Essen

Papst sorgt sich um die Jugend

Essen. Franziskus ist ein Papst, der schon immer wusste, wie er die Menschen überraschen kann: Er fuhr Straßenbahn statt Limousine, trug grobes Schuhwerk statt Prada-Slipper wie noch sein Vorgänger Papst Benedikt. Und er äußert sich gern zu Fragen des alltäglichen Lebens. Nun hat sich Franziskus (81) über das Trinkverhalten der Jugend ereifert. Das weitverbreitete „Vorglühen“ vor Partys und Discobesuchen führe die jungen Leute ins Verderben, schreibt der Papst in seinem Buch „Gott ist jung“ (Herder-Verlag), das heute erscheint.

Ob Gläubige oder Nicht-Gläubige – viele werden sich fragen, wie der Papst an so ein Wort kommt. Vorglühen? Woher hat er das nur? Von einem Taxifahrer aus Buenos Aires erfahren. Ganz außer sich habe dieser dem Papst von einer Fahrt berichtet: Da saßen also vier junge Frauen im Auto, die sich mit reichlich Wodka und Whisky – „zum Vorglühen“ – in Partylaune bringen wollten. Die Schilderung des Taxifahrers muss so eindringlich gewesen sein, dass der Papst es nicht nur mit einem Schulterzucken bewenden lassen wollte. Im Gegenteil: Die Vorstellung betrunkener junger Mädchen haben ihn so in Rage versetzt, dass er sich zu einer Grundsatzrede genötigt sah: Wer sich schon vorab zu Hause betrinke, höre nicht mehr auf Herz und Verstand, sondern werde zum Gefangenen seiner Instinkte. „Wir sind nichts ohne Kopf und Herz, wir sind nichts, wenn wir uns in die Fänge unserer Instinkte begeben, nichts ohne den Verstand“, schreibt er. Dazu passe nicht, betrunken und „in Begleitung eines Körpers, der einem nicht gehorcht“, zu einer Party zu gehen, so der Papst über ein Phänomen, von dem er trotz seiner Nähe zu Menschen wohl noch nichts gehört hat.

Überhaupt ist er der Überzeugung, dass bei der Jugend selbst etwas falsch läuft. Noch etwas nämlich stört ihn ungemein – dass Jugendliche ständig online sind. Das Netz, so der Papst, mache sie „extrem flatterhaft“. Doch er wäre kein wahrer Vater, wenn er nicht auch Verständnis für die Jugendlichen hätte: „Nicht immer helfen wir ihnen dabei, ihren Weg zu finden und jene Mittel aufzubauen, die es ihnen ermöglichen könnten, nicht auf der Müllhalde der Gesellschaft zu enden“, schreibt er.

Die Schuld dafür gibt er der Gesellschaft, also den Erwachsenen, die es nicht schaffen, die jungen Menschen träumen zu lassen.