Correctiv und Abendblatt

Wem gehört Hamburg? Machen Sie mit!

Wem gehört Hamburg? Das Rechercheprojekt von Correctiv und Hamburger Abendblatt soll mehr Transparenz für Mieten und Mieter sowie für den Immobilienmarkt schaffen

Wem gehört Hamburg? Das Rechercheprojekt von Correctiv und Hamburger Abendblatt soll mehr Transparenz für Mieten und Mieter sowie für den Immobilienmarkt schaffen

Foto: Klaus Bodig

Mieter, Eigentümer, Immobilieninvestoren: Rechercheprojekt von Correctiv und Abendblatt macht den Wohnungsmarkt transparent.

Hamburg. Wem gehört unsere Stadt? Das Hamburger Abendblatt startet gemeinsam mit dem gemeinnützigen Recherchezentrum Correctiv und dem Mieterverein zu Hamburg ein groß angelegtes Rechercheprojekt, das für mehr Transparenz auf dem hart umkämpften Hamburger Wohnungsmarkt sorgen soll.

Seit Jahren steigen in der Hansestadt die Mieten, Investoren setzen teilweise auf hohe Renditen, für einige Menschen ist das Wohnen in Hamburg bereits unerschwinglich. Oftmals wissen die Mieter selbst nicht, wem ihre Wohnung tatsächlich gehört. Bei unserer Recherche können alle Hamburger mithelfen und herausfinden, wer Eigentümer vieler Wohnungen ist.

Wer besitzt was in Hamburg?

Mit den Informationen soll ein neues Bild von der Stadt entstehen: Wer besitzt was? Wer steht hinter den Häusern oder den Hausverwaltungen? In welchen Vierteln sind umstrittene Vermieter tätig, die Mieter wegsanieren?

Das Abendblatt wird regelmäßig über den Fortgang des Projekts berichten. Der Vorsitzende des Mietervereins, Siegmund Chychla: „Es ist nicht nur für den Einzelnen, sondern auch für die politischen Entscheidungsträger wichtig zu wissen, wem auf dem Wohnungsmarkt was gehört und wie sich die Lage auf dem Wohnungsmarkt entwickelt.

Existenzfrage Mietpreis

„Und was bezahlt Ihr für Eure Wohnung?“ Diese Frage ist längst zum festen Bestandteil eines Small Talks geworden. Auf einer Party, am Rande des Fußballplatzes, beim Abholen von der Kita, beim Plausch am Kiosk. Wer mit jemandem länger als ein paar Minuten ins Gespräch kommt, landet erst recht beim Thema Wohnen. Und oft beim Preis. Weil es für viele zur Existenzfrage geworden ist.

Die meisten Hamburger haben eine Geschichte darüber zu erzählen, wie verrückt der Wohnungsmarkt in der Stadt geworden ist. Die junge Familie, die sich eine größere Wohnung für den doppelten Quadratmeterpreis nicht leisten kann und stattdessen ein Hochbett ins Zimmer einbaut. Die Altmieter, deren Haus aufwendig saniert wird und deren Miete plötzlich kräftig anzieht. Sollen sie auf ihre alten Tage das Viertel wechseln? Die Hausverwaltungen, die oftmals nicht erreichbar sind. Die Studenten, die nach Hamburg ziehen wollen und nichts finden.

Mietpreisbremse hat bislang wenig gebracht

Die Politik wollte die galoppierenden Mieten mit der Mietpreisbremse bekämpfen. Gebracht hat es wenig. In den Koalitionsplänen der möglichen neuen Bundesregierung finden sich Ideen, den Vermietern ein paar zusätzliche Fesseln anzulegen, um die deftigen Mietaufschläge zu verhindern.

Doch eine Sache wird sich auch mit der möglichen Großen Koalition aus Union und SPD nicht ändern: Die Eigentümer der Mietwohnungen bleiben weitgehend geheim. Das ist ein zentrales Problem im Immobilienmarkt. Um es klarzustellen: Die meisten Vermieter arbeiten seriös. Aber für fragwürdige Investoren sind Wohnungen in deutschen Großstädten zunehmend ein lukratives Geschäft.

Das Hamburger Abendblatt und das gemeinnützige Recherchezentrum Correctiv wollen mehr über diesen Markt erfahren. Deshalb starten die beiden Redaktionen ein Projekt, bei dem Bürger mitrecherchieren können. In den nächsten zwei Monaten werden wir auf der Plattform wem-gehoert-hamburg.de mehr Licht ins Dunkel bringen, auch gemeinsam mit den Bürgern. Sie können dabei helfen, mehr über die Eigentümer dieser Stadt herauszufinden.

Hier klicken, um Details des Projektes zu sehen

Mit den Informationen soll ein neues Bild von der Stadt entstehen: Wer besitzt was? Wer steht hinter den Häusern oder den Hausverwaltungen? In welchen Vierteln sind umstrittene Vermieter tätig, die Mieter wegsanieren? Welche Firmen ihre Gewinne aus hohen Mieten in Steuerparadiesen verstecken? Dabei geht es nicht darum, Investoren sinnvoller Bauprojekte an den Pranger zu stellen.

Wissen Sie, wer Ihr Vermieter ist?

Aber oftmals wissen die Mieter selbst nicht, wem die Wohnung gehört, in der sie wohnen. Weil hinter der Wohnung nicht ein privater Eigentümer steht, der ein oder zwei Immobilien in Hamburg besitzt. Sondern weil hinter der Hausverwaltung, die im Mietvertrag auftaucht, eine anonyme Firma steht, die vor allem eins im Sinn hat: Rendite.

Der Immobilienmarkt ist intransparent, weil die Grundbücher für die Öffentlichkeit nicht einsehbar sind. Das nützt vor allem denen, die den Markt kennen, also den großen Immobilienfirmen. Für Mieter und Bürger ist es schwer, die Auswüchse auf dem Wohnungsmarkt zu erkennen, wenn es keine Übersicht gibt. Von der Intransparenz profitieren sogar Kriminelle, die den deutschen Immobilienmarkt für sich entdeckt haben. Eigentümer können sich hinter verschachtelten Firmen in Steuerparadiesen verstecken. Auch in Hamburg? Wir werden recherchieren.

Es gibt mehrere Gründe, warum die Preise steigen: Haushalte benötigen mehr Fläche, weil immer mehr Menschen alleine leben. Mehr Menschen ziehen nach Hamburg. Allein zwischen 2011 und 2016 kamen gut 100.000 Menschen in die Hansestadt. Flüchtlinge werden in Wohnungen untergebracht.

Hamburg ist attraktiv für Europas Bauinvestoren

Dazu kommt das billige Geld aufgrund der Niedrigzinsen. Mit Aktien und Anleihen sind kaum noch Gewinne zu erwirtschaften. Daher setzen die Anleger auf Immobilien, weil sich damit noch hohe Renditen erwirtschaften lassen. Renditen, die über höhere Mieten eingespielt werden sollen.

Kürzlich ergab eine Umfrage unter Investoren, dass Hamburg europaweit zu den attraktivsten Städten für Bauinvestoren gehört – in einem Ranking landete die Hansestadt auf Platz 6. In die Metropole fließt immer noch viel Geld, goldene Zeiten für Bauherren. Dabei ist der Wohnungsmarkt recht stabil aufgestellt. 900.000 Wohnungen gibt es in Hamburg insgesamt; 700.000 von ihnen sind vermietet. Ein Fünftel dieser Wohnungen gehören der städtischen Saga. Weitere 130.000 werden von Genossenschaften verwaltet. Viele Mieter profitieren von moderaten Mieten.

Aber auch in der Hansestadt wird offenbar gezockt. Es wird teuer saniert, Altmieter müssen teilweise ausziehen, die Wohnung wird dann für einen höheren Preis vermietet. Es wird gebaut, und die privaten Investoren wollen an den Häusern natürlich verdienen. Aber die können sich Normalverdiener nicht leisten.

Ältere Mehrfamilienhäuser werden gern als Paket an andere Investoren oder Fonds weiterverkauft. Oft ohne dass die Mieter davon etwas mitbekommen. Ihre Wohnung wird zur Ware. Vielleicht steht sie in den Büchern einer Briefkastenfirma.

Von April an sind Bürger eingeladen mitzurecherchieren

Gerade erst hat eine der größten privaten Immobilieninvestoren, die Vonovia, bekannt gegeben, dass sie den Wohnungsriesen Buwog schluckt. Buwog verwaltet in Deutschland und Österreich etwa 35.000 Wohnungen, rund 2000 davon in Hamburg. Vor zehn Jahren gehörten diese Wohnungen noch einer anderen Gesellschaft, der DGAG. Der künftige Eigentümer Vonovia ist nicht überall unumstritten. Die Mieter dürften von dieser Transaktion, die zurzeit läuft, wenig mitbekommen. Und die Stadt Hamburg darf damit rechnen, dass der neue Eigentümer keine Grunderwerbssteuer zahlen wird. Das geht, weil Investoren ein Steuerschlupfloch für Unternehmen nutzen können.

Wir werden in den nächsten zwei Monaten konkret berichten, wie sich der Wohnungsmarkt auf die Bürger auswirkt – von April an mit den Bürgern gemeinsam. So lassen sich die Schwachstellen aufdecken, die es offensichtlich gibt. Die Stadt verändert sich zurzeit vor allem über den Preis. Über den lohnt es zu diskutieren, wenn die Hintergründe dazu bekannt sind. Und über die Frage: Wem gehört die Stadt?

Correctiv

Correctiv ist das erste gemeinnützige Recherchezentrum in Deutschland. Die Journalisten arbeiten unabhängig und nicht gewinnorientiert. Die Redaktion finanziert sich ausschließlich über Spenden und Mitgliedsbeiträge von Unterstützern. Ihr Anspruch: in langfristigen Recherchen Missstände aufdecken und unvoreingenommen darüber berichten. Sie können die Arbeit unterstützen unter correctiv.org

So geht es

Wem gehört Hamburg? Diesen Satz werden Sie in den nächsten Monaten häufiger lesen. Denn wir wollen mehr Transparenz auf dem Hamburger Wohnungsmarkt schaffen. Das gemeinnützige Recherchezentrum Correctiv und das Hamburger Abendblatt starten dazu ein eigenes Projekt, an dem sich auch der Mieterverein zu Hamburg beteiligt.

Schon jetzt können Sie sich auf der Internetseite wem-gehoert-hamburg.de in einen Newsletter eintragen. Dann informieren wir Sie über den Fortgang des Projektes und über unsere Veröffentlichungen zum Thema Wohnen. Dort finden Sie auch Kontaktmöglichkeiten zu unseren Reportern und Veranstaltungen zum Thema, die Sie in den kommenden Wochen in Hamburg kostenlos besuchen können.

Ab April laden wir Sie ein, mit uns zu recherchieren. Auf einer neuen Plattform können Sie den Redaktionen dann mitteilen, wer der Eigentümer Ihrer Mietwohnung ist und welche Erfahrungen Sie mit Ihrem Vermieter gesammelt haben. Aus den gewonnenen Daten können wir die Stadt für alle transparenter machen. Und wir können dort recherchieren, wo sich Missstände zeigen.