Schulunterricht

Deshalb dürfen an dieser Grundschule nur schlanke Schüler am Fenster sitzen

In der „Rosa Luxemburg“-Grundschule in Halle (Saale) müssen die Kinder eng zusammenrücken. (Symbolbild)

In der „Rosa Luxemburg“-Grundschule in Halle (Saale) müssen die Kinder eng zusammenrücken. (Symbolbild)

Foto: Marcel Kusch / dpa

Halle/Saale.  In einer Grundschule in Halle an der Saale entscheidet die Körperfülle darüber, ob ein Kind am Fenster sitzen darf oder nicht. Was zunächst diskriminierend klingt, wurde allerdings aus der Not geboren. Die Räume sind schlicht zu eng.

Wie die „Mitteldeutsche Zeitung“ (MZ) berichtet, müssten die Schüler in der ersten Reihe die Köpfe einziehen, sobald der Lehrer die Tafel aufklappen möchte. Auch zwischen Schulpult und Lehrer blieben nur wenige Zentimeter – und in der Fensterreihe sei das Sitzen eben nur sehr schlanken Kindern möglich.

1,7 Quadratmeter pro Kind

„Die kleinen Räume hier sind für Lehrer und Schüler eine Zumutung“, sagte Schulleiterin Corina Kups der Zeitung. Lernen sei dort unmöglich. Gruppenarbeiten schlicht nicht machbar, weil Lehrer kaum noch in die hinteren Reihen kommen, wenn die Tornister neben den Tischen stünden.

24 Kinder teilen sich demnach 40 Quadratmeter. Macht 1,7 Quadratmeter für jedes Kind.

Immerhin, die Schule soll saniert werden, im Februar soll es losgehen. Grundlage der Modernisierung ist das Investitionsprogramm Bildung 2022. Die Schule soll brandschutztechnisch auf Vordermann gebracht werden, schreibt die MZ. Sieben weitere Räume sollen durch die Sanierung nutzbar gemacht werden, heißt es in der Stadtverwaltung. „Somit steht genügend Platz für 240 Schüler zur Verfügung.“

Unerwarteter Schüleranstieg durch Zuwanderung

Bis es so weit ist, ist die Platznot aber noch groß, sagt Schulleiterin Kups. Weil das Gebäude eigentlich ein Kindergartenbau aus DDR-Zeiten sei – und zwar das kleinstmögliche Modell. Ausgelegt für 80 Kinder. Heute würden dort etwa 200 Erst- bis Viertklässler unterrichtet. Bitter: Vor acht Jahren gab es nebenan noch ein größeres Gebäude der ehemaligen Oberschule, doch das wurde abgerissen.

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„Weil alle angenommen haben, man brauche nicht mehr so große Schulen“, sagte Kups. Doch mit der Zuwanderung ist die Nachfrage wieder groß geworden, es wurde „kuschelig“ im Klassenzimmer. Die Schulleiterin klagt: „Die Luft ist dick, die Kinder stecken sich noch schneller mit Krankheiten an und sind deutlich aggressiver, wenn sie so zusammengepfercht sitzen.“ Doch damit nicht genug.

Lehrermangel bereitet zusätzlich Sorgen

Hinzu kommt auch noch akuter Lehrermangel. Und der treibt dann in Kombination mit dem Platzproblem mitunter besonders absurde Blüten.

Als ein Kollege ausfiel und nicht ersetzt werden konnte, habe die Schulleiterin einmal 50 Kinder gleichzeitig unterrichten müssen. Weil die unmöglich alle in einen Raum gepasst hätten, habe die eine Klasse im Flur gesessen – und Kups unterrichtete aus dem Türrahmen heraus. (cho/sdo)

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version des Textes stand nicht, dass die Schule ab Februar 2018 saniert werden soll und dadurch neue Räume nutzbar werden. Das haben wir nun ergänzt.