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Witze nicht zum Spaß

Lesedauer: 3 Minuten
Heinrich oehmsen

Lisa Politt und Gunter Schmidt provozieren mit ihrem Weihnachtsprogramm „Zu alt, zu fett und schlecht bei Stimme“ bis zum 31. Dezember im Polittbüro

Angefangen hat sie als Rocksängerin. Das ist jedoch schon mehr als 30 Jahre her, und Lisa Politt lebte noch in der Lüneburger Heide. Doch der Spruch von „Sex and Drugs and Rock ’n’ Roll“ galt damals auch für die talentierte Künstlerin. Wenn die Chefin des Polittbüros ihre aktuelle Weihnachts-Show „Zu alt, zu fett und schlecht bei Stimme“ nennt, spielt der Titel selbstironisch auf das Motto ihrer Jugend an. Gealtert ist Lisa Politt schon, die anderen beiden Attribute treffen auf die Kodderschnauze vom Steindamm nicht zu. Die Zeile über ihrem Weihnachts­programm hat sie übrigens in einer Rezension über den Startenor Luciano Pavarotti gefunden und fand ihn passend für die eigenen Aufführungen vom 15. bis zum 31. Dezember.

Bei diesen Abenden ist Politts langjähriger Partner Gunter Schmidt selbstverständlich dabei, mit dem sie das Polittbüro vor 14 Jahren gegründet hat und mit dem sie seit drei Jahrzehnten das Duo Herrchens Frauchen bildet. Die Zusammenarbeit mit Schmidt beschreibt sie so: „Unsere Stücke als Duo schreibe ich, der Herr Schmidt steuert mir seine rasanten Ideen bei, und komponieren tun wir beide. Er arrangiert dann, trainiert sein Klavierspiel und seinen Text, dann finden wir uns zu den Proben zusammen. Ab da wird umformuliert, gestritten und gelernt.“

Das aktuelle Programm kombiniert alte und neue Nummern

Für das aktuelle Programm haben die beiden wieder neue Lieder geschrieben, aber sie werden auch Nummern aus früheren Shows aus der Kiste holen. Lisa Politt ist ehrlich und kündigt kein komplett neues Programm an. „Mal gucken, wie weit wir bis Weihnachten bei angemessen gesetztem Tempo noch kommen“, sagt sie und spielt dabei wieder auf das Alter an. Auch wenn der Elan vielleicht eine Spur nachgelassen hat, Politts scharfer Blick auf die gesellschaftlichen Verhältnisse ist ungetrübt. „Wir versuchen, möglichst ein Programm auf die Bühne zu bringen, das uns selbst interessiert und von dem wir der Meinung sind, dass es nicht sowieso schon überall auf den anderen Bühnen gezeigt wird: hinzuzufügen, was uns und anderen sonst fehlen würde. Ein linkes, der kritischen Aufklärung verpflichtetes Programm“, erklärt sie ihr Credo. Bei der aktuellen Show ist der Multimedia- und Interactive-Künstler Jo Jacobs dabei. Er wird für manchen Knall­effekt auf der Bühne sorgen.

Auch wenn Politt und Schmidt ihre aktuelle Show in die Vorweihnachtszeit gelegt haben, wird es nicht allzu besinnlich zugehen. „Ich mache meine Witze nicht zum Spaß“, hieß mal eine Hörfunk-Kolumne von Politt für den WDR. Dieser Satz gilt weiterhin für die Kunst der gerade 61 Jahre alt gewordenen Kabarettistin und Sängerin. Anbiederung ist ihr zuwider. In ihren Liedern und Texten bezieht Politt klare Stellung. Politische Wunden, in die sie ihre Finger legen kann, findet sie ständig. Männer und ihre Machtspiele und der Kampf der Geschlechter gehören ebenfalls zu ihren bevorzugten Themen. Man darf gespannt sein, was ihr zum Beispiel zur aktuellen „#Me Too“-Debatte einfällt.

Lisa Politt und Gunter Schmidt: „Zu alt, zu fett und schlecht bei Stimme“ Fr 15.12. bis 31.12. (außer 18. und 24.12.), jeweils 20.00, Polittbüro
(U Lohmühlenstraße), Steindamm 45, Karten zu 20,- unter T. 28 05 54 67; www.polittbuero.de