pistols oder The Clash war das Quartett nie. Umso erstaunlicher, dass The Damned in diesem Jahr zum ersten Mal in ihrer langen Karriere die Top Ten der Album-Charts erreicht hat. Ihr bisher größter Erfolg datiert aus dem Jahr 1985. Damals landete die Band aus London mit „Phantasmagoria“ auf Platz elf. Die aktuelle Platte „Evil Spirits“ hat es auf Rang sieben geschafft.

Allerdings war es für Captain Sensible und Dave Vanian, die beiden Gründungsmitglieder, nicht einfach, überhaupt neue Songs auf einen Tonträger zu bekommen. Nur über eine Crowdfunding-Aktion kam genügend Geld zusammen, um in ein Studio gehen zu können und zehn neue Songs aufzunehmen. Als Produzenten konnten Sensible und Vanian einen der ganz Großen gewinnen: Der legendäre Tony Visconti, der mit Bowie Meisterwerke herausgebracht hat und an Erfolgsalben von T. Rex, den Manic Street Preachers und unzähligen anderen Bands beteiligt war, hatte Lust auf Punk.

Als The Damned Mitte der 70er-Jahre in London startete, war die Combo die erste Punkband, die überhaupt Studiomaterial veröffentlicht hat. „New Rose“ hieß damals ihre Single. Beeinflusst war die Gruppe damals vor allem von amerikanischen Bands wie den Ramones, den Stooges und MC5, die für ihre brachialen und kurzen Songs mit drei Akkorden aus­kamen. Punk war damals Do-it-yourself-Musik und der Gegenentwurf zu den Gruppen, die opulente Konzeptalben herausbrachten oder sich in 20-minütigen Improvisationen verloren.

Die Sex Pistols wirkten anarchischer und wurden cleverer gemanagt

The Damned haute damals jede Menge Singles heraus, das Debütalbum „Damned Damned Damned“ erschien auch schon 1977, doch die Sex Pistols wirkten anarchischer, wurden cleverer gemanagt als die Truppe um Captain Sensible und war deshalb angesagter. Zudem entwickelte sich der Stil von The Damned sehr schnell in Richtung Rock, und die Band löste sich schon 1978 zum ersten Mal auf. Doch The Damned ist immer wieder zurückgekommen. Captain Sensible startete in den 80er-Jahren eine recht erfolgreiche Solokarriere und hatte mit „Wot“ einen großen Hit, doch 2001 belebten Vanian und er die Band erneut und brachten mit „Grave Disorder“ gleich ein neues Album heraus.

Die Zeiten, als Dave Vanian im Bela-Lugosi-Look und Captain Sensible im Ballett-Tutu auf die Bühne kamen, sind zwar vorbei, aber immer noch stehen die Verdammten für schnellen, rauen Rock ’n’ Roll. Gute Songs aus der Vergangenheit haben sie genug wie „Smash It Up“, „Love Song“ und „Neat Neat Neat“. Eine Reihe neuer Nummern wie „Standing On The Edge Of Tomorrow“ und „Devils In Disguise“ hat die Band ebenfalls ins Repertoire eingebaut. Auch „Eloise“ spielt sie immer noch. Das war ursprünglich eine Ballade von Barry Ryan. The Damned coverte die opulente Schnulze und landete 1985 mit der Rockversion ihren einzigen Top-Ten-Hit in Großbritannien. Lang ist’s her, aber die Nummer funktioniert live immer noch.

The Damned Fr 25.5., 21.00, Fabrik (S Altona), Barnerstraße 36, Karten zu 26,- im Vorverkauf; www.officialdamned.com