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Hamburg kann Spitzenforschung

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Angela Grosse

Wo der Wissenschaftsstandort deutschland- und europaweit führend ist. 376 Millionen Euro aus EU-Förderung

In Hamburg gibt es mehr Spitzenforschung, als die meisten womöglich denken. Gerade haben vier von fünf Projekten, die die Uni Hamburg und ihre Partner in der Exzellenzstrategie des Bundes eingereicht hatten, die erste Hürde genommen. Die vier – in drei wirken Natur-, Geistes- und Sozialwissenschaftler interdisziplinär zusammen – sind in die Endrunde des Wettbewerbs eingezogen. Eine beeindruckende Ausbeute. Denn deutschlandweit gaben die internationalen Gutachter nicht einmal jedem zweiten der insgesamt 195 Anträge eine Chance. Erhält die Universität im kommenden Jahr den Zuschlag für zwei Forschungsvorhaben, kann sie sich um den Exzellenztitel bewerben. Ihn werden nur 15 Universitäten in Deutschland erhalten.

Auf Bundesebene war auch die Hochschule für Musik und Theater (HfMT), eine der größten Musikhochschulen, sehr erfolgreich. Als einzige künstlerische Hochschule in Deutschland warb sie Finanzmittel aus dem Bundesprogramm Innovative Hochschule ein. Bis zu 8,3 Millionen Euro kann die HfMT nach erfolgreicher Antragsprüfung in den kommenden fünf Jahren erhalten. In der Langen Nacht des Wissens können die Besucher erstmals das für 30 Millionen Euro sanierte Trautwein-Gebäude besichtigen, in das die HfMT erst kürzlich wieder einzog.

Wer Lust hat, neue Gebäude zu besichtigen: Fertiggestellt wurde auch das Forschungsgebäude des Interdisziplinären Zentrums für strukturelle Systembiologie (CSSB) auf dem Campus Bahrenfeld, das in diesem Jahr eröffnet wurde. Das CSSB – an dem auch mit der Kryo-Elektronenmikroskopie gearbeitet wird, für die es in diesem Jahr den Nobelpreis in Chemie gab – erforscht, wie Krankheitserreger den Menschen infizieren.

Das Resümee nach zehn Jahren EU-Förderung fällt in Hamburg äußerst positiv aus: Die Wissenschaft hat in dem Zeitraum rund 376 Millionen Euro eingeworben. Das ist mehr, als aus allen anderen EU-Förderprogrammen zusammen in der Stadt landete. Darunter sind 54 Stipendien des Europäischen Forschungsrats, die sogenannten ERC-Grants. Mit ihnen werden einzelne Forscher, die weltweit anerkannt sind, für ihre Arbeit gefördert. Die Wissenschaftler erhielten rund 86 Millionen Euro. 15 der 54 Auszeichnungen gingen an das Universitätsklinikum Eppendorf, 22 an die Uni Hamburg.

Die weltweit größte Aufmerksamkeit erhielt am 1. September der European XFEL, der nach achtjähriger Bauzeit in Betrieb ging. Die Forschungsanlage wird die Wissenschaft weltweit grundlegend voranbringen. Der 3,4 Kilometer lange XFEL erzeugt in unterirdischen Tunneln extrem intensive Röntgenlaserblitze und macht den Ablauf kleinster chemischer Prozesse sichtbar. Mediziner können den Angriff von Viren auf Zellen filmen , Physiker das atomare Treiben studieren und effizientere Akkus konstruieren, Biochemiker die Kunst der Pflanzen, Kohlendioxid und Wasser zu Sauerstoff und Energie umzuwandeln, enträtseln. Eine künstliche Fotosynthese könnte aus dem Klimakiller CO2 einen attraktiven Rohstoff machen.

Die Strahl- und Innovationskraft des European XFEL ist mindestens so groß wie die der Elbphilharmonie.