Berlin

Die Cloud fürs Wohnzimmer

Berlin. Nie war es so einfach wie heute, seine Daten immer verfügbar zu haben: egal ob Word-Dokumente für die Arbeit, Powerpoint-Präsentationen für die Schule, Tausende Urlaubsfotos oder die liebsten Spielfilme. Alles was man braucht, ist ein Smartphone oder Notebook und einen Internetzugang.

Damit das funktioniert, muss man seine Daten in der „Cloud“ speichern, also auf Servern im Internet, die immer erreichbar sind. Nutzt man den Service großer Dienste wie Google oder Apple, können diese Server theoretisch überall stehen – mittlerweile gibt es aber auch gut bedienbare Alternativen für zu Hause: Wir haben zwei einfache Speichersysteme und einen Heimserver ausprobiert.


Welche Gründe sprechen
für eine Heim-Cloud?
Ob man Wert auf eine private Cloud-Lösung legt, ist vor allem Geschmackssache. Vielen Nutzern behagt es nicht, private Dinge wie Familienfotos einem Unternehmen anzuvertrauen. Ein weiterer Punkt ist, dass die meisten Cloud-Anbieter kostenfrei nur vergleichsweise wenig Speicherplatz bieten. Bei Google Drive sind das aktuell 15 Gigabyte (GB), bei Apples iCloud oder Microsoft One Drive nur fünf GB und bei Dropbox gar nur zwei GB.

Wer mehr Platz braucht muss zahlen: Zehn Euro monatlich verlangen Anbieter für ein Terabyte (TB), also 1000 GB Speicherplatz – deutlich mehr bekommt man dafür nur bei Microsoft – nämlich fünf TB und fünf Office-365-Lizenzen mit dazu.

Die Alternative sind kleine Cloud-Systeme für zu Hause. In den meisten Fällen handelt es sich dabei um ein sogenanntes NAS. NAS ist die Kurzform für „Network Attached Storage“, also einen Speicherplatz, der ans Heimnetzwerk angebunden ist.

Ein solches NAS lässt sich wie ein Netzwerklaufwerk nutzen: Fotos oder Videos können vom Computer ausgelagert und anschließend unkompliziert am smarten TV wiedergegeben werden, die WLAN-Boxen greifen zentral auf die jahrelang gesammelten, digitalisierten Musikschätze zu.

Mittlerweile lassen sich via App auch Daten vom Smartphone und Tablet unkompliziert über solche Speichersysteme auslagern, nutzen oder teilen – und das, ohne dass sie dafür durch das Internet befördert werden müssten.

Fritzbox NAS
Die meisten Fritzboxen des Herstellers AVM lassen sich mit einem angesteckten Speichermedium schnell zu einer kleinen Heim-Cloud aufrüsten – zusätzliche Hardware ist dafür nicht notwendig. Alles was man tun muss, ist einen Stick oder eine externe Festplatte an den USB-Anschluss der Fritzbox zu stecken. Anschließend wird das System mit ein paar Klicks in den Fritzbox-Einstellungen eingerichtet:

Dazu als erstes im Browser die Adresse fritz.box aufrufen. (klappt nur, wenn man sich im heimischen Netzwerk befindet). Das anschließend geforderte Passwort ist in der Regel auf der Unterseite der Fritzbox aufgedruckt – sofern man nicht ein eigenes vergeben hat.

In der Benutzeroberfläche der Fritzbox setzt man unter Heimnetz>Mediaserver Mediaserver auf „aktiv“ und klickt auf „Übernehmen“. Anschließend kann aus dem Heimnetz auf die Daten bequem per Browser (http://fritz.nas) zugegriffen werden. Wer will, kann außerdem auch einen Fernzugriff aus dem Internet aktivieren, sowie bis zu fünf Benutzerkonten einrichten, sodass bestimmte Daten nur vom jeweiligen Benutzer eingesehen werden können. Eine ausführliche Anleitung zu den jeweiligen Einstellungen findet man unter avm.de/service im Netz. Hier nur das eigene Fritzbox-Modell auswählen und anschließend ins Suchfeld NAS eingeben.

Fazit: Eine einfache und günstige Möglichkeit, Daten zentral zu teilen – wenn man denn eine Fritzbox hat.


WD MyCloud Home
Eine eigenständige Lösung bietet Western Digital mit MyCloud Home (ab 175 Euro). Die erst im Herbst vorgestellte Cloud-Lösung, so verspricht der Hersteller, sei noch zugänglicher als die bisherigen MyCloud-Produkte – außerdem bietet das Kästchen zusätzlich einen USB-Anschluss, über den auch externe Medien wie USB-Sticks oder – via Adapter – Speicherkarten gesichert werden können.

In erster Linie zielt MyCloud Home tatsächlich darauf ab, ein Sicherungsmedium zu sein: über die zugehörigen Apps bzw. Desktopprogramme lassen sich alle Daten von Handy, Tablet oder Computer automatisch sichern. Als Multimedia-Server lässt sich MyCloud Home auch nutzen, allerdings nur über den Umweg des Dienstes Plex. Damit können dann etwa Filme auf dem Smart-TV ausgegeben und die Musiksammlung auf den Streaming-Boxen – ohne dass ein PC dafür angeschaltet sein müsste.

Für Familien oder WGs außerdem interessant: es lassen sich bis zu vier weitere Nutzer hinzufügen. Ihre Daten werden so gespeichert, dass kein anderer MyCloud-Nutzer sie einsehen oder gar verändern kann. So bleiben private Daten auch innerhalb der Familie oder WG privat. Die günstigste MyCloud Home verfügt über zwei TB Speicherplatz, das größte Modell über acht.

Wer die MyCloud Home aber tatsächlich als Back-up-Lösung nutzt und darauf baut, dass die Daten hier sicher verwahrt sind, sollte etwas mehr Geld für die MyCloud Home mit Doppellaufwerk (ab 350 Euro, für vier TB) ausgeben. Hier sind zwei Festplatten im Gehäuse verbaut, die zweite Platte tut nichts anderes, als den Inhalt der ersten Platte zu spiegeln. Geht eine Festplatte kaputt, bleiben die Daten trotzdem erhalten.

Fazit: Ein guter Datenspeicher mit halbwegs intuitiver und einfacher Bedienung. Bei wichtigen Daten lieber zur teureren Variante mit zwei Laufwerken greifen.


Datamate Homie
Der Homie von Datamate (ab 1000 Euro) spielt in einer ganz anderen Liga – auch preislich. Das kleine Gerät im eleganten Nussholzgehäuse ist ein echter Server. Das heißt, hier lassen sich nicht nur Daten speichern und von überall aus abrufen – der Homie übernimmt auch viele andere Aufgaben und holt sie aus der Cloud nach Hause ins Wohnzimmer. So wird er auch zum E-Mail-Archiv oder auf Wunsch noch zum Webserver für die eigene Website. Außerdem lässt sich das schicke Kästchen direkt per HDMI-Kabel an den Fernseher anschließen und macht diesen dann zur Multimedia- und Spielezentrale – ganz egal, ob er schon mit smarten Funktionen ausgestattet ist oder nicht.

Die Aufgaben werden zum überwiegenden Teil mit Open-Source-Programmen erledigt – das heißt, ihr Programm-Code ist frei und offen einsehbar. Versteckte Hintertüren gibt es nicht. Damit bietet Homie sehr viel mehr als ein einfaches NAS-System. Der Haken an solchen Servern ist üblicherweise, dass man über solide IT-Kenntnisse verfügen muss, um den Server und seine Programme einzurichten. Der Clou bei Homie: die Einrichtung erfolgt per Fernwartung und Telefon. Ein Mitarbeiter übernimmt die Kontrolle beim Einrichten und erzählt dem Anwender genau, was er tut. Kennwörter gibt der Nutzer dabei selbst ein, der Support-Mitarbeiter erfährt sie also zu keinem Zeitpunkt. Im Test klappte das sehr gut. Eine Stunde Zeit sollte man für den Prozess aber mindestens einplanen. Wer über die Einrichtung hinaus weiter die volle Unterstützung in Anspruch nehmen will, kann zudem für zehn Euro monatlich einen Wartungsvertrag abschließen.

Fazit: Datamate schafft mit Homie eine tolle, sichere Open-Source-Serverlösung, die sich dank Einrichtungssupport auch für Menschen ohne große IT-Kenntnisse eignet. Wer also eine echte Heim-Cloud wünscht und sich von großen Netzdiensten möglichst unabhängig machen möchte, bekommt hier ein durchdachtes Angebot.

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