Sülldorf/Blankenese

Anwohner kritisieren Baupläne als zu massiv

Großer Andrang auf Infoveranstaltung zur Magistralen-Strategie. Angestrebte Verdichtung besorgt Sülldorfer

Sülldorf/Blankenese.  Die aufgestellten 150 Stühle reichten bei Weitem nicht aus. Gut, dass noch schnell erweitert werden konnte. Am Ende drängten sich rund 250 Personen in der Aula des Marion Dönhoff Gymnasiums in Blankenese. Was so viele Menschen bewegt, am späten Abend an einer öffentlichen Plandiskussion des Altonaer Bezirksamtes teilzunehmen? Viele wollten sich informieren, viele auch ihre Sorgen und Bedenken äußern.

Das Thema birgt eben mehr Sprengkraft als der Titel „Bebauungsplan-Entwürfe Sülldorf 23/Iserbrook 27 und Sülldorf 24 (Sülldorfer Landstraße)“ vermuten lässt. Denn bei der Veranstaltung am Mittwochabend handelte es sich um den Auftakt zur geplanten Verdichtung an Hamburgs Hauptverkehrsadern. Magistralen-Strategie lautet das Stichwort, mit dem der Senat Platz für neuen und dringend benötigten Wohnraum schaffen will. Eine höhere und deutlich dichtere Bebauung entlang der Verkehrsachsen soll das ermöglichen. Losgehen soll es nun aus-gerechnet in Sülldorf.

„Sie sind unser Pilotpublikum“, erklärte daher auch Henrik Strate. Der Sozialdemokrat und Chef des Planungsausschusses in Altona moderierte die Debatte. Doch bevor diskutiert werden konnte, wurde erst einmal informiert: über die allgemeine Wohnraumsituation, die wachsende Einwohnerzahl, die Grenzen, an die Altona stößt, die Vorteile, die eine Verdichtung mit sich bringen kann (bessere Ärzteversorgung und Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr), aber auch über die Probleme, die es noch zu lösen gilt (Lärm- und Luftschadstoffbelastung). Zudem wurden die beiden Entwürfe vorgestellt, die eine höhere und dichtere Bebauung an der Sülldorfer Landstraße zulassen und befördern sollen.

Der eine Bebauungsplan erstreckt sich vom Sülldorfer S-Bahnhof die nördliche Seite der Landstraße entlang bis zur Bahnüberquerung in Iserbrook. Die bislang erlaubte zweigeschossige Bauweise soll auf vier Geschosse verdoppelt werden. Zudem sind die Baufenster deutlich erweitert worden. Laut „konservativer“ Schätzungen des Bezirksamtes könnten so allein auf diesem Abschnitt 350 neue Wohneinheiten entstehen, diverse Einfamilienhäuser müssten zugunsten von Mehrfamilienhäusern weichen. Viele Anwesende im Saal entsetzte dieses Szenario.

Auch der zweite Bebauungsplan, der für ein konkretes Vorhaben nötig ist, kam bei vielen aufgrund der angestrebten Höhe nicht gut an. Wie berichtet, plant ein Investor den Bau eines Musikcampus mit 90 Wohnungen sowie Einzelhandel, Studentenappartements und einer Kita. Dafür sollen das Hamburger Konservatorium und der benachbarte Discounter Neubauten weichen. In ein – wie sich am Mittwoch zeigte – sechsgeschossiges Gebäude soll das Konservatorium dann einziehen. Die anderen drei neuen Gebäude, die entstehen sollen, würden jeweils fünf Geschosse haben.

Diese Aussicht gefiel den Sülldorfern nicht. Viele wünschten sich eine moderate Bebauung. Es solle nicht höher als der Kirchturm werden, so eine Bitte. Der Architekt Volker Mälzer wurde deutlicher: „Die Pläne sind viel zu brutal und haben keine Identität. Das entspricht nicht dem dörflichen Charakter Sülldorfs.“

Die Botschaft kam bei den Politikern an. Sie versprachen, über die zugelassene Bauhöhe nachzudenken. Sie gaben aber zu bedenken, dass in Sachen Wohnraumschaffung Altona die Alternativen ausgingen, und bekräftigten den Wunsch, die geschützte Feldmark nicht antasten zu wollen. Die Diskussion geht im Planungsausschuss weiter.