London

Familienstreit bei den Markles

London. Als Prinz Harry im Dezember 2017 seine Braut Meghan Markle nach Schloss Sandringham zum Weihnachtsfest einlud, war das eine ziemlich große Sache für die 36-jährige Amerikanerin. Zum ersten Mal wurde sie in den engsten Familienkreis der Royals eingeführt, ins Privatissimum der Windsors sozusagen, zu einem Fest, zu dem zuvor noch niemals Außenseiter zugelassen wurden. Meghan habe, sagte Harry hinterher, „eine wunderbare Zeit gehabt und es wirklich genossen“, obwohl er ihr viele Familientraditionen erklären musste. „Es ist eine Familie, die sie, wie ich vermute, niemals gehabt hat.“

Es war lieb gemeint von Harry, aber auf der anderen Seite des Atlantiks kam das gar nicht gut an. „Sie hat in Wirklichkeit eine große Familie, die immer für sie da war“, polterte ihre Halbschwester Samantha, „als Vater und Doria sich scheiden ließen, haben wir das so geregelt, dass sie zwei Zuhause hatte.“ Auch Meghans Halbbruder Thomas Markle Junior meldete sich: „Natürlich hatte sie eine Familie.“ Und ihr Vater sei tief verletzt von Harrys Worten, denn er habe stets „den Großteil seiner Zeit und alles andere Meghan gewidmet“.

In der Tat ist das Familienleben der Markles nicht gerade ein Hort der Harmonie. Mutter und Vater sind seit Langem geschieden. Kennengelernt hatten sie sich zu Dreharbeiten für die Krankenhausserie „General Hospital“. Meghans Mutter Doria Ragland arbeitete als Visagistin. Thomas Markle war Kameramann und Oberbeleuchter für TV-Produktionen, der auch bei der Serie „Eine schrecklich nette Familie“ dabei war und einen Emmy gewann.

Die Mutter ist für siewie eine beste Freundin

Nach der Scheidung – Meghan war gerade sechs Jahre alt – hielt der Vater offenbar immer Kontakt, doch ob er zur Hochzeit kommt, ist bislang mehr als ungewiss. Der 73-jährige Rentner lebt jetzt in Rosarito an der mexikanischen Pazifikküste. Er musste Bankrott anmelden, nachdem er nach einem Lottogewinn von 750.000 Dollar übers Ohr gehauen wurde und das meiste Geld verlor. Er ist, wie sein Sohn sagte, „extrem stolz auf Meghan“. Über ihren Vater hat Meghan einmal auf Instagram geschrieben: „Bis heute sind deine Umarmungen die besten der Welt.“ Ein passender Gruß zum Vatertag.

Zu den Halbgeschwistern gilt das Verhältnis gar als zerrüttet. Thomas Markle Junior, der mit Frau und zwei Kindern im US-Westküstenstaat Oregon lebt und als Fenstermonteur arbeitet, beschwert sich immer wieder, dass er keine Einladung zur Hochzeit bekommen habe. Aber er erwarte eine, sagte er dem TV-Sender der britischen „Daily Mail“. „Ich gehöre zur Familie, zerstritten oder nicht.“ Das letzte Mal soll Meghan ihren Bruder Thomas Jr. vor sieben Jahren getroffen haben.

Auch mit der 17 Jahre älteren Halbschwester Samantha Markle, die auch als Samantha Grant bekannt ist, sieht es nicht rosiger aus. Samantha versuchte sich wie ihre Schwester als Schauspielerin und als Drehbuchautorin, allerdings mit weniger Erfolg als Meghan, die in der Anwaltsserie „Suits“ mitwirkte. Das letzte Wiedersehen der beiden soll zehn Jahre her sein. Auf eine Einladung zu den königlichen Feierlichkeiten wartet auch sie bislang vergebens. Aber vielleicht reist sie dennoch an, um vor den Mauern von Schloss Windsor als TV-Reporterin zu berichten. Immerhin will sie ein Buch schreiben, Arbeitstitel: „Tagebuch der Schwester von Prinzessin Aufdringlich“.

Das hält die 17 Jahre ältere Halbschwester nicht davon ab, die berühmteste der Markles öffentlich anzugreifen – vor allem dafür, ihre Familie im royalen Rausch vernachlässigt zu haben. „Was sie an einem Wochenende ausgeben könnte, würde Dad sehr helfen, das sollte Priorität haben.“

Das Verhältnis zur Mutter, die sich alleinerziehend um Meghan kümmerte, scheint deutlich enger. „Wir haben so viel Spaß zusammen und trotzdem spendet ihre Unterstützung mir so viel Trost“, schrieb Markle 2017 im „Glamour“-Magazin. Markle, die ihre Mutter als beste Freundin betrachtet, beschreibt sie in Erinnerung an früher als einen „Freigeist“ mit Dreadlocks und Nasen-Piercing. Britische Medien spekulieren, dass die Schauspielerin mit der Tradition brechen will: Nicht der Vater, sondern die Mutter soll am 19. Mai die Braut übergeben.