Gastro-Tipp

Mehr als nur Gyros-Berge im Restaurant The Greek

Im The Grrek dominiert stählerner Industriecharme

Im The Grrek dominiert stählerner Industriecharme

Foto: Klaus Bodig / Klaus Bodig / HA

Eine Frage, die man heutzutage eher selten hört: „Wollen wir demnächst edel beim Griechen essen gehen?“ Weil die griechische Diaspora-Küche in den 70ern stecken geblieben scheint – riesige Fleischportionen und verschwenderischer Einsatz von Olivenöl, Thymian und Knoblauch prägen das Image. Aber weil die gehobene Hipster-Küche insbesondere bei Lokalnamen ein Image gern mal ironisch bricht, ist jetzt auch „Der Grieche“ rehabilitiert: Seit einem Jahr jedenfalls beweist The Greek im Portugiesenviertel, dass die Hellas-Küche mehr kann als Gyros-Berge auf Teller zu stapeln.

Es gibt auch arabische Weinblätter mit Reisfüllung und türkische Sucuk-Wurst

Wobei die Karte im The Greek bei Licht betrachtet nicht rein griechisch daherkommt, sondern als zeitgemäße mediterrane Fusion. Es gibt arabische Weinblätter mit Reisfüllung, türkische Sucuk-Wurst und spanische Pimientos de Padron (alias „Katsikes Ziegenhörner“). Weil The Greek zeitgemäß sein will, steht die aktuell unvermeidliche Ceviche auf der Vorspeisenkarte. Wir entscheiden uns für einen Crunchy Salat (12 Euro) mit Karotten, Radieschen und Avocados, wobei Letztere ein bisschen mehr Reife hätten vertragen können. Sehr fein aber die Mangostreifen, die interessant mit der Balsamico-Vinaigrette harmonieren.

Der Service ist aufmerksam, wenn auch manchmal ein wenig hektisch. Aber das passt zum zwanglosen Ambiente im The Greek, zu den hohen Wänden, dem stählernen Industriecharme der Einrichtung, zum eklektizistischen Soundtrack, der ein wenig zu laut italienische Schlager mit Frank Sinatra mixt. „Love and marriage“, tönt es aus den Boxen, „get together like horse and carriage“, und schon wird einem als Gruß aus der Küche eine undefinierbare, rosafarbene Paste auf den Tisch gestellt. Erst auf Nachfrage erfährt man, dass es sich hier um „Schaum vom Stockeierfisch“ handelt – schwierig, ist doch der intensive, sehr salzige Fischeier­geschmack nicht jedermanns Sache.

Wenn man allerdings weiß, worauf man sich einlässt, ist die Creme äußerst schmackhaft, gerade in Kombination mit frischem Weißbrot. Das allerdings satt macht, ziemlich satt – The Greek möchte weg von den überquellenden Tellern der 70er, aber auch hier sind die Portionen mehr als ausreichend.

Zumal als Hauptgang eben doch die unvermeidlichen Gyros kommen, so viel kulinarisches Traditionsbewusstsein muss sein. Im The Greek wird der als „Gyros Deluxe“ (17 Euro) serviert, entpuppt sich aber als traditioneller Hähnchengyros, der tatsächlich in gewohnter Fleischbergform auf dem Tisch steht. Der ist fein gewürzt, hat mit Drillingen eine originelle Beilage und erhält durch die Senf-Lacronaise eine interessante Geschmacks­färbung. Der eigentliche The-Greek- Anspruch­, eine gyrosfreie Zone zu sein, wird so freilich ad absurdum geführt. Das Gericht auf einer schwer zu schneidenden Pitascheibe zitiert auch die Vergangenheit des Gyros als Fast Food. Keine Frage, das ist wahrscheinlich der beste Gyros, den man aktuell in Hamburg bekommt, aber ob das den stolzen Preis rechtfertigt? Die Begleitung jedenfalls entscheidet sich fürs Doradenfilet auf Lauch, Kartoffeln und Tomatenconfit (23 Euro) und genießt damit das originellere Hauptgericht.

Auf der Dessertkarte reizt die Mousse au Chocolat mit Brombeer-Coulis

Beim Wein allerdings macht man nichts falsch, wenn man sich auf die (etwas schnoddrige) Empfehlung verlässt. Der rote Cuvée aus Argos spottet mit Brombeeraromen über den schlechten Ruf griechischer Weine, auch der Grüne Veltliner irritiert zunächst mit seiner österreichischen Herkunft, passt mit seiner leichten Pfeffernote aber optimal zum Fisch (je 8,50 Euro für 0,2 Liter).

Längst ist man satt, dennoch lockt die Dessertkarte. „Sie können das Tiramisu probieren“, empfiehlt der Kellner leutselig, „dann werden Sie die Italiener hassen. Und uns lieben.“ Klingt charmant, aber die Mousse au Chocolat mit Brombeer-Coulis und Muskat-Buttercotch-Baiser (8 Euro) reizt noch ein bisschen mehr. Die Mousse ist fluffig, die Brombeercreme erfrischt mit sanfter Säure, einzig die Baiserscheiben sind ein wenig zu süß. Sei es drum – im The Greek geht es nicht um Feinheiten, es geht um ein passendes Gesamtpaket, und in dem ist eben manchmal auch ein wenig zu viel von allem verpackt.

„Wollen wir demnächst mal edel beim Griechen essen gehen?“ Ach, warum nicht. Ironisch.

The Greek Vorsetzen 53, täglich 12 bis 24 Uhr, T. 20 31 80 73 70;