Washington

Kevin Spacey will in Therapie gehen

Washington. Am Anfang war eine einzige grelle Szene: Harvey Weinstein. Ein Mann missbraucht in Hollywood seine Macht, um sich Frauen sexuell gefügig zu machen. Heute ist es eine Endlosschleife aus hässlichen Episoden, in der beinahe jeden Tag neue Namen fallen, Vorstandsköpfe rollen, Delinquenten in Therapie gehen, Dreharbeiten gestoppt werden und Staatsanwälte ermitteln. Und ein Ende ist nicht in Sicht. Hollywood, spottete ein Filmkritiker gerade, „zieht sich den roten Teppich unter den Füßen weg“, der im Frühjahr bei der Oscar-Verleihung wieder ausgerollt wird.

Dass „House of Cards“-Star Kevin Spacey dann für seinen gelungenen Part als J. Paul Getty in „All the Money in the World“ die Statue in der Hand halten wird – unwahrscheinlich. Nachdem etliche Vorwürfe von Belästigung gegen den seit Kurzem offen schwul lebenden Mimen laut geworden sind, hat Spacey sich abgemeldet. „Er nimmt sich Zeit für Analyse und Behandlung“, sagte sein Agent.

Zeit, die Brett Ratner nicht hat. Der Regisseur von Kassenschlagern wie „X-Men“ hat ein halbes Dutzend Frauen gegen sich, die ihm massive sexuelle Belästigung vorwerfen. Ratner streitet, wie sein Kollege James Toback, dem 300 (!) Missetaten vorgeworfen werden, alles ab. In vielen Fällen, vor allem bei Weinstein, sind polizeiliche Ermittlungsverfahren in Gang gekommen, die noch auf Monate für Schlagzeilen sorgen werden.

Eine wurde jetzt einem Großmeister zuteil. Dustin Hoffman soll 1985 eine 17-jährige Praktikantin am Set betatscht haben. Anna Graham Hunter, die Betroffene: „Er war ein Jäger, ich war ein Kind.“ Und Hoffman? Fühlt sich schrecklich, dass er Graham in eine „unangenehme Situation“ gebracht haben könnte.