Hamburg

G20: Erster Verdächtiger stellt sich nach Foto-Fahndung

Proteste gegen G20 im Hamburger Schanzenviertel

Proteste gegen G20 im Hamburger Schanzenviertel

Foto: dpa Picture-Alliance / Maciej Luczniewski / picture alliance / NurPhoto

Soko "Schwarzer Block" zeigt Bilder von Verdächtigen der G20-Krawalle. Hier sehen Sie Videos und Fotos. Es gibt erste Reaktionen.

Hamburg. Das hat nicht lange gedauert: Wenige Stunden, nachdem die Hamburger Polizei Bilder und Videos mit Tatverdächtigen der Krawalle des Hamburger G20-Gipfels vom Juli veröffentlicht hat, sind 25 konkrete Hinweise eingegangen. Und ein Tatverdächtiger, der per Foto gesucht wurde, hat sich gestellt. Das wird Wasser auf die Mühlen der Polizei sein, die diese aufwendige und umstrittene Maßnahme erstmals anwendete.

Gut fünf Monate nach den G20-Krawallen haben Hamburger Polizei und Staatsanwaltschaft mit einer Öffentlichkeitsfahndung begonnen. Die Fotos von 104 mutmaßlichen Gewalttätern wurden am Montag auf die Internetseite der Polizei Hamburg gestellt. Ein Link auf der Startseite führt zu den Fahndungsunterlagen.

Finden Sie es richtig, dass die Polizei mit Fotos nach mutmaßlichen G20-Krawallmachern fahndet?

Den Verdächtigen werden jeweils erhebliche Straftaten vorgeworfen, wie Oberstaatsanwalt Michael Elsner erläuterte. Polizeipräsident Ralf Martin Meyer sagte: "Das ist der nächste Meilenstein der Soko Schwarzer Block. Wichtig ist es, die Täter schwerer Gewalttaten zur Verantwortung zu ziehen. Dazu bitte ich die Bevölkerung um Mithilfe."

Amtsrichter hatte öffentlicher Fahndung zugestimmt

In den meisten Fällen gehe es um gefährliche Körperverletzung, schweren Landfriedensbruch oder Brandstiftung. Nach den Tatverdächtigen habe die Polizei zuvor erfolglos gefahndet. In allen 104 Fällen hätten Amtsrichter der öffentlichen Fahndung dann zugestimmt.

Die Polizei stellte zudem Videosequenzen auf ihre Internetseite, die das Ausmaß der Straftaten bei den Protesten gegen den G20-Gipfel Anfang Juli zeigen. Die Polizei schätzt, dass in den drei Tagen vom 6. bis zum 8. Juli 5000 bis 6000 Täter aktiv waren. Die Soko „Schwarzer Block“ habe bislang 3340 Ermittlungsvorgänge eingeleitet, sagte Polizeisprecher Timo Zill. Bei mehreren Hundert Verfahren seien Beschuldigte bereits namentlich festgemacht worden.

Gigantische Datenmengen gefiltert

Die Fotos sind von Ermittlern aus gigantischen Datenmengen gefiltert worden, die der Polizei im Zusammenhang mit den Krawallen zur Verfügung gestanden haben. Dabei handelt es sich nicht nur um Aufnahmen der Beweissicherungstrupps der Polizei, sondern auch um privates Material sowie um Aufnahmen aus Überwachungskameras, etwa aus öffentlichen Verkehrsmitteln, die fliehende Täter nach Ausschreitungen zeigen sollen. In vielen Fällen hatten sie ihre Vermummungen abgelegt.

Videos der Polizei zur G20-Fahndung hier

G20: Schwarzer Block im Bereich der Elbchaussee
G20: Schwarzer Block im Bereich der Elbchaussee
Stein- und Flaschenwürfe bei Anti-G20-Protesten
Stein- und Flaschenwürfe bei Anti-G20-Protesten
G20: Plünderungen von Geschäften auf der Sternschanze
G20: Plünderungen von Geschäften auf der Sternschanze
G20: Straftaten im Bereich der Straße Rondenbarg
G20: Straftaten im Bereich der Straße Rondenbarg
Straftaten des Schwarzen Blocks bei "G20 NotWelcome!"
Straftaten des Schwarzen Blocks bei "G20 NotWelcome!"

Vor allem im Zusammenhang mit den Ausschreitungen am Rondenbarg und auf der Elbchaussee, aber auch bei der Demonstration gehen die Ermittler davon aus, dass die Gesuchten aus der militanten linksextremen Szene im In- und Ausland stammen.

Weitere Informationen zu den Veröffentlichungen werden auch über die Social-Media-Kanäle der Polizei Hamburg verbreitet. Hinweise zu den abgebildeten Tätern können über ein auf der Homepage abrufbares Kontaktformular, über das unter der Rufnummer 040/4286-76543 rund um die Uhr geschaltete Hinweistelefon oder persönlich an jeder Polizeidienststelle übermittelt werden.

Reaktion von Berliner Linksautonomen

Als Reaktion auf die große Fahndung in Hamburg haben Berliner Linksautonome Fotos von Polizisten veröffentlicht, die an der Räumung besetzter Häuser in der Rigaer Straße in Berlin beteiligt gewesen sein sollen.

Sie drohten den Polizeibeamten auf der Internetseite indymedia.org indirekt. Die Polizeigewerkschaften reagierten am Montag entsetzt und sprachen von einer Gefahr durch „linksextremistische Terroristen“.