Kolumne

Blowin' in the Wind? Aber nein!

400.000 Dollar für eine Gitarre von Bob Dylan: Da ist jede Saite ihr Geld wert.

Bob Dylan und die Gitarre, das ist eine der heikelsten Beziehungen der Musikgeschichte. Nicht für ihn selbst, sondern für seine Fans. Als "His Bobness", der Held der Bürgerrechtsbewegung, Mitte der 60er mit einem Mal beschloss, künftig brachial in die Saiten zu hauen und die dabei entstehenden Geräusche auch noch elektrisch zu verstärken, war das aufsehenerregend. Und ein Sakrileg – als wäre ihm der Teufel in die Gitarre gefahren!

Ganz Gescheite wussten allerdings schon damals, dass der Meister aller Songwriting-Klassen mit dem lauten Gitarrengedöns lediglich sein gar zu schwächliches Stimmchen vollends übertönen wollte. Ein Aspekt, der bislang sicherlich unterbelichtet geblieben ist: wie der Protestsänger Dylan ("Blowin' in the Wind") den modernen Rock erfand, um von seinem Gekrächze abzulenken.

Es ist nun eine akustische Gitarre von Bob Dylan (Modell: Martin D-28 Akustik), die in Texas für den rekordverdächtigen Preis von 400.000 US-Dollar an einen anonymen Käufer versteigert wurde. Ein doller Geldregen für Gitarrenbauer Larry Cragg ("Es war eine von Dylans Lieblingsgitarren"), der laut eigener Aussage das Instrument 1977 für 500 Dollar erwarb, wobei Dylan angeblich der letzte Benutzer war, der auf der Gitarre spielte. Das wirft wirklich Fragen auf – warum nur verkaufte der Pionier, dem ein Folk-Fan einst beherzt ein "Judas" entgegenschleuderte, eines seiner Lieblingsstücke? War das nichts anderes als ein finaler Verrat an der Akustikgitarre? Und wenn schon: Kein Geld dieser Welt ist in den Wind geblasen, wenn es um eine Gitarre geht, die der heilige Bob Dylan zupfte.

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