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Hell sehen und im Dunkeln tappen

War es wahr, was Wahrsager für 2017 vorhergesagt haben? Eine Bilanz und die Erkenntnis eines Physikers

Das Jahr geht zu Ende. Es wird Zeit zu vergleichen, wie die Prognosen von vor einem Jahr mit der Wirklichkeit von 2017 zusammenpassen. Und die Bilanz fällt nicht gut aus für die Hellseher, Wahrsager und Astrologen. Sie lagen „meilenweit daneben“, wie jetzt die Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften (GWUP) bekannt gab.

Was hatten sie nicht alles prophezeit: Dänemark sollte aus der EU austreten, die Menschen von aggressiven Eichhörnchen verfolgt werden, auf Island wieder ein Vulkan ausbrechen. Aber nichts von dem geschah. Hätten die Orakel-Spezialisten das nicht wissen müssen, haben die denn keine Metaebene in ihrer Kristallkugel?

Es gab vorab nur wenige positive Annahmen: Aber immerhin wurde der Beginn des Dritten Weltkriegs verschoben, und vier Weltuntergangstermine verstrichen ohne bleibende Schäden. „Solcher Seelenbalsam ist zumindest besser als Angst machende Katastrophenprognosen“ bilanzierte Michael Kunkel, ein Mathematiker von der stets skeptischen GWUP. Doch der Hang zum Aberglauben und zur Spökenkiekerei scheint unausrottbar zu sein.

Dabei ist durchaus auch den Skeptikern gegenüber etwas Misstrauen angebracht, wie das Beispiel von Niels Bohr zeigt. Der berühmte dänische Physiker soll einen Kollegen besucht haben, der über seiner Haustür ein Hufeisen angebracht hatte. Natürlich mit der Öffnung nach oben, damit das Glück hineinfiele. „Du glaubst an so etwas?“, fragte er erstaunt den anderen Naturwissenschaftler. „Natürlich nicht“, antwortete der. „Das Gute bei Hufeisen ist aber, sie funktionieren auch, wenn man nicht daran glaubt.“