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Die Les-Humphries-Party

Mit Hits des Popmusikers hat am 9. Februar das Musical „Mama Loo“ Im Engelsaal Premiere

Manchmal muss auch ein Prinzipal tiefer wühlen. Kürzlich schaute sich Karl-Heinz Wellerdiek im Requisiten-Keller des Hamburger Engelsaals um. Der Chef des Theaters der leichten Muse suchte nach Bühnenteilen für einen Zeittunnel.

Durch diesen reisen im Stück „Mama Loo“ nämlich „Superhirn“ Jo, seine Partnerin Biggi und vier weitere Freunde. Erst erscheint Jo in Römerbekleidung des Jahres 112 vor Christus in seinem Experimentallabor, später stecken Jo und Biggi jedoch im Jahr 1972 fest – auf einem Konzert der Les Humphries Singers. Deren Musik erzeugt so viel Power, dass das Kraftfeld der Zeitmaschine streikt. Die in der Gegenwart zurückgebliebenen Freunde müssen helfen, das Energiefeld wieder zu stabilisieren, indem sie alle ins Jahr 1972 zum Konzert der Band reisen – in der Stadthalle von Bielefeld.

„Die Geschichte ist ein bisschen skurril“, gibt Karl-Heinz Wellerdiek zu. Rund um die Musik des Engländers Les Humphries (1940–2007) ein Musical zu stricken, darauf ist vor Wellerdiek indes noch kein Autor gekommen. Premiere für „Mama Loo – Die große Les-Humphries-Party“ ist am 9. Februar.

„Es war die Tanzmusik meiner frühen Jugend“, sagt Wellerdiek (58). Auf einer Humphries’ Tournee hatte er in Bielefeld („Der Inbegriff von Spießigkeit“) selbst eine „wunderbare Party“ miterlebt. Und Les Humphries, der seine Multikulti-Sänger-Band übrigens 1969 in seiner Wahlheimat Hamburg um sich geschart hatte, sollte bis zur Auflösung der Gruppe 1976 etwa 48 Millionen Tonträger verkaufen.

Mit 24 Humphries-Titeln will der ­Engelsaal auch jüngere Leute animieren

„Was Bohlen heute ist, das war Les Humphries vor 40 Jahren“, meint Wellerdiek, der sich mit seinem kleinen, seit 2005 am Rande des Gängeviertels existierenden Privattheater zuletzt weg von der Operette hin zum Musical bewegt hat. Statt „Wiener Blut“ von Johann Strauß Sohn wie noch zum zehnten Jubiläum jetzt also „Mama Loo“, „Rock My Soul“, „Mexico“, „We Are Goin’ Down Jordan“ oder „Kansas City“. Alles von Les Humphries komponierte respektive arrangierte Top-Hits im Mix aus Traditionals und Spirituals, inzwischen Pop-Evergreens.

„Les Humprhies hat den Zeitgeist ein Stück weit geprägt“, meint Prinzipal Wellerdiek. Mithin den Partysound einer ganzen Generation. Mit 24 Humphries-Titeln, die der Tenor und Schauspieler mit dem Musikalischen Leiter Herbert Kauschka ausgewählt hat, will der Engelsaal auch jüngere Leute zum Besuch und Mitsingen animieren. Doch die Vokal-Arrangements und Proben seien aufwendiger als gedacht, so Wellerdiek. Anders als damals bei den Les Humphries Singers gebe es im Engelsaal nun für jeden Song eine erkennbare Choreografie. Verantwortlich dafür: Musical-Dame Karin Westfal („Marlene Dietrich“, „Silver Ladies“).

Der Spaß, sowohl fürs sechsköpfige Ensemble als auch fürs Publikum, steht indes im Mittelpunkt. Wohl auch deshalb taucht in „Mama Loo“ Les Humphries nicht als Figur auf: Der Bandleader – er komponierte auch die Titelmelodie von „Derrick“ (ZDF) – galt hinter der Bühne als jähzornig und flüchtete Ende der 70er wegen Steuerschulden aus Deutschland. Im Musical ist nur eine alte Humphries-Platte mit Cover zu sehen. Die holte Wellerdiek nicht aus dem Requisiten-Keller, sondern aus seinem Plattenschrank.

„Mama Loo – Die große Les-Humphries-Party“ Premiere Fr 9.2., 19.30, bis 27.10., Engelsaal
(U Gänsemarkt), Valentinskamp 40-42, Karten zu 28,59 bis 50,59: Abendblatt-Geschäftsstelle, Gr. Burstah 18–32, T. 30 30 98 98; www.engelsaal.de