PZ-Leseprobe

Wenn Radfahrer ein Rad ab haben

| Lesedauer: 2 Minuten
Rainer Burmeister

Bei aller Sympathie für Biker – immer wieder gibt es Situationen zum Kopfschütteln

Immer die Radfahrer: Das war der Titel eines Heinz-Erhardt-Films von 1958. „Immer die Radfahrer“ heißt es aber auch heutzutage noch, wenn es darum geht, den Radlern – berechtigt oder nicht – Vorwürfe wegen ihres Verhaltens zu machen. Da ich selbst ein mehr oder weniger munterer Fahrradpilot bin, gehört meine Sympathie im Zweifel zunächst den Mitstramplern. Doch es gibt auch Situationen, in denen meine vorauseilende Solidarität auf eine harte Probe gestellt wird.

So wie kürzlich auf einem Pinnauwanderweg, der für Fußgänger und Radfahrer freigegeben ist. Zunächst erkannte ich etwa 300 Meter voraus nur einen Menschen in Begleitung von zwei Hunden, der sich an seinem Fahrrad zu schaffen machte. Als ich näher kam, stieg der Mann etwas umständlich auf sein Rad, das per Doppelleine mit den Hunden verbunden war. Die kräftigen Kläffer liefen an, als der Radler etwas in die Pedale trat. Das genügte: Nach ein paar Metern wurden Rad und Fahrer vom Hundegespann voraus gezogen und rollten davon. Zum Glück waren keine anderen Fußgänger oder Radfahrer unterwegs, die diesem gefährlichen Dog-Mobil hätten ausweichen müssen.

Ähnlich atemberaubend geriet auf der verkehrsreichen Gärtnerstraße in Halstenbek vor einigen Tagen der Auftritt einer jungen Radfahrerin. Dass vom Fahrrad aus telefoniert wird, ist ja trotz Verbots schon fast alltäglich geworden. Doch die smarte Pedalistin fuhr bei etwa Tempo 25 freihändig – und das hatte seinen Grund: In der linken Hand hielt sie ihr Smartphone, mit den Fingern der rechten Hand tippte sie offenbar den Text für eine Kurzmitteilung ein. Dabei wechselte ihr Blick hin und wieder auf die sie umgebende Verkehrslage. Gar nicht smart!

Dass Alter nicht vor Torheit schützt, zeigte sich neulich in Rellingen. Zwischen Kirche und Arkadenhof kreuzte ein Pulk von etwa 20 Radausflüglern im Seniorenalter auf dem Gehweg auf. Entgegen der Fahrtrichtung, dafür aber überwiegend mit Sturzhelmen geschützt. Vertrauend auf die Macht der Masse querte die Formation dann noch bei Rotlicht eine Kreuzung, sodass der Fahrzeugverkehr abrupt bremsen musste. Bei soviel „Schwarm-Intelligenz“ rief ich den Verkehrssündern „vorbildlich!“ zu. Das Echo kam prompt: „Ja, wir sind vorbildlich!“

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