Kino-Tipp

Die Satire „Barry Seal“ beruht auf einer wahren Geschichte

Foto: David James / dpa

Wieder mal so ein Film, in dem ein Großkrimineller, der in diesem Fall zudem in hochpolitische Machenschaften verstrickt ist, zum Sympathieträger wird. Doch man muss diesen windigen Typen, den Tom Cruise mit charmanter Lässigkeit spielt, einfach mögen, obwohl er mit seinen Drogen- und Waffenschmuggeleien in den 70er- und 80er-Jahren Milliarden anhäuft und so ganz nebenbei mit der CIA unter einer Decke steckt.

Das komödiantische Leinwandabenteuer „Barry Seal – Only In America“ von Regisseur Doug Liman („Die Bourne Identität“) kommt als ausgebuffte Polit-Satire mit Witz und Biss und jeder Menge Action daher. Und doch beruht diese absurd wirkende Story auf wahren Begebenheiten. Dabei ging es aber wahrscheinlich nicht immer so locker zu wie in diesem höchst unterhaltsamen Film.

Dieser Barry Seal aus Baton Rouge im US-Staat Louisiana war eine reale Figur, die sich immer mehr in dubiose Machenschaften zwischen Geheimdienst, Bundespolizei, Guerrilla-Kämpfern in Nicaragua und kolumbianischem Medellin-Kartell verstrickte und es doch immer wieder schaffte, den Kopf aus der Schlinge zu ziehen. Na ja, fast immer. Bereits mit 16 Jahren machte er den Pilotenschein. Ende der 60er-Jahre war er einer der jüngsten Flugkapitäne der USA. Und einer der ausgebufftesten. Wenn ihm danach ist, täuscht er auch mal nur so zum Spaß Turbulenzen vor. Und er nutzt den Flugplan, um nebenbei Zigarren oder Drogen in die USA zu schleusen.

Als er zum ersten Mal gefasst wird, erscheint die CIA auf der Bildfläche. Zunächst soll er auf Niedrigflügen über Lateinamerika kommunistische Aktivitäten fotografisch dokumentieren. Er schafft es mit Bravour. Dabei lernt der Haudrauf neben dem späteren General Manuel Noriega auch Jorge Ochoa und Pablo Escobar kennen, die dabei sind, ihr kolumbianisches Drogen-Imperium in Medellin zu errichten. Seal wird ihr Partner und einer der reichsten Männer Amerikas.

Dabei bleibt er stets der treusorgende Familienvater, weiht seine Ehefrau Lucy (Sara Wright Olsen) aber erst spät in seine wahren Geschäfte ein. Seal ist eine Schlüsselfigur in einem der größten Skandale der US-Geschichte. Unter der Reagan-Administration flog er Waffen für die Contras nach Nicaragua, war aktiv beteiligt an der Iran-Contra-Affäre. Irgendwann weiß er nicht mehr, wohin mit dem ganzen Geld. Was ihm später zum Verhängnis wird. Doch erneut kann er sich mit einem milden Urteil aus der Affäre ziehen. Denn Seal bietet der Regierung an, Drogenbarone und Sandinisten ans Messer zu liefern. Damit aber bringt er das Medellin-Kartell gegen sich auf. Am Ende fallen Schüsse.

Schon 1999 wurde die Story mit Dennis Hopper fürs Fernsehen verfilmt. Es gibt Dokumentationen und Bücher über Seal. Das zeigt, welch populärer, wenn auch zwiespältiger Held Barry Seal in den USA ist. Liman und Cruise bringen nun viel Popcorn-Komik ins politische Ränkespiel. Es gibt rasante Verfolgungsjagden, geschliffene Dialoge – und interessante Begegnungen mit US-Präsidenten. Man lernt einmal mehr: Politik ist ein finsteres Geschäft. Es kann tödlich enden.

„Barry Seal – Only In America“ USA 2017, 115 Minuten, ab 12 Jahren, Regie: Doug Liman, Darsteller: Tom Cruise, Sarah Wright, Domhnall Gleeson, täglich im CinemaxxDammtor/Harburg/ Wandsbek, UCI Mundsburg/Othmarschen Park/Wandsbek