gross Flottbek

So will der Bürgerverein die Krise meistern

Optimismus prägt Stimmung bei Sondersitzung der Mitglieder von Flottbek-Othmarschen

gross Flottbek. Einen solchen Andrang hatte es bei Veranstaltungen des Bürgervereins Flottbek-Othmarschen schon lange nicht mehr gegeben. Doch allen Anwesenden war bei der Sitzung in den Räumen der Volkshochschule (VHS) West an der Waitzstraße am Donnerstagabend klar, dass es um die Existenz des Vereins geht. Der steckt, wie berichtet, in der tiefsten Krise seiner Geschichte.

Jogginggruppe, Gutscheine für eine Mitgliedschaft und mehr kommunalpolitisches Engagement: Das waren nur einige der zahlreichen Vorschläge, die während einer offenen Ideensammlung aus dem Publikum kamen. Der wohl originellste Vorschlag dieses Abends: eine Plattform, über die ältere Vereinsmitglieder vermittelt werden könnten, zum Beispiel als Babysitter. Ideen wie diese sollen dazu beitragen, den Verein in den beiden Stadtteilen wieder populärer zu machen. Denn es werden dringend neue zahlende Mitglieder und aktive Helfer benötigt.

Vereinsleben krankt auch an mangelndem Engagement

Wie berichtet, steckt der Bürgerverein Flottbek-Othmarschen wegen sinkender Mitgliedsbeiträge in einer akuten Finanzkrise und kann kaum noch kostendeckend arbeiten. Das Geld muss unter anderem für die Anmietung des Vereinsbüros an der Waitzstraße und die Gestaltung der kostenlosen Vereinszeitung „Unser Blatt“ aufgewendet werden. Das Vereinsleben krankt aber auch an der mangelnden Bereitschaft vieler Mitglieder, Ämter und sonstige Aufgaben zu übernehmen. Die Kassenprüferin hatte kürzlich hingeschmissen. Von den acht ehrenamtlich tätigen Vorstandsmitgliedern stehen im kommenden Jahr maximal zwei für die Wiederwahl zur Verfügung.

Im voll besetzten Vortragssaal hatte die Vereinsvorsitzende, Ann-Katrin Martiensen, noch einmal die Brisanz der aktuellen Situation skizziert. „Es ist fünf vor zwölf“, warnte Martiensen. Der Verein kämpfe um seine Existenz. Aktuell zählt der Verein 446 Mitglieder. Laut Martiensen wären für die Fortsetzung der aufwendigen Arbeit aber rund 540 Mitglieder notwendig.

Bürgervereine sind Klebstoff zwischen Politik und Bürger

„Bürgervereine sind der Klebstoff zwischen Bezirkspolitik und Bürger“, appellierte Martiensen. Aufgrund der Gestaltungsmöglichkeiten, die sich daraus ergeben, sei der Verein auch für Jüngere attraktiv. Einen „Verein der Generationen“ wünscht sich die Bürgervereinvorsitzende daher für die Zukunft. Wie man jüngere Mitglieder genau werben könne, blieb offen. Ein Vorschlag lautete: Geschenkgutscheine unterm Weihnachtsbaum – für die ganze Familie.

Ein Hoffnungsschimmer: Nach intensiven Gesprächen gibt es nun doch Interessierte, die sich für die Vorstandsarbeit zur Verfügung stellen wollen. Denn auch die engagierte Martiensen kann aus persönlichen Gründen nicht weitermachen. Für sie wird dringend eine Nachfolge gesucht.

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